Westerstede - Im Jahr 2007 wurde die Studie „Was macht Kinder glücklich und was können wir dafür tun?“ im Auftrag des ZDF durchgeführt. Ein Teilergebnis dieser Studie ist, dass die Schule mit zunehmendem Alter als Glückskiller Nummer eins wahrgenommen wird. Auch vorherige Studien unterstützen diese These und bewegten Ernst Fritz-Schubert, ehemaliger Oberstudiendirektor an der Willi-Hellpach-Schule in Heidelberg, zur Entwicklung des Schulfachs Glück. Aber was kann man sich darunter vorstellen?
Die Grundlage des Faches ist die Definition des Glücks als dauerhaftes Wohlbefinden oder auch als Lebenszufriedenheit. Dementsprechend soll das Schulfach Glück die Lebenskompetenz und Lebenszufriedenheit der Schüler fördern und ihnen bei ihrer Persönlichkeitsfindung helfen. Um diese Zielsetzung zu verwirklichen, sollen die Schüler lernen, mit Herausforderungen und Problemen ihrer Umgebung umzugehen und die Notwendigkeit ihres Handelns zu erkennen, lösungsorientiert statt problemorientiert zu arbeiten, sich selbst sinnvoll zu organisieren und letztendlich ihre eigenen Stärken erkennen und diese bewusst für ihre persönlich definierten Ziele einsetzen.
Häufig kann man aus eigenen Erfahrungen heraus bestätigen, dass Schule eher mit Notendruck, wenig Platz für persönliche Entfaltung oder auch Motivationslosigkeit als mit Glück assoziiert wird. Aus diesem Grund ist für viele Schülerinnen und Schüler die Schule und Glück ein unvereinbarer Widerspruch. Das Schulfach Glück versucht dieser Einstellung konstruktiv zu begegnen und den Schülern unter anderem Strategien und Wege zur Zielerreichung aufzuzeigen oder wie man mit Stress am besten umgehen kann. Durch die verstärkte Auseinandersetzung mit der Persönlichkeit der einzelnen Schüler können diese jeweils noch individualisiert werden. Dieses Beispiel zeigt, dass das Schulfach dazu beiträgt den Widerspruch zwischen Schule und Glück aufzulösen.
Das Schulfach Glück wird inzwischen an mehr als 100 deutschsprachigen Schulen unterrichtet, darunter auch an einigen niedersächsischen Schulen wie beispielsweise Göttingen.
Der Schulleiter der Europaschule Gymnasium Westerstede, Norbert Brumloop, beurteilt das Schulfach eher kritisch. So seien Inhalte wie Persönlichkeitsbildung, Vermittlung von Lebenskompetenz, Selbstvertrauen und Lebensfreude sowie Verantwortungsübernahme Angelegenheiten, die integral in allen bestehenden Fächern vermittelt und beigebracht werden müssten. Eine Einführung eines eigenen Schulfaches Glück sei nicht notwendig und auch nicht zielführend.
