Prag - Die Eishockey-WM beginnt am Freitag in Prag und Ostrau. Deutschland startet Sonnabend gegen Frankreich (16.15 Uhr/Sport 1). Hauptattraktion des Turniers ist Kanadas Superstar Sidney Crosby. Den Stürmer der Pittsburgh Penguins aus der nordamerikanischen Profiliga NHL muss das Team von Bundestrainer Pat Cortina bereits am Sonntag (16.15 Uhr/Sport 1) stoppen.

Wo wird gespielt?

In Prag in der O2 Arena, dort trägt auch das deutsche Team seine Vorrundenspiele aus. Die 2004 errichtete Halle hat ein Fassungsvermögen von 17 360 Zuschauern. In Ostrau wird in der CEZ Arena gespielt. Dort gehen 10 595 Menschen rein. Die Organisatoren rechnen mit insgesamt 600 000 Zuschauern bis zum Finale am 17. Mai in Prag und hoffen auf einen Rekord. Den stellten die Tschechen bereits im Jahr 2004 mit 552 097 Fans auf. Dieser hatte bis zum letzten Jahr Bestand, als offiziell 640 044 Zuschauer nach Minsk kamen.

Wie wird gespielt?

Zunächst in zwei Gruppen mit je acht Teams. Die ersten vier Nationen ziehen ins Viertelfinale ein. Dann wird im K.o.-Modus gespielt. Die beiden Gruppenletzten steigen direkt in die B-Gruppe ab. In der Vorrunde gibt es bei einem Unentschieden eine Verlängerung von fünf Minuten. Das Team, das dort ein Tor schießt, hat gewonnen („sudden death“ - „plötzlicher Tod“). Fällt kein Tor, wird der Sieger im Penaltyschießen ermittelt.

In der K.o.-Runde dauert eine mögliche Verlängerung zehn, im Finale 20 Minuten. Für einen Vorrunden-Sieg in der regulären Spielzeit gibt es drei Punkte, für einen Sieg nach Verlängerung oder Penaltyschießen zwei Zähler. Der Verlierer einer Entscheidung nach 60 Minuten erhält immerhin noch einen Zähler.

Wer sind die Favoriten?

Top-Favorit ist Kanada. Der zweite deutsche Gegner ist nur mit NHL-Stars besetzt und hat in Sidney Crosby den vielleicht besten Spieler der Welt in seinen Reihen. „Es wird nur ein, zwei, drei Spiele im Leben gegen so einen Spieler geben. Das sind Momente, die man genießen sollte“, meinte Stürmer-Routinier Christoph Ullmann zum Treffen am Sonntag (16.15/Sport 1). Crosby gewann 2009 den Stanley Cup und holte bereits zweimal Olympia-Gold mit Kanada. Nun soll der erste Weltmeistertitel her.

Rekord-Weltmeister Russland geht als Titelverteidiger ins Rennen. „Auch Tschechien mit dem Heimvorteil wird eine Bank sein. Eigentlich kann man jede Top-Nation nennen“, meinte DEB-Präsident Franz Reindl. Dazu gehören auch Finnland, Schweden und die USA.

Wie stehen die Chancen für Deutschland?

Mau. Vor der WM sagten 22 Spieler teilweise verletzt ab - fast ein gesamter Kader. Darunter auch die NHL-Stars Dennis Seidenberg und Marcel Goc. Für das deutsche Team geht es in der Gruppe A wohl nur um den Klassenverbleib. „Man muss hier realistisch sein“, bekannte auch Bundestrainer Pat Cortina. Zuletzt stieg Deutschland sportlich 2009 aus der A-Gruppe ab und blieb nur wegen der folgenden Heim-WM 2010 erstklassig. Einige Spieler sind dennoch optimistisch. „Das Ziel muss das Viertelfinale sein“, meinte etwa Goalie Dennis Endras.

Cortina bat bei der Beurteilung seiner Arbeit um Fairness. „Es waren schwierige Jahre“, sagte der unter Druck stehende Bundestrainer rückblickend auf seine bisherige Zeit als Chefcoach seit 2012. In diese Zeit fallen die erstmals verpasste Olympia-Qualifikation 2013 und die mit Platz 14 schlechteste WM seit 2009 im vergangenen Jahr.

Cortina wies darauf hin, dass er zunächst auch noch Sportdirektor beim DEB und in seinem ersten Jahr zusätzlich noch Clubtrainer des EHC München war: „Da hatte ich vielleicht nicht genug Energie für das Nationalteam.“ Erst nach der Amtsübernahme von Franz Reindl als Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) im vergangenen Sommer könne er sich nun ganz auf seine Rolle als Trainer konzentrieren.

„Erst jetzt fühlt es sich so langsam an, dass es auch wirklich mein Team ist“, sagte Cortina, dessen Vertrag nach der WM ausläuft. Eine Verlängerung gilt als unwahrscheinlich. Der 50-Jährige beteuerte allerdings, gerne bleiben zu wollen: „Natürlich, ohne Zweifel. Ja, absolut.“

Welche Stars sind sonst noch dabei?

Außer Crosby allen voran Jaromir Jagr. Der inzwischen 43 Jahre alte Stürmer der Florida Panthers kann es nicht lassen und tritt in seiner Heimat noch einmal an. Die tschechische Sportlegende hatte seine Karriere im Nationalteam 2014 eigentlich schon beendet. Nun soll der dritte Weltmeistertitel her.

Die großen Nationen halten zum Turnierbeginn traditionell noch Kaderplätze frei, um diese mit NHL-Stars zu besetzen, die in den Playoffs in Nordamerika mit ihren Teams noch scheitern. Bei den Russen sind in Jewgeni Malkin (Pittsburgh) und Ilja Kowaltschuk (St. Petersburg schon zu Beginn klangvolle Namen dabei. Ein Highlight bietet Slowenien in der Gruppe B. Der Außenseiter hat den zweifachen Stanley-Cup-Sieger Anze Kopitar aus Los Angeles in seinen Reihen.

Wo werden die Spiele übertragen?

Der Spartensender Sport 1 überträgt alle deutschen Spiele live. Laut Sender sind dort insgesamt 31 WM-Spiele live zu sehen.

Die Schweizer Nationalmannschaft erreichte unterdessen eine traurige Nachricht. Der frühere Auswahlspieler Duri Camichel ist am Mittwoch im Alter von 32 Jahren bei einem Autounfall in Costa Rica ums Leben gekommen. Das bestätigte der Eishockey-Weltverband IIHF auf seiner Internetseite. Bei dem Unfall starb auch Harry Andereggen, der zum Trainerteam der Nationalmannschaft um NHL-Star Mark Streit gehört hatte.

Camichel hatte 2007 für die Schweiz an der WM in Russland teilgenommen. Bis zum Ende seiner Karriere im Jahr 2014 absolvierte er 14 Spielzeiten als Stürmer für den EV Zug und den SC Rapperswil-Jona in der Schweizer Top-Liga.

Die Schweiz ist bei der WM am 5. Mai Gruppengegner der deutschen Mannschaft. Ihre Auftaktpartie haben die „Eisgenossen“ am Sonnabend in Prag gegen Aufsteiger Österreich.