Köln - Das oberbayerische Eishockey-Märchen endete mit einem sensationellen Triumph: Als Tabellenneunter ist Favoritenschreck ERC Ingolstadt zum Meistertitel gestürmt. Im siebten und entscheidenden Finale setzten sich die „Schanzer Panther“ mit 2:0 (0:0, 1:0, 1:0) gegen den achtmaligen Champion Kölner Haie von Ex-Bundestrainer Uwe Krupp durch und sorgten damit für die größte Überraschung in 34 Jahren Play-offs.

Vor 18 666 Zuschauern in der erneut ausverkauften Kölner Arena sicherten Christoph Gawlik (37.), mit den Eisbären Berlin schon dreimal Meister, und John Laliberte (41.) dem Außenseiter den entscheidenden vierten Sieg in der längsten Finalserie der deutschen Eishockey-Geschichte. Erstmals wurde der Meister nach dem Modus „best of seven“ (vier Siege nötig) ausgespielt. Noch vor drei Monaten nach der Flucht ihres Sportdirektors, einem Fan-Boykott und einer Pleitenserie ein Trümmerhaufen, feierten die Oberbayern pünktlich zum 50-jährigen Vereinsbestehen ihren größten Erfolg.

Ingolstadt, das zuvor bereits Titelverteidiger Eisbären Berlin und Vorrundenprimus Hamburg Freezers ausgeschaltet hatte, stellte den Eishockey-Stolz Bayerns wieder her. Vor 14 Jahren hatten die München Barons zuletzt für das Eishockey-Stammland den Titel geholt – ebenfalls gegen Köln.

Für die Haie blieb vor den Augen ihres Edelfans Lukas Podolski der Traum vom neunten Meistertitel unerfüllt. Und Krupp muss weiter auf seinen ersten Titel als Trainer warten. Der erste deutsche Stanley-Cup-Sieger war schon vor 30 Jahren als Spieler mit den Haien Meister, als Coach klappte es auch im zweiten Anlauf im Finale nicht.

Für Ingolstadts Coach Niklas Sundblad, vor einem Jahr noch Krupps Assistent in Köln, ist der Titel auch eine persönliche Genugtuung. Wegen angeblich zu harten Trainings hatte der Schwede in der Vorrunde noch heftig in der Kritik und vor dem Rauswurf gestanden.

Kein Abtasten, kein taktisches Geplänkel – wie in den sechs Spielen zuvor ging es vom ersten Bully an mit hohem Tempo und höchster Intensität zur Sache. Die Gäste wussten sich anfangs nur mit unerlaubten Weitschüssen zu helfen. Nach einer Ingolstädter Doppelchance durch Ziga Jeglic und Robert Sabolic (8.) wendete sich das Blatt. Die Oberbayern wurden zusehends stärker, und ihre Chancen häuften sich.