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NWZonline.de Sport Weitere Eishockey

Olympia-Helden droht Umbruch

27.03.2018

Köln Das überraschende Karriere-Ende von Olympia-Held Christian Ehrhoff könnte erst der Anfang sein. Anders als geplant muss Eishockey-Bundestrainer Marco Sturm bis zum WM-Beginn in gut fünf Wochen möglicherweise doch einen personellen Umbruch beim Silbermedaillen-Team von Pyeongchang vollziehen. „Mir ist nichts bekannt, aber ich will das nicht ausschließen. Der ein oder andere wird sich das schon überlegen. Ich weiß, dass das immer im Raum steht“, sagte DEB-Präsident Franz Reindl am Montag zu möglichen weiteren Rücktritten.

Bundestrainer Sturm – durch Olympia-Sensationssilber selbst im Fokus der nordamerikanischen Profiliga NHL – steht bei der WM in Dänemark vom 4. bis 20. Mai eine heikle Aufgabe bevor. Die Bestätigung des Erfolgs von Pyeongchang wird in gut einem Monat schon schwer genug, ohne Führungsspieler Ehrhoff und möglicherweise weitere Routiniers wird sie noch herausfordernder.

Alleine elf Spieler aus dem Olympia-Kader waren am Tag des mit 3:4 nach Verlängerung dramatisch verlorenen Finals gegen die Russen älter als 30. Kapitän Marcel Goc (34) ließ am Montag seine Zukunft im Nationalteam offen. Mit den Adlern Mannheim spielt der Stürmer im Gegensatz zu Ehrhoff im Playoff-Halbfinale der Deutschen Eishockey Liga. „Ich habe mir noch keine Gedanken gemacht. Aktuell stehen die Playoffs mit den Adlern im Vordergrund“, so Goc.

In Südkorea hatte das – wie bei Ehrhoff – noch anders geklungen. Vor einem Monat hatte der frühere NHL-Spieler erklärt, die WM noch spielen zu wollen. „Ich habe gemerkt, dass ich durch bin“, erklärte Ehrhoff nun: „Vom Körperlichen her hätte ich noch einige Jahre spielen können, aber vom Kopf her war ich fertig. Wenn du so oft darüber nachdenkst, hast du schon die Antwort.“

Ehrhoff hatte vor dem Olympia-Finale sogar geunkt, 2022 in Peking an seinen fünften Winterspielen teilnehmen zu wollen. „Nach so einer Karriere so ein Highlight zu erleben, da ist es nachvollziehbar, in seinem Alter einen Schlussstrich zu ziehen“, sagte Reindl zum Umdenken beim 35-Jährigen, der trotz seines noch bis 2019 gültigen Vertrags in Köln nach dem Playoff-Aus der Haie gegen Nürnberg am späten Sonntagabend sein Karriereende verkündet hatte.

„Er hat sich auf und neben dem Eis immer als Führungspersönlichkeit gezeigt und gehörte zu den besten Spielern, die das deutsche Eishockey hervorgebracht hat“, rühmte Sturm – selbst deutscher NHL-Rekordspieler – den mit 862 NHL-Partien einstigen Nordamerika-Dauerbrenner. 2011 hatte Ehrhoff mit Vancouver gegen die Boston Bruins nur knapp den Stanley Cup verpasst. Lange Zeit galt der gebürtige Moerser als einer der besten Verteidiger der Welt; der bestbezahlte war er zudem zeitweise.

„Das hinterlässt natürlich eine riesige Lücke. Aber es eröffnet auch Chancen für andere Spieler“, sagte Reindl. Sturm wollte von alldem zumindest am Montag erst einmal nichts mehr wissen. Der gefeierte Bundestrainer verabschiedete sich in den Urlaub. Von Ehrhoffs Rücktritt wusste er seit „ein paar Tagen“.

Bereits in der kommenden Woche startet der Coach mit den dann verfügbaren Spielern in die WM-Vorbereitung. „Marco muss nun eine neue Herausforderung angehen“, sagte Reindl.

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