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NWZonline.de Sport Weitere Eishockey

Silber – Deutschland verliert Eishockey-Thriller

26.02.2018

Pyeongchang Dieses Silber fühlt sich wie Gold an. Auch wenn das deutsche Eishockey-Sensationsteam das Wunder im Olympia-Finale dann doch knapp verpasste, verneigt sich Deutschland vor dieser Auswahl von Bundestrainer Marco Sturm. Nach dem hoch dramatischen 3:4 (0:1, 1:0, 2:2) nach Verlängerung gegen die Olympischen Athleten aus Russland (OAR) am Sonntag in Pyeongchang bleibt es bei der zuvor bereits perfekten Silbermedaille. Allein dies ist der größte Erfolg in der Geschichte des Deutschen Eishockey-Bunds (DEB).

Dank unglaublicher Leidenschaft stand das deutsche Team kurz davor, sogar Gold aus Südkorea mitzunehmen. Jonas Müller (57.) traf in der Schlussphase zur zwischenzeitlichen 3:2-Führung, doch die Russen retteten sich mit einem Treffer 55,5 Sekunden vor Schluss noch in die Overtime. Die wundersame Siegesserie der DEB-Cracks, die unter anderem mit den völlig unerwarteten Erfolgen gegen Weltmeister Schweden und Sotschi-Olympiasieger Kanada die Sportprominenz weltweit und die Fans in Deutschland verzückt hatten, fand im Finale erst spät ein Ende. Kirill Kaprisow traf 10:19 Minuten vor dem Ende zum Sieg der Russen.

Gegen die russischen Stars um Pawel Dazjuk und Ilja Kowaltschuk kämpfte das deutsche Team, warf sich in Schüsse, checkte die Gegner, doch am Ende reichten die Kräfte nach dem emotionalen Olympia-Highlight gegen den nicht mehr alleinigen Rekord-Olympiasieger Kanada nicht mehr.

Wjatscheslaw Wojnow (20. Minute), Nikita Gussew (54./60.) mit einem späten Doppelschlag und Kaprisow schossen die Russen zum nun ebenfalls neunten Olympiasieg. Für das OAR-Team war es das erste Olympia-Gold seit 26 Jahren. Damals hatte die Sbornaja nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion als Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) triumphiert. Felix Schütz erzielte im zweiten Abschnitt das zwischenzeitliche 1:1 (30.), bis zum Ende blieb das Endspiel tatsächlich ausgeglichen. Dominik Kahun (54.) traf in einem wahren Thriller nur zehn Sekunden nach der neuerlichen Führung des Favoriten erneut zum verdienten Ausgleich, ehe Müller sogar die erstmalige Führung erzielte.

Von Beginn an war Deutschlands erneut bravourös haltender Torhüter Danny aus den Birken enormem Druck ausgesetzt. „Besonders am Anfang wollen die Russen mit Macht die Führung erzielen. Ich bin gespannt, wie sich unsere Mannschaft in das Spiel hineinarbeiten kann“, hatte DEB-Präsident Franz Reindl vor dem Spiel dem ZDF gesagt.

Und die DEB-Auswahl arbeitete sich hervorragend rein. Wie immer in diesem Turnier hielt sie mit Kampf und Leidenschaft gegen den Rekord-Weltmeister dagegen, hatte vor dem Tor aber kein Glück. Eine halbe Sekunde vor dem Ende des ersten Drittels schlug es dann doch noch im deutschen Tor ein. Gegen Wojnows Schlagschuss war aus den Birken machtlos. Im zweiten Drittel steigerte sich der krasse Turnier-Außenseiter. Stürmer Schütz, der viele Russen aus seiner Zeit in der KHL kennt, überwand den russischen Goalie Wassili Koschetschkin.

Nach dem Jahrhundertspiel gegen Kanada, in dem sich die deutsche Mannschaft teilweise in einen Rausch gespielt hatte, versuchten die Spieler um Deutschlands Fahnenträger bei der Schlussfeier, Christian Ehrhoff, im Schlussdrittel noch einmal alles. Im stärksten Abschnitt waren sie sogar spielbestimmend und es kam zu einem dramatischen Endspurt mit mehreren Führungswechseln. Russland rettete sich gerade noch so in die Verlängerung.

Daheim fieberten Fans sowie Polit- und Sportprominenz gleichermaßen mit. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte das Wunder-Team am Samstag angerufen und Glück gewünscht. „Ich wünsche, dass alle gesund ins Spiel gehen und mit derselben Spielfreude, mit demselben Ehrgeiz das Spiel gestaltet wird, wie das Halbfinale“, sagte Steinmeier. Er werde „wie ein paar Millionen anderer Deutscher, die zur frühen Stunde am Fernseher sitzen, ganz doll die Daumen“ drücken.

Beim Team und Reindl gingen zudem etliche Glückwünsche, Ermunterungen und viel Lob ein. „Ich hoffe, dass die Jungs morgen gewinnen“, sagte auch FC-Bayern-Trainer Jupp Heynckes. Der 72-Jährige lobte insgesamt die „außergewöhnliche Leistungen“ bei den Winterspielen. Und Alois Schloder und Erich Kühnhackl, 1976 zusammen mit Reindl Bronze-Medaillengewinner, hatten dem Team sogar den ganz großen Coup zugetraut. Die deutsche Auswahl gewann zwar nicht mehr. Das „Wunder von Innsbruck“ vor 42 Jahren ist aber dennoch endgültig Geschichte.

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