ELSFLETH - ELSFLETH - „Am 28. Februar hatten wir die Jahreshauptversammlung. Als Gast waren Holger Ortel und Hermann Mohrschladt dabei. Weitere Infos zu dieser Tagung in Vorbereitung.“ So stand es noch gestern – also drei Monate später – zu lesen auf der Internet-Homepage des SPD-Ortsvereins Elsfleth. Das ist Edgar di Benedetto, einfaches Mitglied des Ortsvereins, zu wenig. Di Benedetto hatte – wie berichtet – gemeinsam mit Omni-Pac-Werkschef Jürgen Sender, ebenfalls Parteimitglied, dem Bundestagsabgeordneten Holger Ortel auf der Jahreshauptversammlung der SPD eine von 225 Mitarbeitern der Firma Omni-Pac unterzeichnete Unterschriftenliste gegen die Pläne der Regierungskoalition, die Rente mit 67 durchzupauken, überreicht. Ortel hatte versprochen, die Liste an Arbeitsminister Franz Müntefering weiterzuleiten.

Enttäuschend die Antwort: Der Leiter der Unterabteilung Rentenversicherung, Ministerialdirigent Hans Ludwig Flecken, bestätigte lediglich den Eingang des Schreibens. Der Antwort beigefügt war ein zweiseitiges Papier des Ministeriums mit allgemeinen Informationen zu den Hintergründen der Anhebung der Regelaltersgrenze.

Di Benedetto möchte Müntefering nur allzu gerne einen Denkzettel verpassen: „Arbeit mit 67 ist nicht mehr sozial. Wenn Müntefering das nicht verstanden hat, dann gehört er nicht mehr in diese Partei. Dazu stehe ich heute noch.“ Der 47-jährige Genosse, Arbeiter bei Omni-Pac, außerdem Student der Politikwissenschaften und Jura in Bremen, hatte den Ortsverein aufgefordert, einen Antrag auf Einleitung eines Parteiausschlussverfahrens gegen „Münte“ einzuleiten. Dies gewagte Ansinnen fand allerdings bei den Elsflether SPD-Mitgliedern keinen Widerhall.

Am Donnerstag, 1. Juni, wird der SPD-Ortsverein auf einer parteiöffentlichen Mitgliederversammlung (Beginn 19.30 Uhr im Restaurant-Café „Bootshaus“ am Yachthafen) seine Kandidaten für Stadtrat und Kreistag nominieren. Auch di Benedetto hatte Interesse angemeldet, sich für die SPD um ein Mandat in Rat und Kreistag zu bewerben. Die Bewerbung als Ratskandidat hatte er wieder zurückgezogen, die für den Kreistag aufrechterhalten, sagt er. Auf der Kreistagskandidatenliste indes taucht di Benedettos Name nicht mehr auf. Der wertet das als Abstrafung.

SPD-Ortsvereinsvorsitzender Manfred Dornieden, befragt nach den Hintergründen, wiegelt ab: „Wir waren davon ausgegangen, dass Herr di Benedetto beide Kandidaturen zurückgezogen hat.“ Wenn di Benedetto noch einen Kandidaturwunsch habe, könne er den am Donnerstag kund tun, versichert Dornieden.

Der sperrige, unbequeme Genosse hat für die nächsten Monate weitere Aktivitäten angekündigt: „Zu Beginn des Kommunalwahlkampfes werden ich und andere darauf drängen, dass die Kandidaten der Elsflether SPD eindeutig zum Thema ,Rente mit 67‘ Stellung beziehen“, verspricht er. Und noch eines stellt er in Aussicht: „Vielleicht ist es in der Wesermarsch an der Zeit, über die Gründung eines WASG-Kreisverbandes nachzudenken.“