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NWZonline.de Region Wesermarsch Gemeinden Elsfleth

Elsflether Werft hat Insolvenzantrag gestellt

21.02.2019

Elsfleth Die durch die Sanierung der „Gorch Fock“ in die Schlagzeilen geratene niedersächsische Elsflether Werft AG hat einen Insolvenzantrag gestellt. Der neue Werft-Vorstand Dr. Axel Birk beantragte am Mittwoch beim zuständigen Amtsgericht in Nordenham ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Das Insolvenzgericht hat darauf hin einen Gläubigerausschuss eingesetzt, der aus sechs Groß- und Kleingläubigern besteht.

Die Mitglieder des Gläubigerausschusses hatten sich bereits im Vorfeld mit einer Eigenverwaltung einverstanden erklärt. Deshalb ordnete das Gericht die vorläufige Eigenverwaltung des Vermögens der Elsflether Werft AG an. Zum vorläufigen Sachwalter, er prüft unter anderem die Aussichten für eine Sanierung, hat das Gericht den Hamburger Rechtsanwalt Dr. Per Hendrik Heerma bestellt.

Nach Angaben des neuen Werft-Vorstands Axel Birk war zuvor die Belegschaft über die Lage informiert worden.

Die Kosten für die Sanierung des Dreimast-Seglers sind über die Jahre in die Höhe geschnellt. Ursprünglich waren 10 Millionen Euro vorgesehen, dann wurde auf 75 Millionen Euro erhöht, inzwischen ist der Kostenansatz auf bis zu 135 Millionen Euro gestiegen. Bis zum 2. Januar 2019 seien rund 69 Millionen Euro ausgegeben worden, schreibt die Bundesregierung. Offen ist zunächst, welche Auswirkungen das Insolvenzverfahren für die „Gorch Fock“ haben wird.

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Unternehmen, die gute Aussichten auf eine Fortführung des Geschäftsbetriebs sehen, können bei Gericht ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragen. Das ist eine Variante des Insolvenzrechts, die statt einer Abwicklung auf die Sanierung eines Unternehmens zielt.

Wichtigster Unterschied: Die Geschäftsleitung bleibt dann im Amt, ihr wird allerdings ein sogenannter Sachwalter von außen zur Seite gestellt. Die alte Geschäftsführung behält damit große Teile der Verfügungsgewalt über das Unternehmen. Zugleich ist die Firma aber vor Vollstreckungen und Zwangsmaßnahmen von Gläubigern geschützt.

Alle Berichte zur Gorch Fock im NWZ-Spezial

Die Werft in der Wesermarsch macht rund 80 Prozent ihres Umsatzes mit Aufträgen von der Marine. Der „Gorch Fock“-Sanierung ist derzeit der wichtigste Auftrag. Allein in der über 100 Jahre alten Traditionswerft geht es um rund 130 Arbeitsplätze.

Zwei Staatsanwaltschaften - Hamburg und Osnabrück - sind mit Ermittlungen beschäftigt. Es geht um den Verdacht der Untreue gegen einen Ex-Vorstand, um den sich die Ermittler in Hamburg kümmern, zudem um einen Korruptionsverdacht, der in die Zuständigkeit von Osnabrück fällt. Ende Januar wurde der alte Werft-Vorstand ab- und ein neuer eingesetzt. Neuer Aufsichtsratsvorsitzender der Werft ist der Hamburger Manager Pieter Wasmuth, neuer Werft-Vorstandschef Birk.

Planungsfehler der Marine, Kritik des Rechnungshofs, der Korruptionsverdacht und die Absetzung der Werftleitung machen die Sanierung der „Gorch Fock“ zu einem Problem für Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Sie sagte kürzlich bei einem Besuch der Werft, die neue Leitung brauche Zeit zur Einarbeitung, um dann Zahlen und Fakten auf den Tisch zu legen.

Das Thema „Gorch Fock“ sollte an diesem Mittwoch auch auf der Tagesordnung der Bundestagsausschüsse für Haushalt und Verteidigung stehen.

Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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