ELSFLETH - „Dauerregen, Wellen und Nordostwind – wir fühlten uns wie in einem Cocktailshaker“, schreibt der Segler und Musiker Iko Andrae während des Atlantiktörns auf der Rückreise von der Karibikinsel Antigua zur Azoreninsel Fajal ins Logbuch. Was würde besser passen, als seinem jetzt veröffentlichten Reisetagebuch diesen Titel zu geben. Die unruhige Atlantiküberquerung via Heimat war nur ein Teil der großen Karibikreise, die der gebürtige Jeveraner mit seiner Frau Meret Nacken im Jahr 2005 auf der Neun-Meter-Yacht „Balu“ unternahm.

Im Bootshaus des SWE hatten die zahlreichen Besucher am Freitagabend die Gelegenheit, das Seglerpaar noch einmal auf seinem Törn zu begleiten und es wurde ein Reisebericht der ganz besonderen Art. Die faszinierenden Bilder und Filmsequenzen untermalte Iko Andrae, Frontmann der Band „Wrong Haircut“, den „Erfindern des Shantybilly“, mit einfühlsamen Songs zur Gitarre – besser können Empfindungen und Stimmungen nicht ausgedrückt werden.

„Eine glasfaserverstärkte Kunststofftonne mit einer Wohnfläche von zehn Quadratmetern, das sollte für die nächsten Monate unser zu Hause sein,“ erzählt Andrae und seine Dias und Videoaufnahmen zeigen im Hängenetz schaukelnde Zitronen, voll gepackte Schapps, ein Feudel auf der Ruderpinne – enges Chaos, egal wo man hinschaut. An Deck das Gegenteil und genau die Atmosphäre, die alle passionierten Segler lieben: Wolken, Wasser, Wellen und ein weiter Horizont.

Die Reisestationen: England, Spanien, von Portugal nach Madeira, weiter zu den Kanaren, von den Kapverden über den Atlantik zu den Kleinen Antillen. Iko Andrae: „Cellotöne beim Abschied in Bremen ließen die Tränen tropfen, bei Regen und Böen forderte Neptun die ersten Opfer. Die „Balu“ erreicht die „Costa da morte“, die spanische „Todesküste“, das verlangt es, mit einem Song verewigt zu werden.“ Schwermütige Fadoklänge, Kakerlaken und Segler aus aller Welt – das sind entspannte Tage auf Madeiras Nachbarinsel Porto Santo.

Nach dem „Kulturschock Kapverden“ liegt Kurs 262° an, „nur“ noch 2222 Seemeilen bis Tobago. Die Decksduschen werden wärmer, ein klarer Sternenhimmel und laue Winde – die Tage an Deck bekommen einen fest gefügten Rhythmus. Am 18. Januar 2006 ist die Karibik erreicht. „Es goss in Strömen, es war kein schöner Empfang“, erinnert sich Andrae, „dennoch, nach einigen Tagen stand fest, wir hatten einen Schatz gefunden.“ Diesen Schatz, die karibischen Inseln, genießt das Ehepaar beim „Islandhopping, hält Begegnungen mit Einheimischen, mit gleichgesinnten Skippern, mit schrulligen Zeitgenossen im Bordbuch fest, bis die Rückreise naht.

Die Ankunft auf der Hallig-Insel Pellworm: „You did it – welcome back home“ grüßen Freunde und Verwandte auf einem Kutter mit einem großen Transparent.