Elsfleth - Einmal auf den Planken des „schönsten Windjammers der sieben Meere“ zu stehen, das lassen sich am Sonnabend über 250 Gäste in Elsfleth nicht entgehen. Jedem Gast ist beim Gang an Bord klar, dass dieser Geburtstagempfang zum 100-jährigen Bestehen der norwegischen Bark „Statsraad Lehmkuhl“ im ehemaligen Heimathafen des Großseglers ein unvergessliches Ereignis sein wird. Der „Bazillus maritimus“, so wird später am Abend Conférencier Günther Meyer die Atmosphäre bezeichnen, ist in der maritimsten Stadt Deutschlands nach wie vor virulent.

Ihm und seiner Besatzung sei es eine Ehre, noch einmal in Elsfleth eingeladen zu sein, begrüßt Kapitän Marcus Seidl die Besucher, die sich dicht gedrängt an Bord unter der regensicheren Plane versammeln. Über die Qualitäten der Windjammer, die 1914 auf der Bremerhavener Tecklenborg-Werft vom Stapel lief, lässt Seidl keine Zweifel aufkommen. „Wir sind froh, dass unser Schiff mit seinen schönen Konstruktionslinien auch nach 100 Jahren noch so aussieht, wie es damals gebaut wurde. Das zeugt von sehr guter Qualität und gutem Stahl“.

Im Laufe des Empfangs hat Conférencier Günther Meyer ein gutes Dutzend von Gesprächspartnern an seiner Seite. Bei dem Lärmpegel, der an Bord herrscht, kein leichtes Unterfangen. So gibt es schließlich ein verbales Donnerwetter des Technikers, der die Besucher tadelt, weil ihre Gespräche die Interviews zwischen Meyer und den prominenten Gästen übertönen. Dass dieses Manko an der schlecht funktionierenden Lautsprecheranlage liegt, ist ihm in diesem Moment wohl nicht bewusst.

Wer aber die Ohren spitzt, dem entgehen die Dialoge mit Elsfleths Bürgermeisterin Traute von der Kammer, mit Kapitän Horst Werner Janssen, mit dem Präsidenten des Schulschiffvereins, Kapitän Johannes Reifig, mit Dekan Professor Dr. Klaus-Jürgen Windeck, Dr. Christine Keitsch und vielen anderen illustren Gästen nicht. „Im Jahr 2004 hat Kapitän Seidl versprochen, in zehn Jahren wieder zu kommen,“ erinnert sich Janssen gerne. „Was Seeleute versprechen, das halten sie auch“, fügt er an.

Für Kapitän Seidl hat Johannes Reifig ein beeindruckendes Geburtsgeschenk im Gepäck: die „Statsraad Lehmkuhl“ erhält eine Fahne mit dem Wappen der Stadt Elsfleth im XXL-Format. Seine Königliche Hoheit, Friedrich August Herzog von Oldenburg, bekennt, dass er stolz darauf sei, seinen Großvater, Großherzog Friedrich August, als Namensgeber der Dreimastbark zu wissen. Wegen „gewisser Schiffsbewegungen“ sei ihm aber der Aufenthalt auf Schiffen nicht ratsam, gesteht der Adelige. Gerne nimmt der Chef des Hauses Oldenburg Günther Meyers Rat gegen Seekrankheit entgegen: „Man lege sich unter eine alte deutsche Eiche und atme tief durch.“

Wenig Zeit zum Durchatmen nimmt sich das Caféhaus-Quartett mit seinem Stargeiger Maxim Kosinov - es musiziert unermüdlich und ist toll anzuhören. Die Tangoklänge animieren einige Paare zum Tanzen. „Tanzen und Feiern“ ist gleichzeitig auch das Stichwort im voll besetzten Festzelt. Das „Free Steps Orchestra“ sorgt für eine musikalisch steife Brise bis in die Morgenstunden – nur unterbrochen von dem brillanten Feuerwerk, von dem kaum ein Gast genug kriegen kann. So schön kann „Sail 100“ sein.