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Mittelaltermarkt Hexenbesen nur ohne Reitgarantie

Evelyn Eischeid

Elsfleth - Es ist nicht zu übersehen: Diese beiden Zelte, gleich am Eingang des mittelalterlichen Dörfchens, sind nicht mit denen des gemeines Volkes zu vergleichen. Hier residiert – zumindest an den zwei Tagen, an denen das Nordische Marktvolk zum mittelalterlichen Markttreyben auf dem Stadthallenparkplatz in Elsfleth zusammenkommt – der oldenburgische Adel: Graf Johann III. und sein Weib Mechthild, Hajo von Linebrook samt Gemahlin Thilda von Lienen und Töchterchen Mathilda demonstrieren, dass die „Von und Zus“ auch im sonst so finsteren Mittelalter auf keinen Komfort verzichten müssen.

Von Kindern „infiziert“

Im feinst ausgestatteten Tafelzelt lässt man es sich mit Braten, Met und Wein gut gehen, nebenan im Schlafzelt laden kuschelige Felle und Decken zur Ruhe ein. Auffällig ist, dass zwischen den Gerätschaften im Außenbereich den Besuchern das Elsflether Wappen ins Auge sticht und das hat seinen Grund: die Elsflether Familie Haferkamp hat ein Faible für das Mittelalter. „Wir sind erst durch unsere Kinder und mit dem Eintritt ins Rentnerleben in der Szene so richtig aktiv geworden“, erzählen Wolfgang und Rosemarie Haferkamp. So zieht die ganze Familie mit authentisch ausgestatteten Zelten und gewandet in die Kluft vergangener Jahrhunderte zu Mittelaltermärkten in der Region.

Durch das mittelalterliche Dorf mit seinen Schänken und Ständen, mit Händlern und Handwerkern, mit den Gauklern, Mönchen, Rittern im Kettenhemd und Adeligen, mit den Schergen des Grafen, mit drallen Mägden und fröhlichen Spielmannsleuten drängelt sich an zwei Tagen das „gemeyne Volk“ des 21. Jahrhunderts. Und das bekommt bei einem Glas Met oder einer gesottenen „Sau im Teigmantel“ einiges geboten. Braucht der Haushalt eine neue Axt? Die bekommt man in der „Eisenkneterey“, zu kaufen sind Hexenbesen (ohne Reitgarantie), Kinderschwerter und Schilde aus Holz oder ein sexy Mieder aus feinstem Leder für die Liebste daheim. Keuschheitsgürtel soll es es diskret unterm Ladentisch versteckt geben, so kann der Rittersmann sorglos und ohne Eifersucht zum Tjosten aufbrechen. Oder er kann den „Freywächtern“, Spezialisten für sinnige Minne- und Sauflieder, zuhören.

Ein paar Scharmützel zwischen zwei bewaffneten Kontrahenten regen niemanden auf, bis ein Tumult losbricht und dem sonst so friedlichen Markt ein Blutbad droht: Die Männer der Obrigkeit haben einen Missetäter dingfest gemacht und schleifen ihn zum Ratsplatz, wo sich die Bürger vor Sensationslust kaum halten können.

Milde Strafe

Angeklagt wird der Delinquent wegen Unbotmäßigkeit gegenüber der Herrschaft und es meldet sich mit schriller Stimme die Zofe einer Adelsfamilie: „Der da hat mich geschwängert. Oder was glaubt ihr, warum ich so dick bin?“ Zum Glück muss der Henker nicht in Aktion treten, die Strafe reduziert sich auf ein paar kräftige Backenstreiche.

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