NEUENBROK - Es geschah 1957 beim Sängerball in Gellen: Aufgereiht wie die Spatzen auf dem Dach saßen die jungen Moorriemer Mädels am Rand der Tanzfläche und warteten brav auf die Avancen der Moorriemer Burschen. Bei einer der jungen Schönen riskierte der Neuenbroker Heinz-Georg Schwarting einen längeren Blick und das war nicht der erste. Bereits wenige Wochen zuvor war ihm die hübsche Huntorferin Hilde Hasewinkel auf dem Landwirtschaftsschulball in Brake aufgefallen. „Wir haben uns danach kurz aus den Augen verloren“, erinnert sich Hilde Schwarting und Heinz-Georg Schwarting ergänzt: „Aus den Augen vielleicht, aber nicht aus dem Sinn.“
Zwei Jahre später, am 10. April 1959, ließ sich das junge Paar in der Butteldorfer Kirche trauen, an diesem Freitag feiern die Schwartings nach 50-jähriger Ehe das Fest der goldenen Hochzeit.
Hilde Schwarting (Jahrgang 1938) wuchs im elterlichen Malereibetrieb in Huntorf auf und besuchte nach ihrem Schulabschluss die Landwirtschaftliche Berufsschule. Heinz-Georg Schwarting machte eine landwirtschaftliche Ausbildung und übernahm später den elterlichen Hof in Neuenbrok. Gemeinsam bewirtschaften die Schwartings den Hof bis ins Jahr 1965. Nach der Aufgabe der Landwirtschaft fuhr Heinz-Georg Schwarting über dreißig Jahre einen 40-Tonnen-Lkw für die Molkerei (heute Nordmilch). Von 1989 bis 1995 führte das Ehepaar die Neuenbroker Gaststätte „Moorriemer Hof“.
Im Laufe der Jahre machten sechs Kinder die Familie komplett und während Hilde Schwarting mit der Kinderschar alle Hände voll zu tun hatte, vertrat Heinz-Georg Schwarting seine Interessen in Gesellschaft und Politik. 1968 wurde er als CDU-Mitglied in den Moorriemer Gemeinderat gewählt, nach der Gemeindegebietsreform 1974 führte er sein Mandat im Elsflether Rat weiter. Weiter war Schwarting Mitglied der Feuerwehr und des Landvolks, er gehörte zum Gründungsteam der Dorfgemeinschaft Neuenbrok und war vier Jahre Vorsitzender der Soldatenkameradschaft. Im April 1998 gründete Heinz Georg Schwarting die Wählergemeinschaft Elsfleth-Moorriem (WEM), der er bis heute angehört. „Je älter ich werde, umso mehr Lust habe ich an der Politik“, gesteht der Neuenbroker, räumt aber auch ein, dass ihm ein Leben für die Politik nur möglich war, weil seine Frau ihm stets für seine Interessen den Rücken freihielt. „Jeder weiß, dass ich ein passionierter Leserbriefschreiber bin“, schmunzelt Schwarting, „aber
kein Brief hat mein Haus ohne die Zensur meiner Frau verlassen.“
Am morgigen Freitag wird im Hause Schwarting sicher kein Brief an die NWZ unter die Lupe genommen, bei Schwartings wird die goldene Hochzeit mit Kindern, Schwiegerkindern, elf Enkeln und einem Urenkel gefeiert.
