Elsfleth - Eigentlich hat die Wohnung von Ingrid Behr eine traumhafte Lage. Das Mietshaus liegt direkt an der Hunte, von ihrem Balkon aus hat sie einen fantastischen Blick auf den Fluss und die Halbinsel Elsflether Sand. „Im Sommer sitze ich oft schon um 7 Uhr morgens hier draußen, einfach, weil ich es genießen kann“, sagt die 77-Jährige.
Reinigung hilft nicht
Doch in letzter Zeit genießt sie es nicht mehr so sehr, auf ihrem Balkon zu sitzen. Denn direkt vor dem Haus am Hunteufer sind Liegeplätze für Schiffe eingerichtet. Diese werden auch von vielen Binnenschiffern genutzt. „Wenn die den Motor anschalten, geht eine ganze Rauchwolke hoch“, berichtet Ingrid Behr, die das Spektakel eigentlich gerne von ihrem Balkon aus beobachtet.
Doch eine einfache Putzaktion stimmte die Rentnerin jetzt nachdenklich. Die 77-Jährige war längere Zeit krank und konnte deshalb ihren Balkon nicht reinigen. Die nahezu schwarzen Spuren von heruntergelaufenem Wasser sind auch an den Balkonen der Nachbarn sichtbar.
Auf Behrs Balkon hatten sich überall in den Ecken ölige, schwarze Rückstände abgesetzt, die sie nur schwer entfernen konnte. „Von den Fingernägeln habe ich das erstmal gar nicht wieder runter gekriegt“, erzählt sie. Vor kurzem hatte sie eine Lungenentzündung, dadurch sei sie für das Thema Schiffsabgase sensibilisiert worden. „Natürlich kann man das nicht direkt daran festmachen, aber es wäre möglich. Da kommt wahrscheinlich eines zum anderen“, sagt Behr.
Zwischen dem Sperrwerk und der Stadtkaje gehören zwei Dalbenliegestellen zum Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Bremen, teilt Mitarbeiter Andreas Kahnwald mit. Die Liegestellen ermöglichen das Liegen von Binnenschiffen im Durchgangsverkehr zur Einhaltung der vorgeschriebenen nächtlichen Fahrzeitunterbrechungen, beziehungsweise dem tideabhängigen Durchgangsverkehr wird das Warten auf den benötigten Wasserstand ermöglicht, erklärt er.
„Die Deckung des bordseitig benötigten Strombedarfes wird durch Bordaggregate, den sogenannten Hilfsdieseln, sichergestellt. Die Schiffe dürfen ihren Strombedarf uneingeschränkt durch Bordaggregate an den Liegestellen erzeugen“, erklärt der Experte. Dennoch kann er für Ingrid Behr und ihre Nachbarn einen kleinen Hoffnungsschimmer vermelden.
Die Wasser- und Schifffahrtsdirektion bearbeite derzeit ein Pilotprojekt „elektrischer Landanschluss für die Binnenschifffahrt“, erzählt Kahnwald. Dabei prüfe die Verwaltung, wie zukünftig vermehrt Liegestellen mit Stromtanksäulen ausgestattet werden können. Die Tanksäulen müssen jedoch bestimmten technischen Voraussetzungen entsprechen.
Stromtanksäule geplant
Eine Voraussetzung sei, dass die Liegestelle über einen Landgang verfüge, erklärt Kahnwald. Dies treffe auch auf die Liegestelle vor Ingrid Behrs Wohnung zu. „Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt hat bei der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt für die Liegestelle bereits Bedarf für eine Stromtanksäule angemeldet“, sagt Kahnwald.
Eine Umsetzung könne jedoch frühestens nach dem Abschluss des Pilotprojektes in 2018/2019 erfolgen.
