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Schützencorps 175 Jahre alt Der älteste Sportverein in Emden blickt optimistisch in die Zukunft

Vor der Eingangstür des Vereinsheimes: Joachim Lauterbach, 1. Vorsitzender des Schützencorps Emden, und der 2. Vorsitzende Werner Wagenaar (von links).

Vor der Eingangstür des Vereinsheimes: Joachim Lauterbach, 1. Vorsitzender des Schützencorps Emden, und der 2. Vorsitzende Werner Wagenaar (von links).

Alf Hitschke

Emden - Es gibt Vereine, die feiern schon ihren zehnten Geburtstag mit einer Riesenfete. Da müsste das Schützencorps Emden zum 175. Jahrestag seiner Gründung doch eigentlich die Stadt auf den Kopf stellen. Tatsächlich ist der Geburtstag, der 27. April, aber verstrichen, ohne dass etwas geschah. Aus gutem Grund, wie der 1. Vorsitzende Joachim Lauterbach im Gespräch erklärt: „Wir haben zur Zeit viele viele Baustellen und könnten das Jubiläum jetzt gar nicht angemessen begehen. Vielleicht holen wir das zu einem späteren Zeitpunkt mit den Mitgliedern nach.“

Warum feiert der Verein nicht ?

Das klingt gar nicht gut. Ist der älteste Sportverein der Stadt am Ende? Ist er nicht, stellen Lauterbach, der 2. Vorsitzende Werner Wagenaar und Schriftführer Uwe Geburzi richtig. Aber es sind nunmal Arbeiten in der Aufgabenliste notiert, deren Erledigung wichtiger ist als eine pompöse Jubiläumsfeier.

Was ist die größte Aufgabe ?

Ganz oben auf der Liste steht das Vereinsheim. Der Schützenhof ist längst nicht so alt wie der Verein, aber es hat immerhin schon 62 Jahre auf dem reetgedeckten Dach. Womit eines der größten Probleme des Gebäudes an der Boltentorstraße genannt ist: „Immer mehr von unserem Dach findet sich in den Krähennestern auf dem Wall wieder“, sagt der Hauptmann – so nennen die Schützen ihren 1. Vorsitzenden. Tatsächlich ist das Reetdach mittlerweile arg gerupft und auch sonst offensichtlich am Ende seiner Lebensdauer angelangt. Wegen der hohen Kosten für ein neuen Reetdach und der Folgekosten ist eine Neueindeckung mit Dachziegeln im Gespräch. Wärmedämmung und Heizung sind weitere Themen im Zusammenhang mit dem Gebäude.

Wie steht es um die Sportanlagen ?

Die Schießstände erfordern ebenfalls ständige Pflege und regelmäßige Überarbeitung. Ein weiterer Kostenfaktor und eine Herausforderung nicht zuletzt für die neu gegründete Arbeitsgruppe unter Leitung von Platz- und Hofmeister Heino Nanninga.

Kommt dann noch ein Problem wie das mit dem 2010 eingeweihten überdachten Luftgewehrstand dazu, sieht der Kassenwart (bei den Schützen heißt er Rendant) Rot. Das Dach leckte wegen fehlerhafter Montage der Dachplatten – bemerkt wurde das erst, als sich die Deckeninnenverkleidung auflöste.

Wird der Schützenplatz verkauft ?

Wenn das Geld knapp ist, könnte man doch den Schützenplatz verkaufen – was vor nicht allzu langer Zeit im Verein auch diskutiert wurde. „Nein“, sagt Joachim Lauterbach ohne Zögern, „das werden wir nicht tun.“ Daran ändert auch nichts, dass sich der Landessportbund (LSB) mittlerweile auf spezielle Weise zugeknöpft gibt, wenn es um Fördergelder geht. Lange Zeit konnten die Anträge über den Stadtsportbund Emden gestellt werden. Joachim Lauterbach: „Damals mussten zwei Seiten ausgefüllt werden, das war kein Problem. Mittlerweile hat der LSB auf Online-Anträge umgestellt. Aus zwei Seiten sind acht Seiten geworden. Einzutragen sind auch jede Menge Vereinsdaten, die der LSB längst gespeichert haben muss.“ Man habe den Eindruck, der LSB wolle erreichen, dass sich die Vereine nicht mehr melden.

Was ist sonst noch geplant ?

Zumindest beim Schützencorps Emden kommt er damit nicht durch. Der Verein will ja schließlich „Stück für Stück die Baustellen abarbeiten“, so die Vorstandsmitglieder übereinstimmend. Neben dem neuen Dach für den Schützenhof sind das unter anderem: eine elektronische Ergebnisanzeige für den Luftgewehr- und Luftpistole-Stand, eine Überarbeitung des Kleinkaliber-Standes, Umstellung der Beleuchtung auf LED, Solarpaneele.

Hat man sich zu viel vorgenommen ?

Der Vorstand sieht das nicht so. Natürlich sei es eine große Aufgabe, räumt Joachim Lauterbach ein. „Aber gemeinsam können wir einiges reißen, und wir haben auch schon einiges gerissen“, betont er die Leistungsfähigkeit des Vereins und seiner Mitglieder. Denen gilt die Aufmerksamkeit des Vorstandes natürlich ebenso wie dem baulichen Zustand der Anlagen. So will man die Jugendabteilung, die in den Coronajahren viele Schützinnen und Schützen verlor, Schritt für Schritt wieder zu alter Stärke führen: „Das ist schließlich der Nachwuchs, der eines Tages in unsere Fußstapfen treten soll.“ Neue Angebote wie Blasrohrschießen und Armbrustschießen sind im Gespräch. Und man geht an die Öffentlichkeit – beispielsweise beim Sportevent „Gemeinsam vorbeugen – echt stark“ am 6. Mai.

Was ist außerdem wichtig ?

Mit seinen Nachbarn lebt der Verein seit einigen Jahren in friedlicher Koexistenz. Beschwerden wegen der Schussgeräusche registrierte man längere Zeit nicht mehr. Allerdings sind die Schießzeiten im Lauf der Jahre auch deutlich gekürzt worden. In Schützenvereinen stets ein Thema: Die immer neuen Anläufe der Politik, den privaten Waffenbesitz zu verbieten. Hier sehen die Emder, wenn es um das Sportschießen geht, die Vereine mit in der Pflicht: „Wir sehen uns neue Leute genau an. Und wenn unser Sportleiter das Gefühl hat, dass es Jemandem nur um den Besitz einer Waffe geht und kein echtes Interesse am Schießsport vorhanden ist, wird das im Vorstand besprochen.“ Und der Kandidat kann seinen Waffenwunsch vergessen.

Alf Hitschke
Alf Hitschke Emder Zeitung
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