Emden - Jahrelang war um die Zukunft des Schulessens gerungen, eine langfristige Vergabe aber immer wieder verschoben worden. Am Mittwochabend nun hat der Schulausschuss das Ende der fünfjährigen Zwischenlösung per „Übergangscaterer“ eingeläutet. Einstimmig votierten die Ratsfraktionen dafür, eine dauerhaftere Vergabe der Schulverpflegung auszuschreiben. Bei den Kriterien allerdings, nach denen die Bewerber im Rennen um den Auftrag Punkte gutmachen können, hatten die Ratsfraktionen zuvor auf Betreiben der CDU noch für zwei Veränderungen gestimmt. Die ebenfalls beantragte Streichung des 50-Cent-Aufschlags für Spontan-Esser an weiterführenden Schulen dagegen wurde mehrheitlich abgelehnt.
Das allerdings war durchaus kontrovers diskutiert worden. So warb Antragsteller Wilke Held (CDU) eindringlich für eine Abschaffung des Aufschlags, der erstmals im vorigen Schuljahr im Zusammenhang mit allgemeinen Kostensteigerungen durch Corona und Ukraine-Krieg entstanden war: „Das hat sich nicht bewährt und ist sogar kontraproduktiv, wenn man einen niedrigschwelligen Zugang schaffen und die Zahl der verkauften Essen steigern will.“ Der Hinweis von Lydia Reimann vom städtischen Fachdienst Schule, Bildung und Sport aber, dass der Aufschlag für vorher nicht angemeldete Esser einen spürbaren Effekt hatte (Reduzierung der „Spontan“-Quote von 50 auf gut 24 Prozent, kein Rückgang der Gesamtesser, bessere Planbarkeit für den Caterer), brachte einige Fraktionen aber zum Nachdenken.
Erziehungseffekt
Friedrich Busch sah eine Verbesserung der Disziplin.
Von einem „Erziehungseffekt“ sprach auch Stadtrat Volker Grendel. Ohne den Aufschlag dagegen könne man davon ausgehen, dass die Catering-Bewerber den Betrag gleich in ihr Angebot einpreisen und das Essen für alle teurer wird. „Die 50 Cent sind gerechtfertigt, das müsste sonst aufgeschlagen werden“, bekräftigte die Stadtelternratsvorsitzende Zerrin Menthes, die selbst gelernte Köchin ist. Eine Anhebung der Kosten befürchtet sie allerdings durch die Vorgabe an die Bewerber, mehr Wert auf Standards der Gesellschaft für Ernährung (DEG) zu legen.
Müllvermeidung
Nicht ganz unumstritten war auch die CDU-Forderung, den künftigen Caterer zu verpflichten, Wassergläser zur Verfügung zu stellen. „Das Glas Wasser zum Essen sollte zum Standard dazugehören“, betonte Held – zumal man diese auch an den vorhandenen Wasserspendern füllen könne. Diese stünden jedoch häufig nicht in der Mensa, die Gläser würden also genauso wandern gehen wie die Kaffeelöffel, die sie laufend nachbestellen müsse, gab Reimann zu bedenken. Die Mehrheit der Ratsmitglieder stimmte aber für die Gläser. Größte Einigkeit herrschte beim dritten Änderungsantrag der CDU. Bei lediglich einer Enthaltung wurde die Forderung angenommen, es bei der Bewertung der Bewerber zusätzlich zu honorieren, wenn eine Müllreduzierung angestrebt wird – etwa, indem der Caterer zusagt, beim Nachtisch auf Plastik- oder Einwegverpackungen zu verzichten.
Großes Lob gab es für den jetzigen Zwischencaterer Vita-Catering aus Oldenburg, der die Mehrheit der städtischen Ganztagsschulen seit 2018 auf Basis einer jährlichen Vertragsverlängerung mit frischem Essen versorgt (Einzellösungen gibt es an der Förderschule, Westerburgschule und Oberschule Borssum). Die Qualität stimme, wie Reimann auf Nachfrage noch einmal hervorhob. Ihn aber einfach so weiter zu beauftragen, geht rechtlich nicht. Ob sich Vita-Catering denn auch bewerben wolle, erkundigte sich Doris Kruse (SPD). Von der Schule Wybelsum sei mal nachgehakt worden, sagte Reimann. Aber man habe sich bedeckt gehalten.
