Emden - An rund 1500 Orten in Deutschland sind in der Umwelt industriell hergestellte per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) nachzuweisen, die nicht nur als sehr schlecht abbaubar, sondern auch als gesundheitsschädlich, wenn nicht sogar als giftig und krebserregend gelten. Unter den vom NDR, WDR und der Süddeutschen Zeitung jetzt ausgemachten Orten ist auch Emden. Hier seien im Ems-Wasser in Höhe des Emder Hafens bereits 2014 ein Wert von 25,76 Nanogramm pro Liter sowie in Höhe des Malbusens ein Jahr zuvor 15,86 Nanogramm gemessen worden. Diese Werte liegen zwar weit unter den Werten ebenfalls ausgemachter Hotspots mit mehr als 100 000 Nanogramm pro Liter, allerdings gilt auch schon allein der Nachweis als kritisch oder bedenklich.
Unter der Grenze
Ganz neu sind die jetzt veröffentlichten Werte allerdings wirklich nicht. Bereits in den Jahren 2018 und 2019 hatte der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) Sonderuntersuchungen durchgeführt, um die Relevanz und Verbreitung der Stoffgruppe PFAS einschätzen zu können. Dafür waren insgesamt 41 Untersuchungsstellen in niedersächsischen Oberflächengewässern eingerichtet worden. Das Ergebnis: Die Belastung niedersächsischer Oberflächengewässer mit PFAS beziehungsweise weiteren fluorhaltigen organischen Stoffen ist weit verbreitet. Ausdrücklich benannt wurde damals die Ems bei Gandersum mit einem Wert zwischen einem und zehn Nanogramm pro Liter. Auf einer Karte des NLWKN ist aber auch schon Emden verzeichnet, mit einem Wert, der unterhalb der Belastungsgrenze liegt.
Schlecht abbaubar
Nach Angaben des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) werden PFAS wegen ihrer Eigenschaften in zahlreichen industriellen Produkten und Prozessen genutzt. Sie werden unter anderem zur Oberflächenbeschichtung von Papier, zur Imprägnierung von Kleidung, Polstermöbeln und Teppichen und in Feuerlöschschäumen eingesetzt, so dass LAVES. „Um zunehmende Umweltbelastungen zu vermeiden, wurde der Einsatz von PFAS stark eingeschränkt. Seit Juli 2011 ist der Einsatz von PFAS-haltigen Löschschäumen verboten.“ Aber die Stoffe sind eben schlecht oder gar nicht abbaubar.
Gleichzeitig ist laut NLWKN bei den Stoffen keine konkrete Quellenzuordnung möglich. Man weiß also in der Regel nicht, woher das Gift stammt. Allerdings war ein von der Behörde ausgemachter Hotspot in der Nähe des Bremer Flughafens ausgemacht worden, dort, wo die Flughafen-Feuerwehr oft mit damals noch erlaubten Löschmitteln geübt hatte. Aber in der Ems?
Wie gefährlich PFAS-Stoffe sein könnten, belegt das LAVIS mit dem Hinweis auf Studien mit Ratten und Mäusen. Hier hätten die Chemikalien die Entstehung von Leberkrebs und anderen Tumoren befördert. „Darüber hinaus existieren Hinweise auf eine negative Beeinflussung der weiblichen und männlichen Fruchtbarkeit durch einige PFAS-Vertreter.“ In aktuellen Studien würden darüber hinaus unter anderem ein Anstieg des Gesamtcholesteringehaltes im Blutserum von erwachsenen Menschen, eine verminderte Immunantwort bei Impfungen von Kindern und ein vermindertes Geburtsgewicht als kritische Effekte ausgemacht“, so das Landesamt in Oldenburg. Laut Bundesumweltamt werden perfluorierte Alkylsubstanzen vom Menschen hauptsächlich über Lebensmittel aufgenommen. „Der Konsum von kontaminiertem Trinkwasser führt meist zu erhöhten Belastungen im Menschen.“
Nicht zuständig
Und die Stadt Emden? „Ein Messwert von 2013 sagt aus unserer Sicht nicht viel aus“, so Pressesprecher Eduard Dinkela am Donnerstag auf Anfrage. Interessant wäre dagegen eine landes- oder bundesweite Untersuchung, wie stark die Menschen in Niedersachsen belastet sind. Zudem sei der Messpunkt an der Ems Landes- wenn nicht Bundesangelegenheit.
