Emden - Wer seine bunte Kugelschreiber-Sammlung um unzählige weitere Exemplare erweitern wollte, wer auf kostenlose Süßigkeiten aller Art oder gar auf Popcorn aus war, der musste sich am Mittwochvormittag in der Emder Nordseehalle wie im Paradies gefühlt haben. Wer aber nach einem geeigneten Beruf, nach einer passenden Ausbildungsstelle oder auch nur nach ein paar nützlichen Tipps für den nächsten Lebensabschnitt suchte, der hatte auf der diesjährigen IHK-Ausbildungsmesse eher die Qual der Wahl: 115 Betriebe, Unternehmen, Behörden und Institutionen hatten dort ihre Informationstische aufgebaut und auch ihre Auszubildenden mitgebracht, um nach den Lehrlingen von morgen zu fahnden. Über 1000 Schüler im Alter zwischen 15 und 18 Jahren aus ganz Ostfriesland hatten sich für die Messe angemeldet, auf der für sie rund 360 verschiedene Berufe zu finden waren. Alles Rekordzahlen. Aber wie es immer so ist: die einen gingen mit einer Verabredung für ein Praktikum, zumindest aber mit so etwas wie einer Idee vom künftigen Beruf nach Hause, die anderen mit einer Tüte Kugelschreiber.
Selina Wübben und Kaja Oltjens beim Blutzuckertest
Torsten von Reeken
„Viele fragen konkret nach dem Beruf des Soldaten“: Infostand der Bundeswehr in der Nordseehalle.
Jens Voitel
Auch das Tischdecken kann man lernen: Hotelfachschüler Lara, Mercedez, Ivan, Marek, Fynn Ole und Morandi (von links) in Aktion.
Torsten von Reeken
Die Polizei im Dialog: Messestand in der Nordseehalle.
Jens Voitel
Hightech am VW-Stand: Schüler beim Ausprobieren.
Torsten von Reeken
Austausch: Gespräch am Stand von N-Ports.
Torsten von ReekenDie Sache mit der Waffe
Auffällig präsent waren die Behörden. Polizei, Bundespolizei, die Justiz, das Finanzamt, die Stadt, die Landkreise oder auch die Bundeswehr waren mit einem Großaufgebot angereist. Auch sie müssen, wie alle anderen Unternehmen auch, um den Nachwuchs kämpfen. Aber Soldat oder Soldatin? In diesen Zeiten? „Einige fragen konkret nach dem Beruf des Soldaten“, bekräftigte Hauptmann Markus Meyer. Aber die Bundeswehr sei ja viel mehr, sogar einer der größten Ausbildungsbetriebe in Deutschland. Auch ein Studium wird angeboten, neben den vielen anderen technischen Berufen. Aber da gibt es ja eben noch den Dienst an der Waffe. „Wir informieren ganz offen über die Situation und unsere Aufgabe“, sagte Meyer. Die aktuelle Situation in der Welt helfe der Bundeswehr dabei durchaus, räumte der Offizier offen ein: „Wer heute noch nicht weiß, dass eine Bundeswehr wichtig ist …“ Auf keinen Fall aber werbe man hier die Schüler als Soldaten an, betonte er.
Mehr als bei der Oma
An einer ganz anderen Front kämpfte Ute Weerts von der Sander Pflege GmbH. Um Nachwuchskräfte zu gewinnen, muss sie in der Regel zunächst die Frage nach dem Geld beantworten. Allerorts war zuletzt ja zu hören und zu lesen, dass es mit der Bezahlung nicht so weit her sein soll in der Pflege. Ist im Gespräch mit den Schülern diese Hürde aber erst einmal argumentativ genommen, konnte die Pflegeleiterin engagiert über einen zwar harten, aber auch sehr ausfüllenden Beruf mit vielen Möglichkeiten berichten, wie sie sagte. Die Gelegenheit hatte Ute Weerts auf der IHK-Messe gleich mehrfach: Vor allem junge Mädchen hörten ganz genau zu und stellten auch ganz konkret Fragen. Nur: Der Pflegeberuf ist eben mehr als für die eigene Oma einkaufen zu gehen.
Schüler gefesselt
Weniger Sorgen um Auszubildende muss sich die Sparkasse Emden machen. Fast schon traditionell kommen die Bewerber wie von selbst. Dennoch will die Sparkasse präsent bleiben, wie Ausbildungsleiterin Christiane Paulsen-Jegelka sagte. Der demografische Wandel steht schließlich vor der Tür, die Zahl der Schulabgänger wird kleiner. „Wir wollen den Schülern aber auch bei der Berufsorientierung helfen. Deshalb sind wir hier.“ Das treibt auch den Landesbetrieb Niedersachsen Ports um. Und leider, so Personalleiter Karl-Heinz Iwwerks aus Norden, weiß auch an der Küste noch nicht jeder Schüler, was im Hafen von Emden oder Norden so alles los ist. „Dabei haben auch wir zahlreiche, ganz unterschiedliche Berufe anzubieten.“
Während der Stand des Emder VW-Werkes mit moderner Computer-Technik zahlreiche junge Leute anlockte, die Friseur-Innung nicht weit davon entfernt ganz offensiv Schüler ansprach und zu einer neuen Frisur inklusive Gespräch einlud, war auch die BBS I kräftig dabei, junge Menschen von einem spontanen Blutdruck- oder Zuckertest zu überzeugen. Und wenn man schon mal derart gefesselt ist, dann kann man sich ja auch noch schnell noch Informationen über einen der Pflegeberufe gefallen lassen.
