Emden - Pünktlich zur Taufe der Korvette „Emden“ vergangene Woche in Hamburg ist im Landesmuseum die kleine Kabinett-Ausstellung „SMS Kleiner Kreuzer Emden – Eine Heldengeschichte?“ eröffnet worden. Die Schau befasst sich kritisch mit Mythos und Propaganda-Überhöhung des Kleinen Kreuzers „Emden“, der 1914 nach einem Seegefecht bei den Kokosinseln sank, nimmt aber auch die sechs weiteren Marineschiffe mit dem Namen „Emden“ in den Blick. Die Tradition der Namensgebung der Marineschiffe – bekanntlich ein Thema, das nicht ganz unumstritten ist.
Namensgebung im Fokus
„Wir möchten weder die Leistung der Besatzungen schmälern, noch die Marine selbst in Frage stellen“, machte Direktorin Jasmin Alley in ihrer Begrüßung deutlich. Vielmehr gehe es darum, die Namensgebung aus geschichtswissenschaftlicher Sicht zu untersuchen. Das wird auch gemacht – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes ziemlich farbenfroh: Beim Betreten der Ausstellung fällt sofort ein knalliges Orange auf, mit dem die Überschriften aufgepeppt sind. Pfiffig ist auch ein Seil-Gewirr, das den Raum unterteilt und an dem Fender mit Schlagworten wie „Imperialismus“, „Heldentum“, „Überlegenheit“, „Propaganda“, „Rassismus“ befestigt sind.
Schön herausgearbeitet
Tatsächlich ist – das wird in der Ausstellung schön herausgearbeitet – die Geschichte der SMS „Emden“ im Ersten Weltkrieg, in der Weimarer Republik und der NS-Zeit weidlich propagandistisch ausgeschlachtet worden, wie Kurator Aiko Schmidt anhand von zeitgenössischem „Emden“-Kitsch-Porzellan, Notgeld, „Helden“-Gemälden oder kunstvoll gestalteten Erinnerungsblättern dokumentiert. Es ist die zweite Museumspräsentation des Kriegsschiffes in Emden. 2014 befasste sich eine Ausstellung in den Pelzerhäusern mit dem Thema: „Zwischen Mythos und Wirklichkeit. SMS Kleiner Kreuzer Emden“.
In der Bundesrepublik war es mit dem unreflektierten Nationalismus dann vorbei, erinnerte „Kunst“-Vorsitzender und Marineschiff-Freundeskreis-Chef Gregor Strelow in seinem Grußwort. Gleichwohl waren und sind für die Bundeswehr Tradition und deren Pflege unverzichtbarer Bestandteil ihrer Identität. Das weiß niemand besser als Strelow selbst, der in den letzten Jahren mit seinen Mitstreitern unermüdlich dafür getrommelt hat, dass wieder ein Marineschiff den Namen „Emden“ in alle Welt trägt. Ein Bemühen, das mit der Taufe der Korvette vergangene Woche seinen erfolgreichen Abschluss gefunden hat. Und so schlägt die Schau – ganz unaufgeregt – einen Bogen von der ersten „Emden“ bis zur nagelneuen Korvette. Ein differenzierter Blick auf die „Emden“-Tradition, der zum Nachdenken anregt.
