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Spannendes Forschungsprojekt Ein „Geisterschiff“ kreuzt im Emder Hafen

So könnte das autonom fahrende Baggerschiff „Amisia“ aussehen: Projekt-Studie des Ingenieurunternehmen Mareval AG.

So könnte das autonom fahrende Baggerschiff „Amisia“ aussehen: Projekt-Studie des Ingenieurunternehmen Mareval AG.

MAREVAL AG

Emden - Seit Jahren tüfteln Automobilhersteller weltweit am Straßenverkehr der Zukunft. Ihr großes Ziel: das autonome Fahren. Mehr oder weniger entspannte Autofahrer werden zum Beifahrer des Computers, die Straßen – so zumindest das große Ziel – damit deutlich sicherer. Im Emder Hafen ist in diesen Tagen ein ähnliches Verfahren getestet worden, wobei der Hintergrund ein ganz anderer ist: Im Hafen soll über kurz oder lang ein Baggerschiff möglichst selbstständig und im Idealfall ganz ohne Besatzung – sozusagen wie mit Geisterhand – durch die Hafenbecken schippern, dort den Schlick in Bewegung halten und somit den notwendigen Tiefgang kontinuierlich gewährleisten.

Wie ein Rasenmäher-Roboter

Mitarbeiter des renommierten Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrttechnik (DLR) haben nun in Emden gleich drei Automatisierungsgrade getestet: Die Wissenschaftler navigierten das kleine Forschungsboot „Sally“ zum einen konventionell per Hand durch den Hafen, steuerten das Boot über eine Fernsteuerung von Land aus und ließen das batterie-elektrisch angetriebene Boot dann auch noch voll automatisiert durchs Wasser gleiten. Im Notfall sollte das Boot auch selbstständig reagieren. Dafür hatten die Experten die „Sally“ mit allerlei Sensoren und Kameras ausgestattet, die alle möglichen Hindernisse im Augen behalten sollten. Fahrende oder an den Kais festgemachte Schiffe sollten natürlich unberührt und vor allem unbeschadet bleiben. Dafür sorgten unter anderem Assistenzsysteme, wie man sie aus modernen Autos kennt, zum Beispiel Kollisionsvermeidungssensoren, Autopiloten sowie Systeme zur Objekterkennung. Ein DLR-Sprecher verglich „Sally“ dann auch nachvollziehbar mit einem modernen Rasenmäher-Roboter, der ebenfalls ohne menschliches Zutun durch den Garten fährt. Ob das alles auch im Hafen ohne Kollision geklappt hat, wurde nicht mitgeteilt. Zu Sicherheit war aber immer ein Mensch an Bord.

Große Datensammlung

„Das Projekt ist besonders spannend, weil es hoch automatisiertes Fahren auf dem Wasser im Regelbetrieb bisher noch so gut wie gar nicht gibt“, wird Mirjam Bogner vom DLR-Institut für Systems Engineering für zukünftige Mobilität in einer Mitteilung zitiert, die im Projekt das Testdesign und die Datenauswertung für die Feldtests verantwortet. Die Daten der Radar-Sensoren und die hieraus generierten „Punktewolken“ sollen in den nächsten Monaten genauer untersucht werden. Die Erkenntnisse der Tests fließen später in das finale Design- und Betriebskonzept eines autonomen Baggerschiffes ein, das deutlich größer sein wird als die kleine „Sally“. Die Forschungsergebnisse wollen die Projektbeteiligten, darunter der Hafenbetreiber Niedersachsen-Ports (N-Ports), im Herbst 2024 vorstellen.

Jahrelanges Verfahren

Tatsächlich ist das Ziel, der Bau eines Baggerschiffes, das autonom durch den Hafen fährt und dabei Sedimente aufsaugt, durchschüttelt und als Schwebstoffe wieder ausscheidet. Ähnlich verfährt bereits seit Jahren der Hafenbetreiber N-Ports. Der Hafenschlick wird in Emden in der Regel nicht ausgebaggert und abtransportiert, sondern aufgewirbelt und mit den Schleusungen aus dem Hafen gespült. Fachleute sprechen entsprechend von einem „Rezirkulationsverfahren“. Das soll in Zukunft das automatisierte Baggerschiff „Amisia“ übernehmen – wenn denn die Automatisierung funktioniert, die erhofften Ergebnisse vorliegen und wenn natürlich das notwendige Geld vorhanden ist. Eine endgültige Investitionsentscheidung ist bislang noch nicht gefallen.

Jens Voitel
Jens Voitel Emder Zeitung
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