Emden - Nach der schwerwiegenden Havarie am Donnerstag im Emder Hafen, bei der ein Binnenschiff auseinandergebrochen ist, stellen sich einige Fragen. Diese Redaktion hat sie dem Hafenbetreiber Niedersachsen Ports (NPorts) gestellt und Antworten bekommen.
Das Binnenschiff „Sabine“ (als ehemalige „Blandina“ im Emder Hafen keine Unbekannte im Binnenschiffsverkehr) war am Südkai beim Beladen mit Splitt durchgebrochen und auf den Grund des Hafenbeckens gesunken. Das Wrack des 58 Jahre alten Schiffes liegt jetzt in circa zwölf Meter Tiefe. Die „Sabine“ war, wie einem Binnenschiffsforum im Internet zu entnehmen ist, im vergangenen Jahr auf einer Werft um sechs Meter verlängert worden. Das Binnenschiff sollte am Kai der Firma Mibau 1500 Tonnen Kies laden, zerbrach dann aber plötzlich mit einem lauten Knall, als etwa 1200 Tonnen im Laderaum erreicht waren, berichtete der NDR. Der Schiffsführer rettete sich mit einem Sprung ins Wasser und wurde von Rettungskräften herausgezogen. Der Matrose, Sohn des Schiffsführers, konnte rechtzeitig an Land springen.
Wann wird das Schiff geborgen ?
NPorts-Sprecherin Dörte Schmitz teilte mit, dass es für ein Bergungskonzept noch etwas zu früh sei. Hierfür müsse zunächst zum einen der Zustand, zum anderen die Lage des Schiffs unter Wasser näher bestimmt werden. Ein 3D-Scan unter Wasser, der für Samstag geplant ist, soll beides klären. Schmitz: „Mit diesem Ergebnis werden dann vom Versicherer die erforderlichen Maßnahmen bestimmt.“ Für die Bergung dürfte ein großer Schwimmkran erforderlich sein. Das, so berichtet der NDR unter Berufung auf Polizeiangaben, sei nicht ohne Risiko, weil bei dem Bergungsvorgang weitere Schiffsteile brechen könnten. An Bord sollen sich zudem 7000 Liter Diesel und 150 Liter Öl befinden.
Drohen Umweltschäden ?
NPorts verweist darauf, dass die Feuerwehr „Maßnahmen zur Eindämmung“ von austretenden Betriebsstoffen eingeleitet habe. Unmittelbar nach der Havarie war eine Ölsperre am Unglücksort ausgebracht worden. Noch am Freitagnachmittag sollte eine Fachfirma anrücken und weitere Schritte unternehmen, um Umweltschäden zu vermeiden.
Welche Folgen gibt es für die Schifffahrt ?
Der Liegeplatz ist aktuell nicht nutzbar und gesperrt worden. NPorts biete der Hafenwirtschaft im Bedarfsfall alternative Umschlag- und Liegeplätze an, erklärte Dörte Schmitz. Verkehre im Hafen seien durch die Havarie vorerst nicht beeinträchtigt. Die Freigabe des Kais wird vermutlich noch dauern, denn zunächst muss das Wrack geborgen werden. Im Anschluss daran muss dort die erforderliche Wassertiefe wieder hergestellt und die mit dem Schiff gesunkene Ladung sehr wahrscheinlich ausgebaggert werden. Erst dann kann die Freigabe durch die Hafenbehörde erfolgen.
Gab es eine solche Havarie schon einmal ?
Zumindest im Zuständigkeitsbereich von Niedersachsen Port handelt es sich offenbar um ein einmaliges Ereignis. Ein Kollege, der seit 20 Jahren dabei ist, könne sich für diesen Zeitraum an kein vergleichbares Ereignis erinnern, schreibt Dörte Schmitz.
