Emden - Während die Planungen für die sogenannte Kunstpromenade zwischen dem Henri-Nannen-Platz vor der Kunsthalle und der Boltentorstraße langsam Formen annehmen, ist die Zukunft des denkmalgeschützten „Chinesentempels“ weiterhin eher unkonkret. Die Stadt arbeitet derzeit nach eigenen Angaben noch an der Kostenberechnung für eine wohl notwendige Sanierung des 1929 fertig gestellten Gebäudes, das bis ins vergangene Jahr hinein dem Emder Goldschmiedekünstler Jörn Peter Haut als Ausstellungsfläche diente. In Zukunft will das Ostfriesische Landesmuseum den klinker-expressionischen Bau nutzen. Jörg Peter Laut musste deshalb sein Domizil im vergangenen Jahr recht schnell verlassen. Seitdem steht der markante Rundbau einfach nur leer.
Ein Basiskonzept
Im Herbst 2022 hatte die neue Direktorin des Landesmuseums, Jasmin Alley, vor dem Emder Rat mitgeteilt, dass für den im Volksmund Chinesentempel genannten Rundbau mit seinen gedrehten Säulen ein „Basiskonzept“ erarbeitet worden sei. Wie genau das aussehen soll, ist bis heute nicht ganz klar, zumal für die dafür notwendige Sanierung auch noch nicht die notwendigen Förder- oder Drittmittel eingeworben worden sind. Die Rede ist bislang nur von einer „partizipativen Museumsarbeit“, was immer das auch sein mag.
Geld ist derzeit nur für den Ausbau der Kunstpromenade bereit gestellt worden, der Chinesentempel ist da noch außen vor. Zumindest bekräftigt die Stadt: „Der Chinesentempel ist ein denkmalgeschütztes Gebäude ohne ‘Ecken und Kanten’ und ein Wahrzeichen Emdens, das es zu erhalten gilt.“ Die Nachnutzung sei derzeit „in Planung“. Daran sind nach Angaben von Stadtsprecher Eduard Dinkela das städtische Gebäudemanagement, die städtische Stadtplanung, die Bauaufsicht und eben das Ostfriesische Landesmuseum beteiligt. Ziel sei es, einen Teil der Arbeiten des Ostfriesischen Landesmuseums im Zusammenhang mit der innenstadtnahen Kunstpromenade langfristig im 45 Quadratmeter kleinen Chinesentempel anzusiedeln. Ein genauerer Zeitplan wurde dagegen nicht genannt.
Langsam ungeduldig
Das führt jetzt dazu, dass die Politik langsam ungeduldig wird. Eine entsprechende Anfrage der FDP-Fraktion ist nach Angaben von Erich Bolinius lange unbeantwortet geblieben, was ihn zu der Feststellung führte: „Der Leerstand trägt nicht gerade zu einem guten Stadtbild bei.“ Man könne das leer stehende Gebäude lieber nutzen, beispielsweise mit einer Ausstellung von Jörg Peter Haut.
Dagegen sind laut Stadt die „Vorplanungen für die Kunstpromenade abgeschlossen.“ Derzeit werde die „Ausführungsplanung finalisiert“. Diese würden sich aktuell im internen Abstimmungsprozess befinden. „Im Anschluss wird die Planung dem Rat nochmal detailliert vorgestellt“, kündigte der Stadtsprecher an. Aufgrund der preislichen Verwerfungen im Baugewerbe sei es aber günstiger, die Maßnahme im Spätsommer oder Herbst auszuschreiben; dann werden die notwendigen Vorarbeiten durchgeführt. Eine Umsetzung erfolgt dann zum Beginn 2024. Bislang werden die Kosten für die neue Promenade auf rund 600 000 Euro geschätzt.
