Emden - „Sie hat mich gesehen und war einfach hin und weg“, so beschreibt Heiko Stolle das Kennenlernen mit seiner Frau Heide, die seine Sicht auf jenen besonderen Abend im Jahre 1962 nur lachend bestätigen kann. Tatsächlich war es reiner Zufall, dass der damals 23-Jährige am 8. August 1962 im grünen Jäger in Oldenburg einkehrte.
Zu dieser Zeit lebte der geborene Oldenburger bereits einige Jahre in Hamburg und war durch seine Tätigkeit als Seemann bei der Handelsmarine häufiger auf hoher See als an Land. Auch die damals 19-jährige Heide hatte es in eine Großstadt gezogen, sie arbeitete in Osnabrück als Krankenschwester. Nur an diesem besagten Abend trieb es die beiden zurück in die Heimat und auf die Tanzfläche.
Erst nur ein Eis
Es stellte sich heraus, dass Heide in Begleitung von Heikos Cousine war, die manches über den Seemann erzählte. Der Anfang war gemacht, der Rest ließ nicht lange auf sich warten. Am 29. März 1963 gab sich das Paar das Ja-Wort. „Wenn es nach uns gegangen wäre, hätten wir keine Festlichkeiten gebraucht, wir hätten bei Famila Oldenburg ein Eis gegessen“, sagt der 83-Jährige. Seine Mutter hingegen liebte Familienfeiern und übernahm die Hochzeitsplanung. Im selben Jahr folgte der erste Sohn, zwei Jahre später kam ein weiterer dazu. Zu dieser Zeit war lange Schluss mit der Seefahrt. Stattdessen schloss Heiko eine Lehre als Reederei-Kaufmann in Hamburg ab. Eine Wohnung in Hamburg zu finden, war jedoch schwierig und so zog es die Familie zurück in die Heimat. „In der Nordwest-Zeitung gab es eine Anzeige einer Reederei in Brake, die nach einem Schiffsmakler suchten. Die Stelle hab ich bekommen.“ Danach ging es auf der Karriereleiter hinauf: vom Büroleiter zum Prokuristen bis zur eigenen Agentur für spanische Schiffe.
Echte Sportskanonen
Egal wohin es die Familie verschlug, von dem Haus in der Nordheide, in Brake bis hin zum Neubau in Oldenburg, Heide hielt zu Hause immer alles am Laufen. Dabei besaß sie etliche Trainerscheine, gab Tennisunterricht, war Übungsleiterin im Turnerverband und organisierte Zeltlager. „Fünf Tage die Woche fand man sie in der Sporthalle“, sagt Heiko Stolle. Sport durfte auch bei den Urlauben nicht fehlen und so planten sie alles mit dem Rad. Selbst der Weg nach Mittel-Norwegen war hier nicht zu weit für die Bewegungslustigen.
Ihren Ruhestand verbringt das Ehepaar in Emden, um näher bei einem Teil der Familie zu sein. Eine große Feier an ihrem Ehrentag wird es nicht geben. Womöglich verbringen sie den Tag so, wie auch schon an ihrer Goldenen Hochzeit: auf einer sonnigen Parkbank mit einem Eis in der Hand.
