Krummhörn - Sonne, kein Regen und kaum Wind sowie ein eingespieltes Team: Die Bedingungen für das Aufsetzen der Mühlenkappe hätten am Dienstagvormittag in Uttum kaum besser sein können. Und auch deshalb ging alles ganz schnell. Nur wenige Minuten brauchte der Auto-Kran, um die frisch sanierte und 14 Tonnen schwere Kappe wieder auf den Mühlenstumpf zu setzen. Entsprechend zufrieden und auch erleichtert zeigte sich Mühlenbesitzerin Martina Ernst-Jansen.
Absturz drohte
Vor ziemlich genau zwei Jahren bot sich dieses Bild schon einmal an der Uttumer Mühle. Allerdings musste die alte Kappe damals abgenommen und zu Boden gelassen werden. Sie galt nicht mehr als sicher. „Das war schon an der Grenze des Vertretbaren“, sagte Mühlenbauer Diedrich Schlachter rückblickend. Die sogenannten Fughölzer, auf denen die Kappe ruht, waren zum Teil an den Seiten durchgefault, weiß auch Martina Ernst-Jansen zu berichten. Der Windhosenbock drohte gar abzustürzen. Also musste die Kappe schnell runter. Mit Mühlenbauer Schlachter hatte sie in den vergangenen Jahren aber einen echten Fachmann an ihrer Seite, wie Ernst-Jansen am Dienstag gleich mehrfach betonte. Auch mehrere Firmen aus der Region haben sich bei der Sanierung eingebracht und die Arbeiten unterstützt.
Zwei Jahre Arbeit
Repariert und überholt wurde die mächtige Kappe übrigens direkt neben der historischen Mühle, die im Jahr 1700 erstmals erwähnt wurde. Zusammengerechnet hat Mühlenbauer Schlachter hier sechs Monate verteilt auf zwei Jahre gearbeitet.
Es ging um die Dachkonstruktion, um den Vorder- und Heckgiebel, um die besagten Fughölzer und schließlich auch um die Innenverkleidung. 10 000 Nägel und mindestens 8000 Schrauben, so schätzt Schlachter, hat er in dieser Zeit verbaut.
Erste Erwähnung findet die Uttumer Mühle im Jahr 1700 als herrschaftliche Mühle. Nach dem im damaligen Greetmer Amt vorhandenem Windmühlverzeichnis aus dem Jahre 1820 handelte es sich um eine königliche Mühle, die dem Andreas J. Schmidt auf Erbpacht gehörte.
Im Jahr 1903 kaufte Franz Heddinga die Mühle und baute 1910 einen Benzin- und Elektromotor ein. Sohn Andreas führte sie 1930 weiter. Im Jahr 1970 stellte die Mühle ihren Betrieb ein.
In den Besitz der Familie Ernst gelangte die Mühle 2003, als Wilhelm Ernst das vom Verfall bedrohte Gebäude ersteigerte, säuberte und zum Teil sanierte. Grundlegend war die Mühle zuletzt 1980 saniert worden. Nach seinem Tod 2010 blieb das Bauwerk im Besitz der Familie.
Das alles hat seinen Preis und ist von der Mühlenbesitzerin alleine nicht zu stemmen. Aber Dank des Mühlenpools, der von den Kommunen extra für solche Vorhaben gefüllt wurde, und einer Zusage der Gemeinde Krummhörn, ging es dann doch. Wie hoch die Kosten letztlich sind, ist aber noch nicht absehbar. Aber der Mühlenpool und auch die Gemeinde Krummhörn beteiligen sich je zu einem Drittel an den Kosten. Der Krummhörner Rat hatte dazu den Beschluss gefasst, sich in einer Höhe von bis zu 35 000 Euro an dem Projekt zu beteiligen, sagte Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos), die sich die Aktion ebenfalls anschaute.
Mühlenbesitzerin Martina Ernst-Jansen, Mühlenbauer Diedrich Schlachter und Hausmeister Gerd Woltmann erklärten, was in den vergangenen zwei Jahren alles gemacht wurde. BILD: Jens Tammen
Keine Flügel
Flügel wird die Mühle aber auch nach der Kappensanierung vorerst nicht bekommen. „Es sei denn, es gibt einen unerwarteten Geldsegen“, sagte Martina Ernst-Jansen. „Das ist derzeit nicht zu finanzieren“, begründete sie. Um die Mühle in Stand zu halten, vermietet sie die Ferienwohnungen im Nebengebäude und sucht nach wie vor einen Pächter für die Mühle selbst.
„Die Mühle ist voll ausgestattet und der Betrieb könnte gleich morgen starten“, sagt sie. Doch es fehle an Interessenten für die Klein-Gastronomie mit 30 Sitzplätzen. Die Einnahmen einer Verpachtung wären aber für den weiteren Erhalt notwendig. Für Ernst-Jansen ist es aktuell auch keine Option, die Mühle selbst zu bewirtschaften, da sie in Darmstadt lebt und arbeitet.
Zur Mühle selbst kam die Familie übrigens durch ihren Vater Wilhelm Ernst, der das Bauwerk im hohen Alter von 80 Jahren ersteigerte und noch sechs Jahre bis zu seinem Tod Stück für Stück sanierte. „Und immer mal wieder hat er auch die Teestube für Radfahrer geöffnet“, erinnert sich die Eigentümerin und wünscht, dass auch das bald wieder so wäre.
Die Kappe wurde ausgerichtet und dann passgenau auf den Stumpf gesetzt. Bild Jens Tammen
