Emden - Im christlichen Abendland weihnachtet es gewaltig. Überall hängen Lichterketten, kleine und große Tannenbäume zieren die Einkaufsstraßen, Black-Friday-Angebote halten die Geschenke-Orgie am Köcheln. Auch auf Mallorca, wo ich gerade ein paar Tage verbringe, quillt die Weihnachts-Deko in den pittoresken Ortschaften und in der mondänen Inselhauptstadt Palma wie Hefekuchen auf.

Bei meiner EZ-Online-Lektüre erfuhr ich, dass daheim wegen der Aufstellung von Tannenbäumen die Neutorstraße gesperrt werden musste. Der Kollege schrieb ausdrücklich, dass es sich nicht um einen neuen Verkehrsversuch handelte. Dabei wäre das doch eine zauberhafte Weihnachtsüberraschung für die Bürgerinnen und Bürger gewesen.

In Sóller, einer malerischen Gemeinde im Nordwesten Mallorcas, bietet ein kleiner Laden künstliche Weihnachtsbäume in diversen Farben und Größen an. Ein Exemplar in Barbie-Pink, etwa sechzig Zentimeter groß, kostet 27,50 Euro. Vielleicht kommt ein Tourist vorbei und kauft ihn als Souvenir. Einen Original-Weihnachtsbaum aus Mallorca hat schließlich nicht jeder in Bottrop, Großburgwedel oder Hilmarsum.

Das Bäumchen eignet sich auch als individuelles Geschenk für die Oma oder als echter Hingucker auf der privaten Ballermann-Party. Man kann auch Ostereier dranhängen.

Ansonsten gibt es nicht viel zu berichten von hier, außer – ganz wichtig – das Wetter ist gut. Man kann in kurzer Hose und T-Shirt herumlaufen. Beim Einchecken im Hotel sagte man mir, der Pool sei geschlossen. In der Nachsaison gebe es keine Badeaufsicht, das sei der Grund. Und wenn ich trotzdem reinspringe? Die Dame an der Rezeption grinste nur. Nachdem ich den Koffer ausgepackt hatte und die Anlage inspizierte, sah ich, dass einige Gäste im Pool schwammen, obwohl der geschlossen ist. Bei Hai-Alarm ist niemand da, der sie rettet. Ich werde wohl auch noch ein paar Bahnen ziehen. No risk, no fun.

Ein Hotelgast erzählte mir, er sei in der Pappklasse hierher geflogen. Pappklasse? Meinte er die Holzklasse? Nein, sagte er, bei Eurowings fliegt man jetzt Pappklasse. Er zeigte mir auf dem Handy ein paar Fotos aus der Bord-Speisekarte. Die verspricht „unvergessliche Genussmomente über den Wolken“. Der Mann hatte Lust auf Rotwein und das Angebot sieht wirklich gut aus. Ein „Barton & Guestier Cuvée Spéciale Rouge“, 187 Milliliter für 6,90 Euro. Abgebildet ist das kleine Weinfläschchen und ein bauchig gefülltes Rotweinglas, wie man es aus guten Restaurants kennt. Und was servierte die Flugbegleiterin dann? Einen Pappbecher zum Fläschchen! Hier verspricht die Werbung also mehr, als die Fluglinie hält. Deshalb sei das für ihn jetzt die Pappklasse.

Mein Hotel ist zwar nicht Pappklasse, aber fast Holzklasse, milde ausgedrückt. So was passiert, wenn man spontan irgendwas bucht, um anderntags zu fliegen. Doch das Hotel gibt sich Mühe. Am Mittwochabend trat eine Sängerin auf. Es saßen etwa 20 Menschen im Saal, darunter auch eine ältere Frau mit Rollator. Als die Interpretin „Dancing Queen“ von Abba anstimmte, geschah etwas Verblüffendes. Die Rollator-Dame sprang plötzlich auf, klatschte begeistert im Takt und hüpfte rhythmisch herum. Sollte man doch noch an Weihnachtswunder glauben?