Emden - Gehen oder vergrößern? Vor dieser Entscheidung stand Klemens Niehoff, Geschäftsführer und Inhaber vom Stoffhandel Der Stoff, vor einigen Wochen bei seinem Standort in der Neutorstraße 1 in Emden. „Aber der Handel wird in Emden so vernachlässigt“, sagte er. Also entschied das Unternehmen, seinen Standort in der Seehafenstadt nach gut zwölf Jahren aufzugeben. Am 30. Juni ist daher endgültig Schluss.
Der Stoff
Auf ihn zugekommen sei seitens der Stadt bislang niemand. „Es hat sich bis jetzt keiner gemeldet, dabei hätten wir uns vergrößert, wenn man uns behilflich gewesen wäre, wie das in anderen Städten der Fall ist“, bedauert Niehoff. In den bisherigen Räumlichkeiten sei es langfristig aber nicht mehr möglich gewesen, wirtschaftlich zu handeln. Und der Umsatz habe sich in Emden mit den Jahren immer weiter runtergefahren, Miete und Mitarbeiter müssten aber dennoch bezahlt werden – etwas, das beim Onlinehandel eine wesentlich kleinere Rolle spiele.
Offiziell gibt es „Gaby“ noch bis Ende des Monats, doch der Räumungsverkauf ist längst gelaufen. Georg Fischer will den Verkauf nun ins Internet verlagern und nicht mehr stationär handeln. Bild: Elisabeth Ahrends
Kleidergeschäft Gaby
Eben diese wirtschaftliche Lage ist es auch, die Georg Fischer und seine Frau zum Aufhören bewegt hat. Offiziell ist ihr Laden „Gaby Naturmode und Kindermode“ zwar noch bis Ende Mai in der Großen Straße ansässig, die Geschäftsräume sind aber inzwischen weitestgehend geräumt worden. „Der Ausverkauf ist schon gelaufen“, sagte Fischer. Vor zehn Jahren, im Juli 2014, hatte er das Geschäft eröffnet, doch dann kam die Pandemie und mit ihr blieben die Kunden weg. „Die sind umgeschwenkt und haben sich digital neu orientiert“, sagt Fischer. Der stationäre Einzelhandel gucke dabei in die Röhre.
Ebenfalls geschlossen: Für Fahrrad Gäde ist auch der zweite Versuch, in der Emder Innenstadt mit Verkauf und Verleih gescheitert, bereits seit Dezember ist das Geschäft geschlossen. Bild: Elisabeth Ahrends
Fahrrad Gäde
So sieht es auch Fischers bisheriger Nachbar Dominic Müller. Vor zwei Jahren hatte Fahrrad Gäde, ein Fahrradgeschäft mit Verleih, einen zweiten Versuch in der Innenstadt gewagt, nachdem auch dort zuvor Corona einem ersten Anlauf einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte. Doch auch der zweite Neustart verlief nicht wie gewünscht. „Die Große Straße ist ein raues Pflaster“, sagte Müller, der Jahre zuvor in einer Seitenstraße das Musikgeschäft Wurps betrieben hatte – das ebenfalls letztlich aufgeben musste. Keine Parkmöglichkeiten, keine Möglichkeiten, Neukunden anzuwenden und letztlich zu wenig Personal hatten schon im Dezember zu einer Winterpause geführt, die nicht mehr beendet wird. Der Laden in der Großen Straße bleibt geschlossen, Verleih und Verkauf finden künftig vom Emder Hauptstandort an der Auricher Straße in Harsweg aus statt. „Dort funktioniert das Ganze“, hat Müller festgestellt. Dabei mangele es eigentlich nicht an dem entsprechenden Publikum. „Die Frequenz von Touristen ist vorhanden“ und auch Mieträder seien gefragt, nur die Große Straße sei eben nicht der passende Ort für Gäde gewesen.
Hat sich vergrößert, statt aufzugeben: Bei der Kreativ Kiste läuft es gut, weshalb Gerald Hellwig zum 1. März in neue, größere Räumlichkeiten im Nachbargebäude gezogen ist.
Kreativ Kiste
Anders sieht das Gerald Hellwig. Vor einem halben Jahr hat er die Kreativ Kiste übernommen und ist zum 1. März auch gleich in größere Räumlichkeiten im Nachbargebäude, Große Straße 28, gezogen. Über mangelnde Kundschaft kann er sich nicht beschweren. Doch auch er sieht die Probleme: „Die Große Straße ist ein bisschen das Stiefkind der Stadt.“ Es würden immer wieder Autos und Motorräder durch die Fußgängerzone fahren, rücksichtslose Radfahrer beharrten auf ihrem Vorfahrtsrecht, das es an dieser Stelle so gar nicht gibt, und vonseiten der Stadt werde zu wenig getan, damit sich an der Situation etwas ändere. Inzwischen blieben sogar schon Touristen weg, weil sie sich nicht mehr wohlfühlten. Trotzdem hält der Geschäftsmann am Standort fest.
Plant seit zwei Jahren die Eröffnung, die einfach nicht stattfinden will: der Pizzalieferdienst Domino’s in der Großen Straße. Bild: Elisabeth Ahrends
Domino’s in Emden
Das scheint auch das Franchise-Unternehmen Domino’s zu tun. Seit zwei Jahren steht die Eröffnung quasi kurz bevor, doch bislang hat sich nichts getan. Auf eine aktuelle Anfrage antwortete das Unternehmen nicht, nachdem es im Januar zunächst erneut nach einer Vertragsunterzeichnung mit einem neuen Partner ausgesehen hatte. Passiert ist seither am Standort in der Großen Straße 62 nichts, weiterhin ist das Bewerbungsportal für Franchisenehmer online geschaltet.
