Emden - 90 Jahre, das ist schon ein stolzes Alter – auch für das Ausflugsschiff „Ems“. „Für so ein Alter sieht’s doch gut aus“, findet Harry Juilfs, der dem Schiff in den kommenden Tagen ein neues TÜV-Siegel verpassen soll. Das heißt im Fachjargon allerdings nicht TÜV, sondern nennt sich Klassifikation. Und die muss alle fünf Jahre erneuert werden, weshalb bei der „Ems“ die Zeit drängt. Denn Ende des Monats läuft die bisherige Klassifikation aus. Und zum 90. – diesen runden Geburtstag feiert das Schiff im Juni – soll schließlich alles in Schuss sein.
Planungen in Verzug
Dabei sollten eigentlich längst alle Arbeiten erledigt sein, das Schiff wollte längst wieder Gäste an Bord nehmen. Doch einmal mehr machte die marode Eisenbahnbrücke diesem Plan einen Strich durch die Rechnung, wie Manfred Lauterjung, Reeder, Kapitän und Vorsitzender des Vereins „Traditionsschiff Ems“ sagte. „Die Brücke sollte von Ende Januar bis Ende März überholt werden“, wurde ihm gesagt. Aus nicht bekannten Gründen sei die Reparatur jedoch nicht durchgeführt worden, die Crew der „Ems“ hatte vergeblich im Binnenhafen ausgeharrt. Auf Nachfrage bei der Bahn erfuhr Lauterjung schließlich, dass es aktuell möglich sei, die Brücke zu passieren.
Seit Montag im Dock
Und so machte sich am Montagmorgen um 7 Uhr eine siebenköpfige Crew auf den Weg, um das alte Schiff in die Werft von EWD, Emder Werft und Dock GmbH, zu bringen. Dort nahmen Projektingenieurin Milda Varnaite und ihr Team das 430 PS-starke, mit allerlei Muscheln und Algen bewachsene Schiff in Empfang. Nachdem der alte Belag mit Hochdruckreinigern abgewaschen ist, erfolgt nun die genaue Untersuchung – der Propeller und Ruder müssen kontrolliert werden, es wird gemessen, ob der Stahl noch dick genug ist und die sogenannten Opfer-Anoden, die als Korrosionsschutz dienen, sollen ausgetauscht werden. Anschließend muss auch die Berufsgenossenschaft noch einmal kontrollieren, ob an Deck alles in Ordnung ist, ehe das Schiff im April zu seiner ersten Ausfahrt auf der Ems aufbrechen kann.
Ein paar Tage muss die alte Dame allerdings noch auf dem Trockendock ausharren. Voraussichtlich am Donnerstag soll sie die Werft verlassen, weiter will Lauterjung den Aufenthalt auf keinen Fall in die Länge ziehen. Denn jeder Tag im Dock kostet den Verein Geld. „In der Vergangenheit haben die Aufenthalte zwischen 25.000 und 40.000 Euro gekostet“, berichtete er. Wie viel es dieses Mal werden wird, dazu konnte er keine Angaben machen. Doch am Ende zählt jeder Euro, schließlich finanziert der Verein die Sanierung ausschließlich aus Spenden, den Einnahmen der Ausflugsfahrten und den Beiträgen seiner zehn Mitglieder.
Ein Herzensprojekt
Für Lauterjung aber handelt es sich bei der „Ems“ um ein Herzensprojekt, schließlich hat er sich bereits in den 1970er-Jahren in das Schiff verliebt. Damals hat er das Schiff Tag für Tag auf dem Weg zur Arbeit gesehen, und „mit seinem besonderen Aussehen hat es eine tiefe Sympathie in mir ausgelöst“. Vielleicht auch deshalb steuert er, obwohl selbst seit Jahren im Ruhestand, nach wie vor die Ems auf ihren knapp 50 Fahrten pro Jahr. Ein bisschen Unterstützung dabei könnte er allerdings gut gebrauchen, wie er sagt. Denn wenn im Dock in dieser Woche alles glattläuft, dann hat die alte Dame noch lange nicht ausgedient.
