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NWZonline.de Region Emden

Unglück Beim Barßeler Hafenfest: Boot zu schnell? – Prozess gegen 28-Jährigen geplatzt

03.09.2019

Emden /Barssel Der holzvertäfelte Sitzungssaal des Amtsgerichts Emden strahlt eine hanseatische Gediegenheit aus. Intarsien und Figuren zieren Wand und Decke, etwas erhöht der ebenfalls holzverkleidete Richtertisch. Das ist der Ort, an dem an diesem Montag über den tödlichen Bootsunfall auf dem Barßeler Tief verhandelt wird.

Zwei Boote prallten aufeinander, ein Bootsführer und eine Mitfahrerin starben, weitere Insassen wurden teils schwer verletzt. Eine der Schwerverletzten sitzt nächstens zum Richtertisch, ihr Blick und die Blicke des gegenüber sitzenden Angeklagten begegnen einander nicht. Die 26-Jährige hatte bei dem Aufprall schwerste Verletzungen am Kopf erlitten.

Künstliches Koma, langer Krankenhausaufenthalt, Reha-Klinik – während sie das Martyrium ihrer immer noch erreichten vollständigen Gesundung schildert, kommen ihr die Tränen. Sie war auf den Rollstuhl angewiesen, als sie aus dem Krankenhaus entlassen wurde, ergänzt sie. Es folgten eine Wiedereingliederung in ihren Beruf, erneute Kieferoperation, Taubheitsgefühl in der Unterlippe.

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Mit den psychischen Folgen des Unfalls hat sie noch immer zu tun, musste ihre Arbeitszeit auf sechs Stunden täglich reduzieren, leidet an Schwindelattacken und kann kein direktes Sonnenlicht vertragen. Auf der Arbeit ermüde sie leicht, „wenn ich länger arbeite, habe ich Schwierigkeiten mich zu konzentrieren.“

Unter Stress leide sie an Gedächtnisstörungen, sagt die junge Frau und ringt um Fassung. „Ich habe mir das aufgeschrieben, damit ich es nicht vergesse“, sagt sie und blickt noch einmal auf ihren Zettel. Seit Februar arbeitet sie wieder, zweieinhalb Jahre nach dem Bootsunfall hat es gedauert, bis sie wieder einer Tätigkeit nachgehen kann.

Der Bootsunfall. Der Cloppenburger Rechtsanwalt Reinhard Nollmann verliest zu Beginn des Prozesses eine Erklärung seines Mandanten. Der heute 28-Jährige hatte sich im Juni 2016 das Motorboot gekauft, auf dem eine nächtliche Bootsfahrt stattfand, die für zwei Menschen tödlich endete. Vorher hatten die beiden Gruppen das Hafenfest in Barßel besucht.

Eine Gruppe beschloss dann die nächtliche Fahrt im kleineren, aber schnelleren Motorboot, die andere im etwas größeren und stärker motorisierten Boot des Angeklagten. Erst fuhr das größere Boot eine Runde im Barßeler Hafen, dann entschloss man sich zu einer nächtlichen Ausfahrt. Das größere Boot hatte die Beleuchtung angeschaltet, rote und grüne Positionslichter, das kleinere nicht. Unterwegs traf man sich, der Bootsführer des kleineren Bootes tankte auf, beide Bootsführer sprachen miteinander. Dann fuhr das kleinere Boot Richtung Barßel, das größere hinterher. Er sei nur mäßig schnell gefahren, betont der Angeklagte mehrfach. Plötzlich sei das andere Boot bei hoher Geschwindigkeit entgegengekommen. Er habe noch versucht auszuweichen, den Rückwärtsgang einzulegen, doch dann folgte der Aufprall, das kleiner Boot schob sich unter das größere.

Der Sachverständige stellt später diesen Ablauf infrage. Beide Boote seien schneller als 25 km/h unterwegs gewesen (erlaubt sind 10 km/h). Auch seien beide Boote breiter als die auf dem Tief erlaubten 1,50 Meter. Seine Rekonstruktion ist minutiös, doch nachdem der Anwalt des Angeklagten die Expertise anzweifelt und Richter Christopher Olthoff dem nachgibt, zählt auch sie erst mal wenig.

Richter Olthoff entschuldigt sich bei den Prozessbeteiligten für die nochmalige Verzögerung des Verfahrens, das die Justiz ja nun schon drei Jahre beschäftigt. Eltern eines Opfers sind als Nebenkläger im Gericht, ebenso zwei Insassinnen des kleineren Bootes. Sie haben Schwierigkeiten, die Fassung zu wahren, eine schiebt das Pappschild „Nebenklage“ auf dem Tisch hin und her, versteckt ihre Hände unter dem Tisch, muss bei der Schilderung des Unfallhergangs – durch mehrere Zeugenvernehmungen ins Gedächtnis gebracht – immer wieder seufzen.

Die Zeugen, die meisten aus Barßel, werden nun noch mal nach Emden reisen müssen. Sie hatten unterschiedlich konkrete Erinnerungen an die Unfallnacht. Ihre Lücken führten dazu, dass Richter Olthoff einen Unfallanalytiker zu den an den Booten vorgefundenen Schäden hören will. Fest steht nur, dass die durch den Aufprall bewirkten Schäden am Boot den Unfallopfern schwerste Schnittverletzungen zugefügt hatten, Verletzungen, „die mit dem Leben nicht vereinbar sind“, wie es eine Polizistin formulierte, die als Zeugin aussagen musste. Ihre Schilderungen bringen in Erinnerung, dass in der Nacht zum 27. August eine albtraumartige Situation für Helfer, Verletzte und Angehörige am Barßeler Tief herrschte.

Lesen Sie auch: Sportboote prallen aufeinander - zwei Tote, Artikel vom 28. August 2016
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Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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