Emden - Der langjährige Stadtjugendpfleger, Jugendförderer, Fachdienst- und Fachbereichsleiter für Jugend, Schule, Sport, Initiator, Organisator, Anschieber, Antreiber und Motivator - kurz gesagt: Emdens oberster Sozialarbeiter geht in den Ruhestand. Am Freitagmittag ist Thomas „Tom“ Sprengelmeyer verabschiedet worden, nach 34 Jahren im Dienst. Und wohl kaum ein Ort wäre treffender gewesen als das Jugendzentrum „Alte Post“. Denn Sprengelmeyer gilt als einer der Väter der Einrichtung. Und will man die Symbolik noch auf die Spitze treiben, muss erwähnt werden, dass die „Alte Post“ kurz vor ihrer Erneuerung steht und die Verabschiedung Sprengelmeyers praktisch die allerletzte Veranstaltung innerhalb dieser rustikalen Mauern war.
Botschaft aus Russland
Und alle waren sie gekommen: über 200 Gäste - alte Weggefährten aus Verwaltung und Politik, die Kollegen der letzten Jahrzehnte sowie Vertreter verschiedener Institutionen von Polizei, über die Hochschule bis zur Ostfriesischen Landschaft. Selbst aus der russischen Partnerstadt Archangelsk und dem französischen St. Désir kamen Grußbotschaften per Video. Alle waren voll des Lobes, wie es sich natürlich bei einer solchen Verabschiedung auch gehört. Emotionalität ist dagegen keine Pflicht, sondern in diesem Fall offensichtlich volle Überzeugung. Die wohl größte Leistung des heute 64-jährigen Spengelmeyer war am Freitag daher, nicht doch noch in Tränen auszubrechen.
Viel Verantwortung
„Alle sind da!“, sagte Oberbürgermeister Tim Kruithoff, was auch eine Möglichkeit sei, die Stadtverwaltung lahmzulegen. Aber es war ja nun schon Freitagmittag und so konnte sich das Stadtoberhaupt ganz auf die Errungenschaften und Leistungen des angehenden Ruheständlers konzentrieren. Dazu zählt eine ganze Menge. Sprengelmeyer habe in seinen vielfältigen Funktionen und Aufgabengebieten „Stadtgeschichte geschrieben“ und wesentlichen Anteil daran, was für Kinder- und Jugendliche in Emden getan worden ist und getan wird. Das reicht von der Einführung des Ferienpasses vor vielen Jahren, über den Aufbau der Stadtjugendpflege und die Erinnerungsarbeit im französischen Saint Désir, bis hin zur Einrichtung des Kulturbunkers in Barenburg sowie die Schulstrukturreform, die Sprengelmeyer 2011 einer hoch erregten Elternschaft in der vollen Nordseehalle näherbringen durfte. Einer der wohl wichtigsten Aufgaben aber war wohl das „Kindeswohl“, ein Bereich, der nicht nur viel Verantwortung mit sich bringt, sondern auch schmerzliche Aufgaben beinhaltet.
Stück Stadtgeschichte
Die Redner, darunter der Ratsvorsitzende Gregor Strelow, der Präsident der Ostfriesischen Landschaft, Rico Mecklenburg, sowie Alt-Oberbürgermeister Alwin Brinkmann und der Kulturschaffende Edzard Wagenaar, sie alle hatten aus ihrem Bereich Beispiele mitgebracht, um das vielfältige Wirken Sprengelmeyers in der Sozial- aber auch in der Kulturarbeit zu belegen. Auch hier: ehrliche Emotionen. So sagte Brinkmann: „Du bist ein wesentlicher Teil der Stadtgeschichte.“ Sprengelmeyer selbst, der seine vorgefertigte Abschiedsrede schließlich ungelesen ließ und auf den Boden warf, weil er sie womöglich nicht ohne Tränen über die Bühne gebracht hätte, will sich weiter engagieren, vor allem in der „Erinnerungsarbeit“. Doch auch die neue, teure Gitarre, die ihm fast 200 Kollegen zum Abschied schenkten, wird wohl jetzt häufiger zum Einsatz kommen.
