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Prozess um mutmaßliche Vergewaltigung 29-jähriger Emder verstrickt sich in Widersprüche

Martina Ricken
In Aurich steht ein 29-jähriger Emder vor Gericht, weil er seine minderjährige Freundin mehrmals vergewaltigt und ihr Drogen gegeben haben soll.

In Aurich steht ein 29-jähriger Emder vor Gericht, weil er seine minderjährige Freundin mehrmals vergewaltigt und ihr Drogen gegeben haben soll.

Torsten von Reeken

Aurich/Emden - Der 29-jährige Emder, der vor dem Landgericht Aurich wegen mehrfacher Vergewaltigung seiner schlafenden minderjährigen Freundin sowie wegen Drogenhandels angeklagt ist, sollte in eine Entziehungsanstalt geschickt werden. Diese Auffassung vertrat der psychiatrische Sachverständige Egbert Held.

Gegenüber dem Gutachter hatte der Angeklagte angegeben, seit seinem 14. Lebensjahr Cannabis geraucht zu haben. Im Alter von 17 Jahren seien Amphetamin und in erheblichem Maße auch Alkohol hinzugekommen. Seit seiner Volljährigkeit ist Kokain die von ihm bevorzugte Droge. Er habe täglich bis zu zehn Gramm konsumiert, gab der Emder gegenüber dem Sachverständigen an. „Diese Mengenangabe erschien mir etwas überdimensioniert“, merkte Experte Held kritisch an. „Das war nur einmal so viel“, ruderte daraufhin der Angeklagte zurück.

Verminderte Schuldfähigkeit?

Von einer verminderten Schuldfähigkeit ging der Sachverständige nur bei der ersten Vergewaltigung aus. Der Angeklagte und seine zur Tatzeit im Oktober 2021 15-jährige Ex-Freundin hatten übereinstimmend angegeben, dass man an diesem Abend ausgiebig gefeiert und viel Alkohol getrunken habe. Aufgrund der Alkoholisierung könne der Angeklagte bei dieser Tat in seiner Steuerungsfähigkeit erhebliche eingeschränkt gewesen sein, meinte der Psychiater.

Widersprüchliche Angaben

Zwischendurch wurde es etwas absurd, als der Sachverständige den Angeklagten noch einmal zur Menge des Drogenkonsums zu den angeklagten Tatzeiträumen befragte. „Zu den Tatzeiten mindestens ein halbes Gramm abends“, antwortete der Emder. Das rief den Staatsanwalt auf den Plan. „Wie können Sie sich daran erinnern, wie viel Sie bei den konkreten Vorfällen konsumiert hatten? Sie haben doch behauptet, die Vorfälle hätte es nicht gegeben“, machte er den 29-Jährigen auf seine widersprüchlichen Angaben hin.

Verteidiger sorgt für Verwirrung

Auch der Verteidiger sorgte für Verwirrung, weil er dem Gutachter angesichts der bestreitenden Einlassung des Angeklagten eingehend zur Wechselwirkung von Alkohol und Kokain sowie zu dem Thema, ob Kokain-Konsum nicht zu einem Mangel an Empathie führe, befragte. Wohin die Fragen führen sollten, erschloss sich den Prozessbeteiligten nicht unbedingt.

Vor dem Landgericht Aurich gerieten beim zweiten Prozesstag gegen einen 29-jährigen Emder Richter und Verteidiger in ein Streitgespräch.

VERGEWALTIGUNGSPROZESS GEGEN EMDER Disput zwischen Richter und Verteidiger prägt zweiten Prozesstag

Martina Ricken
Aurich

Entzug empfohlen

Am Ende war aber klar, dass der Sachverständige die Unterbringung des Angeklagten in einer Entziehungsanstalt empfahl. Es bestünde nach seiner Ansicht zumindest ein Zusammenhang zwischen dem Drogenkonsum und dem Drogenhandel. Der Emder hatte angegeben, durch den Verkauf von Drogen seinen eigenen Konsum zu finanzieren.

Nach Ansicht des Sachverständigen sollte die Therapiedauer zwei Jahre betragen. Die Prognose sei insgesamt positiv, weil der Angeklagte durch die Untersuchungshaft und die damit verbundene Abstinenz seine kognitiven und Kritik-Fähigkeiten verbessert habe.

Unterdessen wurde ein Fall der insgesamt vier angeklagten Vergewaltigungen eingestellt. Die Nebenklägerin konnte nicht mehr genau sagen, ob sich der Angeklagte drei- oder viermal an ihr verging, während sie schlief.

Der Prozess wird fortgesetzt.

Zum Auftakt des Prozesses vor dem Landgericht Aurich, bei dem einem 29-jährigen Emder Vergewaltigung und Drogenhandel zur Last gelegt wird, kamen der Angeklagte und das mutmaßliche Opfer zu Wort.

PROZESS AM LANDGERICHT AURICH Emder soll gedealt und seine minderjährige Freundin vergewaltigt haben

Martina Ricken
Aurich
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