Emden - Die Emder Werft und Dock GmbH (EWD) und ihr Hauptgesellschafter, die Benli-Group aus Bremerhaven, haben in Kiel einen zweiten Werft-Standort für die Emder Reparaturwerft erworben. Damit will die EWD ihre Aktivitäten ausbauen und ihren Kunden auch an der Ostsee ein umfassendes Service-Angebot machen. Am vergangenen Freitag sind die Verträge für die Übernahme der ehemaligen Lindenau-Werft GmbH in Kiel-Holtenau, in unmittelbarer Nähe zum Nord-Ostsee-Kanal, unterschrieben worden. Die Werft soll künftig ebenfalls den Namen EWD tragen – möglicherweise in Kombination mit dem Traditionsnamen Lindenau. Das sagte der Emder EWD-Geschäftsführer Björn Sommer am Montag gegenüber unserer Redaktion.
Alles einsatzbereit
Die Lindenau-Werft war 2008 insolvent gegangen. Kurios: Die Werft scheiterte damals angeblich ausgerechnet am Bau der „E-Ship 1“ des Auricher Windanlagenbauers Enercon. Das mit alternativen Flettner-Rotoren angetriebene Schiff wurde daraufhin zur Cassens-Werft nach Emden gebracht, wo die weitere Ausrüstung erfolgte.
Der Kauf der Lindenau-Werft durch die Benli-Group ist nach Angaben von Sommer eher ein Zufallsfund. Auf der Suche nach einem weiteren Schwimmdock für die Emder Reparaturwerft war man bereits im Frühjahr auf ein Angebot aus Kiel gestoßen. Dort stand tatsächlich ein 167 langes und 28 Meter breites Schwimmdock zum Verkauf. Das entsprach von der Größe zwar nicht ganz den Vorstellungen der EWD, die ursprünglich ein größeres Dock für den Emder Standort gesucht hatte. Bei der Besichtigung in Kiel befand man dann aber nicht nur das Dock, sondern auch den gesamten Werft-Standort als sehr attraktiv. Die Infrastruktur ist vollständig intakt und wurde zuletzt von der Novis-Group für den Bau einer großen Yacht genutzt. Eigene Mitarbeiter hat die Lindenau-Werft nach Angaben von Sommer aber nicht mehr. Über die Investitionen von EWD und Benli in Kiel wurde Stillschweigen vereinbart.
Suche geht weiter
Die Emder Werft und Dock GmbH will den neuen Standort künftig mit Personal aus Emden, aber auch mit Beschäftigten der Benli-Group betreiben. Federführend werden die Emder sein. „Unseren Kunden, die in der Ostsee unterwegs sind, können wir nun auch dort ein attraktives Angebot machen“, sagte EWD-Chef Sommer. Das Areal in Kiel sei etwa 50 000 Quadratmeter groß und damit nur etwa ein Zehntel so groß wie das der EWD in Emden. „Die EWD wird vom zweiten Standort profitieren“, versprach Sommer. Stammkunden der Werft könnten noch enger gebunden, neue Kunden hinzugewonnen werden. In Emden sind derzeit rund 150 Mitarbeiter im Einsatz.
Die Suche nach einem größeren Schwimmdock für den Emder Standort ist übrigens nicht abgeschlossen. „Wir suchen weiter“, sagte Sommer. Das gerade erworbene Dock ist nämlich ähnlich groß wie das vorhandene Dock 3 und soll nun auch in Kiel bleiben. Ein bisschen größer sollte das nächste Dock für Emden dann doch sein. Es muss nur durch die Große Seeschleuse passen.
