Emden - Wenn man in der Vergangenheit forscht, fallen einem wieder Erlebnisse von früher ein. Als Schulkinder fuhren wir immer in den Ferien Richtung Larrelt zum Bohnen- und Erbsenpflücken auf die Felder der Konservenfabrik BOB. Im Wybelsumer Polder war in den 1950er Jahren die Fabrik von „Berthold Otterstädt Bremen“ entstanden, die in den 1980er Jahren liquidiert wurde. Wir wurden mit Bussen an gewissen Treffpunkten abgeholt. Der Tag begann um sechs Uhr. Wir bekamen für einen Zentner gepflückte Bohnen 1,50 Mark, für einen Zentner Erbsen drei Mark. Mit diesem Geld war das Schützenfest gerettet. Abends durften wir einen Eimer Bohnen oder Erbsen mit nach Hause nehmen. Wir hatten viel Spaß. Die älteren Frauen hatten für uns Jungens immer lustige Gespräche auf Lager, die nicht immer ganz stubenrein waren.
Per Rad nach Norden
Jedes Jahr Pfingsten war in Norden mit den Motorrädern Sandbahnrennen. Wir fuhren mit dem Fahrrad ohne Schaltung mit und ohne Wind dorthin. Busverbindungen waren ein Problem. So fuhren wir immer und überall hin mit dem Fahrrad. Ein anderes Ziel war Greetsiel. Ein paar Freunde und ich passten gutes Wetter ab und die Flut musste kommen, denn damals kamen die Krabbenkutter immer mit der Flut in den Hafen von Greetsiel. Dann fuhren wir mit dem Fahrrad dorthin. Wir durften uns immer am Beifang bedienen. Mutter freute sich darüber, denn es war oft etwas Gutes dabei. Die Reste wurden zu Fischmehl verarbeitet. Heute gibt es in Greetsiel ein Stauwerk, so dass der Hafen unabhängig ist von den Gezeiten.
Grundsteinlegung
1957 wurde die Grundsteinlegung für die Frisia-Raffinerie von Herrn Gottlieb Duttweiler gelegt. Es war eine kleine Sensation für Emden. Bei der Grundsteinlegung war halb Emden unterwegs. Am Tag der Grundsteinlegung waren Imbiss und Getränke frei. Das war ein lustiger Tag in Emden. Die Rohölanlieferung kam mit großen Öltankern, die vor Borkum ankerten, da die Emsfahrrinne nicht tief genug war. Die Firma Duttweiler charterte Schiffe von der Liberty-Flotte, die einen geringen Tiefgang hatten. Diese Schiffe wurden zum Leichtern der großen Öltanker genommen. Die Rheinstahl-Nordseewerke schnitten diese Schiffe auseinander und setzten Segmente in der Mitte ein, so wurde das Schiff vergrößert. Das waren gute Aufträge für die Werft.
Konrad Schlick ist Jahrgang 1942 und wurde in Gera in Thüringen geboren.
Er hat eine Ausbildung zum Industriemeister mit der Fachrichtung Chemie absolviert und war bei Shell in Köln-Godorf angestellt. Heute wohnt er in Köln.
Ganz flach gebaut
Die Liberty-Flotte wurde von den Amerikanern während des Zweiten Weltkriegs produziert. Die Schiffe wurden ganz flach gebaut. So konnten diese Schiffe, die als Handelsschiffe fuhren, nicht von den deutschen U-Booten versenkt werden. 1960 ging die Frisia-Raffinerie in Betrieb. Als ich 1961 schon in der Mess-Regeltechnik gearbeitet habe, durfte ich in der Messwarte die fehlenden Fließschemen fertig stellen. Da bin ich stolz drauf. Die Frisia-Raffinerie war eine kleine übersichtliche Raffinerie. Der Rohöl- und Benzinmarkt war groß.
1984 war Schluss
Die Erdölwerke Frisia AG war eine Raffinerie mit zugehörigem Tanklager, die den Betrieb 1984 einstellte. Nach meinem Abschluss als Kupferschmied und Rohrschlosser ging ich auf Montage. Mehrere Kollegen, die mit mir ausgelernt hatten, machten eine kurze Umschulung als Mess- und Regelmechaniker. Ein damals neuer und schöner Beruf. In dem Seitenarm vom Delft, zwischen der Hermann-Neemann-Straße und der Arthur-Engler-Straße lagen gelegentlich die kleineren Ölschiffe. Jetzt ist dort eine besondere Wohnlage.
