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Serie „Damals in Emden“ Erster Atlantik-Überflug 1928: Ganz Emden fieberte mit der „Bremen“ mit

Marten Klose
Die „Bremen“ nach ihrer Rückkehr nach Deutschland.

Die „Bremen“ nach ihrer Rückkehr nach Deutschland.

dpa

Emden - Franz Gerhard, Chef der Rhein-Ems-Zeitung, ruft seine Redakteure eilig zu einer Steh-Konferenz im Verlagshaus in der Großen Brückstraße zusammen. Was ist geschehen? „Alle mal herhören. Die „Bremen“ hat es geschafft!“

Wenn Sie jetzt nur Bahnhof verstehen – völlig normal. Denn was vor 95 Jahren Emden und die Welt elektrisierte, ist heute allenfalls noch Luftfahrt-Enthusiasten bekannt. Ein Jahr nach dem ersten und auch heute noch berühmten Nonstop-Atlantik-Überflug von Charles Lindbergh, schicken sich zwei Deutsche an, dieses waghalsige Abenteuer ebenfalls zu probieren. Jedoch umgekehrt, von Ost nach West, also von Europa über den großen Teich bis nach Amerika.

Tollkühne Kerle: Hermann Köhl, James Fitzmaurice und Freiherr von Hünefeld. Bild: Staatsarchiv Bremen

Tollkühne Kerle: Hermann Köhl, James Fitzmaurice und Freiherr von Hünefeld. Bild: Staatsarchiv Bremen

Ein Höllenritt

Es waren Pilot Hermann Köhl, Ehrenfried Günther Freiherr von Hünefeld und James Fitzmaurice, der in letzter Minute noch mit an Bord ging. Am 12. April 1928 ging es los. Das Flugzeug vom Typ Junkers W 33 rumpelte schwerfällig mit mehreren Zusatztanks über das Flugfeld Baldonnel bei Dublin und hob gen Nordamerika ab. Es wurde ein Höllenritt mit tüchtig Schlechtwetter, einem durchgeschüttelten Flugzeug, zeitweise nur 70 Meter über dem tosenden Ozean und Navigation mit Kompass und Karte. Keine Frage, diese Männer hätten dem legendären Indiana Jones ohne Weiteres den Schneid abgekauft. Dass der Flug auf Greenly Island zwischen Labrador und Neufundland natürlich mit einer gefährlichen Notlandung zu Ende ging, versteht sich von selbst.

Extraausgabe muss her

Zwischen Rathaus und Wasserturm und Hafentor und Centralhotel ist der tollkühne Flug seinerzeit Gesprächsthema Nummer 1. Vollblut-Verleger Franz Gerhard weiß natürlich sofort, was zu tun ist. Eine Extraausgabe muss her, um die Emder so schnell wie möglich zu informieren. Und so erscheint am 14. April 1928 auf einer Seite das Extrablatt zur Rhein-Ems-Zeitung. Nachrichtenstoff, eingekauft von Wolffs Telegraphischem Bureau. Aus heutiger Sicht eine ziemliche Bleiwüste. Extrem viel Text, kein einziges Bild. Heute würden Leser genervt das Blatt auf den Küchentisch knallen.

Emder Zeitungsgeschichte: Das Extrablatt über den Atlantik-Überflug. Foto: privat

Emder Zeitungsgeschichte: Das Extrablatt über den Atlantik-Überflug. Foto: privat

Ein Fundstück

Faszinierend ist das Extrablatt aber bis heute. Entdeckt hat es die Borkumerin Anja Kaesemeier zwischen den Seiten einer uralten Bibel, die wohl aus dem Fundus der Emder Hotelier-Familie Janssen stammt. Dass sie uns den Zufallsfund pünktlich 95 Jahre später schickt – einfach genial.

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