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Brennender Frachter auf Nordsee Reederverband sieht keine erhöhte Gefahr durch E-Autos

Erst drei Wochen her: Auf dem kombinierten Container-/Autofrachter „Grande Costa d’Avorio“ im Hafen von Newark (USA) ist ein Feuer ausgebrochen. Zwei Feuerwehrleute kommen ums Leben, fünf werden verletzt, mehrere Fahrzeuge brennen.

Erst drei Wochen her: Auf dem kombinierten Container-/Autofrachter „Grande Costa d’Avorio“ im Hafen von Newark (USA) ist ein Feuer ausgebrochen. Zwei Feuerwehrleute kommen ums Leben, fünf werden verletzt, mehrere Fahrzeuge brennen.

dpa

Emden - Im Februar 2022 brannte der Frachter „Felicity Ace“ vor den Azoren mit 4000 Neuwagen an Bord aus und sank beim Schleppversuch. Das Wrack liegt jetzt 3000 Meter tief im Atlantik. Vor drei Wochen wurde ein Feuer an Bord eines kombinierten Container-/Autofrachters in Newark bei New York gemeldet. In der vergangenen Woche geriet der Autotransporter „Fremantle Highway“ vor der niederländischen Küste in Brand. Fachleute sehen dadurch das Weltnaturerbe Wattenmeer bedroht. Der Verband Deutscher Reeder (VDR) ist ein maritimer Zusammenschluss, der solche Ereignisse mit Argusaugen betrachtet. Diese Redaktion hat dort nachgefragt. Was ist zu tun, um solche Unglücke zu vermeiden? Ein Sprecher des VDR gab Antworten.

Wie gravierend ist dieser Schiffsbrand aus VDR-Sicht ?

Das Feuer auf der „Fremantle Highway“ vor Ameland und Terschelling ist der zweite schwere Vorfall dieser Art innerhalb von anderthalb Jahren. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Gesamtverband Deutsche Versicherungswirtschaft beklagt, dass es immer wieder zu teils verheerenden Bränden auf Autotransportern komme. „Unfälle solcher Art sind immer gravierende Ereignisse, welche auch wir als Verband ganz genau beobachten“, erklärt der VDR. Mögliche Parallelen zwischen den beiden Fällen zu beurteilen, falle allerdings „mit dem bisherigen Wissen ... noch schwer“. Dafür müssten zunächst die Ergebnisse der offiziellen Unfalluntersuchung vorliegen.

Hier verbrennen gerade über 3000 Autos: die „Fremantle Highway“ vor wenigen Tagen vor der niederländischen Küste. dpa

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Jens Voitel
Emden

War man in puncto Transportsicherheit zu blauäugig ?

Das ist nach Meinung des VDR nicht der Fall. Der Reederverband sieht es so: „Bisherige Studien zeigen, dass von Elektroautos keine höhere Gefahr ausgeht und diese auch nicht häufiger in Brand geraten als konventionelle Fahrzeuge.“ Damit nimmt der VDR – zumindest noch – eine andere Position ein als der Versicherer Allianz in seiner „Schifffahrtsstudie 2023“.

Welche Möglichkeiten bei der Brandbekämpfung gibt es ?

Geraten ein oder mehrere Elektrofahrzeuge an Bord in Brand, wäre die Vorgehensweise bei der Bekämpfung des Feuers gleich dem bei konventionellen Fahrzeugen, erklärte der VDR-Sprecher. Konkret heißt das: Brennt es, werden die auf dem Schiff fest installierten Löschsysteme ausgelöst. In der Regel handelt es sich dabei um Schaumlöschmittel oder Kohlendioxid. Der Sauerstoff in der Umgebung des Brandherdes wird verdrängt, die Flammen können sich nicht weiter ausbreiten und werden erstickt. Brennt eine Batterie eines Elektroautos, kann sie zwar auf diese Weise nicht gelöscht werden, aber die Gefahr eines Übergreifens auf die Umgebung wird minimiert – vorausgesetzt, die Maßnahmen wurden rechtzeitig eingeleitet, betont der VDR.

Erst anderthalb Jahre her: Die „Felicity Ace“ brennt mit 4000 Neuwagen an Bord. Schiff und Fracht sinken wenig später 3000 Meter tief auf den Grund des Atlantischen Ozeans. Bild: dpa

Erst anderthalb Jahre her: Die „Felicity Ace“ brennt mit 4000 Neuwagen an Bord. Schiff und Fracht sinken wenig später 3000 Meter tief auf den Grund des Atlantischen Ozeans. Bild: dpa

Was tut sich in Sachen Brandschutz an Bord der Schiffe ?

Alle international operierenden Fähr- und Frachtschiffe, also auch Autotransporter, müssen die Bau- und Brandschutzvorschriften nach dem internationalen Übereinkommen zum Schutz menschlichen Lebens auf See (SOLAS) erfüllen. Die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO) hat speziell die Vorschriften für Fähren unlängst erweitert.

Zusätzlich zu Brandmeldeanlagen müssen nun auch Wärmemelder und eine Videoüberwachung auf Fahrzeugdecks verbaut werden. Außerdem wurde der Einbau von Wassermonitoren (Wasserwerfer) beschlossen. Extra Auflagen für den E-Auto-Transport gibt es nicht – weil bislang nicht nachgewiesen worden sei, dass von ihnen eine erhöhte Gefahr ausgeht, schreibt der VDR. Allerdings prüfe die IMO aktuell aufgrund der jüngeren Schiffsbrände, ob Transportregeln für Fahrzeuge im Allgemeinen angepasst werden müssen.

Könnte man Akkus und Fahrzeuge getrennt transportieren ?

Diese Frage wäre an den Verband der Automobilindustrie zu stellen, heißt es dazu vom Reederverband. Zudem bezweifelt dieser die Praktikabilität einer solchen Maßnahme auf Auto- und Passagierfähren.

Welche Konsequenzen sind aus bisherigen Unglücken zu ziehen ?

Ausgehend davon, dass einige Schiffsunglücke mutmaßlich von Elektroautos ausgelöst wurden, äußert sich der VDR eher zurückhaltend. Notwendig sei, erst einmal entsprechende Untersuchungsberichte auszuwerten. Der Sprecher: „Was die Brandursache angeht, handelt es sich unserer Kenntnis nach bisher nur um Spekulationen auf deren Grundlage keine Maßnahmen diskutiert werden sollten. Es wird aber sicher auch notwendig sein, zu prüfen, ob die aktuellen Vorfälle auf Regelungslücken zurückzuführen sind oder gegebenenfalls bestehende Vorschriften nicht beachtet wurden.“

Der Autofrachter „Fremantle Highway“ liegt vor Anker in der Nordsee – zurzeit an einem temporären Standort, 16 Kilometer oberhalb von Schiermonnikoog und Ameland.

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