Emden - Überzähliges Obst und Gemüse vom Markt, was sonst in den Müll käme – selbst gekochte Marmeladen, gegen die man nicht mehr an essen kann – Konserven, die noch halten, auf deren Inhalt man aber doch keine Lust mehr hat – das alles sind Kandidaten für die Emder Foodsharer. Seit anderthalb Jahren gibt es die Gruppe, die gerettetes Essen über eine Verteilstation hinter dem „KummRin“ in Barenburg mit anderen kostenlos teilt. Und das hat sich so gut entwickelt, dass jetzt nicht nur eine stabilere Hütte her musste, sondern dringend weitere ehrenamtliche Helfer gesucht werden, die sich vom bloßen Essen-Teiler per Online-Schulung zum Essen-Retter (Foodsafer) weiterentwickeln wollen.
„Denn die Problematik ist nicht, Betriebe zu finden, die überzählige Lebensmittel angeben, sondern offene und nette Menschen, die diese abholen“, erklärte Antje Osterloh, sogenannte Foodsharing-Botschafterin im Bezirk Emden. Um abholen zu dürfen, muss man aber eben einiges über Hygiene, Kommunikation und Transparenz wissen. Deshalb sind eine Registrierung, ein unkompliziertes Selbststudium mit Abschluss-Quiz und drei „geführte Abholungen“ als Praxisübung nötig.
Foodsharing ist eine Initiative gegen Verschwendung von Essen. Die Idee: Lebensmittel retten, die sonst im Müll landen würden, indem man sie mit anderen teilt. Dazu wurde 2012 der Verein foodsharing e.V. samt Online-Plattform gegründet.
Daraus entstand ein Netzwerk mit Gruppen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Registrierte und geschulte Foodsaver (Essen-Retter) holen Lebensmittel bei Partner-Läden und -Märkten ab und bringen sie zu Gratis-Selbstbedienungsstationen („Fairteiler“).
Im Bezirk Emden ist zusätzlich zur Station hinter dem „KummRin“ (Hermann-Allmers-Straße 3b; samstags 14 bis 18 Uhr) noch ein interner „fooddealer“ im Lüttje Studi-Huus der Hochschule gelistet. Dort können Studierende deponieren, was sie nicht mehr rechtzeitig verbrauchen würden.
Kontakt, Fragen und Infos: auf www.foodsharing.de, per E-Mail an emden@foodsharing.network und bei Instagram. Informiert wird auch mit Flyern und Ständen wie zuletzt beim Sommerfest vom Verein „Das Boot“ und beim Manslagter Rockfestival „Let The Bad Times Roll“.
Von den mittlerweile 18 registrierten Foodsharern haben etliche diese „Lizenz zum Abholen“ schon erlangt. Aber nicht alle können ständig aktiv sind. „Wir haben zum Beispiel viele Studenten, die in den Klausurphasen naturgemäß ausfallen“, sagte Osterloh. Und bei den anderen Teilnehmern gebe es ja auch mal Stress- oder Urlaubszeiten. Umso froher ist sie, dass sie nicht mehr die einzige Botschafterin (sprich: Ansprechpartnerin und Fädenzusammenhalterin) der Gruppe ist. Eine Mitstreiterin gibt es bereits. Ein weiterer Teilnehmer absolviert gerade die dazugehörige Extra-Schulung.
Denn, wie gesagt: Das Essen-Teilen hat sich prächtig entwickelt. Speziell am Monatsende brummt es – wenn die Leute nicht mehr so viel Geld übrig haben. „Dann gibt es auch in den Betrieben mehr zum Abholen“, sagte Osterloh. Wobei keine Konkurrenz zur Emder Tafel entstehen soll. „Beim Foodsharing geht es in erster Linie um den Umweltaspekt, wir sehen uns daher als Ergänzung.“ So geschieht vieles in direkter Abstimmung mit der Tafel. „Wir besuchen den Wochenmarkt zum Beispiel nur samstags, die Tafel dienstags.“ Und es wird mit Supermärkten zusammengearbeitet, wo eher Kleinstmengen anfallen.
Umzugskartons mit Eis
„Wir springen auch ein, wenn die Tafel mal nicht kann oder wenn eine spontane Großrettung nötig ist“, ergänzte Osterloh. „Wir hatten mal einen Betrieb, der seinen Eis-Lieferanten gewechselt hatte und seinen Alt-Bestand nicht mehr verkaufen durfte.“ Die Emder Foodsafer eilten zur Rettung. „Das waren bestimmt sieben Umzugskartons voll“, erzählte Osterloh. Per Internet und Social Media wurde eine Sonderöffnung der Geben- und Nehmen-Hütte organisiert, so dass am Ende tatsächlich nichts umkam.
Dagegen war das Holz der Original-Hütte – zur Verfügung gestellt vom Verein für seelische Gesundheit, „Das Boot“ – irgendwann durch gewesen. „Die war ja auch alt und schon für viele Zwecke im Einsatz“, sagte Sabine Semken, Leiterin der Abteilung Tagesstruktur, Arbeit und Beschäftigung. Mit Unterstützung der Gemeinwesenarbeiterin in Barenburg, Heidemarie Heyer, wurde daher ein Zuschuss von 900 Euro aus dem Stadtteilfonds für die Anschaffung einer neuen Hütte (Wert: 1359 Euro) beantragt. Den Rest übernahm dann „Das Boot“, dessen Hausmeister-Team auch den Aufbau besorgt hat.
