Emden - Noch vor wenigen Wochen hat sich auf der Großbaustelle im Freibad Borssum wenig getan. Jetzt allerdings wird geklotzt und nicht gekleckert, hat es den Anschein. „Es wird intensiv gearbeitet“, bestätigt Wilfried Behrensdorf. Und er muss es wissen, schließlich ist das Mitglied des zum Bad gehörigen Fördervereins mindestens dreimal in der Woche auf der Baustelle und packt ehrenamtlich mit an. Natürlich hätte er sich gewünscht, bereits längst im Freibad – es ist inzwischen seit sechs Jahren geschlossen – wieder schwimmen zu können. Doch Schwierigkeiten mit den Baufirmen, Materialengpässe und ungeahnte Überraschungen wie marode Leitungen oder völlig unbrauchbare Decken, haben den Zeitplan ein Jahr nach hinten verschoben.
Badestart im Mai 2024
Und nicht nur der Zeit-, auch der vor einem Jahr noch angenommene Kostenplan musste Anfang des Jahres noch einmal revidiert werden – es wurden nochmal 400.000 Euro nachgeschoben, womit das Projekt inzwischen bei einer Gesamtsumme von vier Millionen Euro liegt, 1,44 Millionen Euro davon werden vom Bund gefördert. Und bei dieser Summe soll es nun auch bleiben: „Wir sind noch im Kostenrahmen“, sagte Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) und hat auch die Zielgerade fest im Blick: „Das Ziel ist, zum Saisonstart loslegen zu können“, sagte er und rechnet damit, dass Mitte bis Ende Mai 2024 endlich der Badebetrieb aufgenommen werden kann.
Seit 2017 ist das aus den 1970er-Jahren stammende Freibad Borssum wegen des schlechten baulichen Zustands geschlossen
2018 sollte eigentlich im Februar die Sanierung starten, doch es gab Aussicht auf eine 45-prozentige Bundesförderung. Der Rat sprach sich deshalb für eine zwei Millionen Euro teure große Lösung aus.
2019 gab der Bund seine Förderung des Projekts mit 938.000 Euro bekannt.
Ein Jahr später war klar, dass dieses Geld nicht reichen würde. Der Rat wollte nur bei einer weiteren Förderung mit dem Projekt fortfahren.
Im März 2021 erhöhte der Bund seine Förderung um rund eine halbe Million, womit die Fördersumme auf 1,44 Millionen Euro stieg.
Anfang 2022 starteten die ersten Bauarbeiten, doch es gab immer neue Überraschungen, die das Projekt ins Stocken geraten ließen.
Der für Mai 2023 geplante Eröffnungstermin konnte nicht gehalten werden, die Kosten stiegen auf insgesamt vier Millionen.
Zwischenzeitlich waren kaum Veränderungen auf der Baustelle zu erkennen.
Seit etwa fünf Wochen wird nun aber intensiv im Freibad gearbeitet, und gerade die regionalen Firmen sind laut Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) darauf bedacht, das es auf der Baustelle vorangehe.
Noch in diesem Jahr soll der Probebetrieb starten.
Die Eröffnung ist zum Saisonstart 2024, Mitte bis Ende Mai geplant.
Wie dieser Betrieb personell gestemmt werden kann, dazu wollte sich Kruithoff aktuell nicht äußern. Ob eine mögliche Schließung der Friesentherme noch einmal Thema wird, ließ der OB offen. „Am Ende ist es ein personelles Thema, aber bevor ich eine mögliche Schließung der Friesentherme noch einmal anspreche, werde ich vorher mit allen Anspruchsberechtigten das Gespräch suchen“, versicherte Kruithoff. Vor einem Jahr hatte seine Ankündigung, im Sommer das Hallenbad mehrere Wochen schließen zu wollen, um den Personalmangel zu kompensieren, für einen lauten Aufschrei bei Eltern, Vereinsvertretern und Politikern gesorgt.
Verkleinert und saniert: Das Lernschwimmbecken ist so gut wie fertig, was noch fehlt, ist die Sanierung der alten Rutsche.
Elisabeth Ahrends
In wenigen Wochen soll endlich die Folie im Schwimmerbecken des sanierten Freibads Borssum angebracht werden. Darauf warten Wilfried Behrensdorf vom Förderverein des Bades und Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) schon sehr lange.
Elisabeth Ahrends
Endspurt vor den Umkleidekabinen und Toiletten: Die letzten Fliesen müssen noch geklebt werden.
Elisabeth Ahrends
Seit 2017 geschlossen, seit 2019 mit dem Förderbescheid vom Bund in der Planung und nun wohl auf der Zielgeraden: das vier Millionen Euro teure Großprojekt Freibadsanierung Borssum.
Tobias BrunsEndspurt auf der Baustelle
Auch wenn Kruithoff sich etwas scheute, den Begriff „Endspurt“ in den Mund zu nehmen, ist er doch optimistisch, noch Ende des Jahres Wasser in die Becken laufen zu lassen und den Probebetrieb durchführen zu können. In den nächsten Tagen startet nämlich mit der Ertüchtigung des alten Sprungturms eine der letzten Baumaßnahmen. Dieser bleibt erhalten, muss dafür aber nach den neuesten Sicherheitsstandards saniert werden. Außerdem wird die zweite, nur fürs Lehrschwimmbecken zuständige Filteranlage installiert. Und einige neue Fliesen müssen noch im Umkleidebereich geklebt werden und auch die Pflasterarbeiten stehen noch aus, sollen aber in den kommenden Tagen starten. Ganz zum Schluss ist dann noch die Rutsche dran, die einen neuen Anstrich bekommen soll. Und im November, so hofft Kruithoff, soll schließlich die Folie in den Becken angebracht werden, die anstelle von Fliesen verwendet wird – wenn das Wetter mitspielt und die Temperaturen nicht unter den Gefrierpunkt sinken.
„Jede Krise mitgenommen“
Es dürfte aber auf jeden Fall endlich einmal nach Plan laufen, schließlich „haben wir auf dieser Baustelle jede Krise und jedes Ungemach mitgenommen“, bilanzierte Kruithoff bei einer Baustellenbegehung. „Ich mache drei Kreuze, wenn endlich Wasser in den Becken ist“, so der Oberbürgermeister. Doch trotz all der Herausforderungen hält er den Freibadneubau weiterhin für die richtige Entscheidung – schließlich sei das Bad ungemein wichtig für das soziale Gefüge im Stadtteil Borssum.
