Emden - Was wird aus dem durch ein Feuer an Bord erheblich beschädigten Autofrachter „Fremantle Highway“? Diese Frage versuchen derzeit niederländische Experten gemeinsam mit der japanischen Reederei Shoei Kisen Kaisha Ltd. und Vertretern der Versicherungen zu klären. Noch liegt der 200 Meter lange, vor allem im oberen Bereich schwer angeschlagene Frachter im Hafen von Eemshaven und wird dort so gut es geht entladen. Rund 3000, teilweise völlig ausgebrannte Neuwagen müssen geborgen werden. Auch der für die Umwelt so gefährliche Treibstoff und das verseuchte Löschwasser sollen inzwischen zu einem großen Teil abgepumpt worden sein. Aber was kommt dann? Nach Medienberichten muss das Schiff Eemshaven spätestens im Oktober verlassen. Wird der Frachter dann repariert oder gar komplett verschrottet? Und wer macht’s?
In der Kritik
Ein Schiff verschrotten, zumal ein so großes wie die „Fremantle Highway“, macht man nicht mal eben so. Dafür müsste eine deutsche Werft schon mal allerlei Genehmigungen und Zertifikate vorweisen. Und das dauert. „Ich gehe mal grob von zwei bis zweieinhalb Jahre aus“, sagt Björn Sommer, Geschäftsführer der Emder Werft und Dock GmbH (EWD) in einem Gespräch mit dieser Redaktion. Und Sommer muss es wissen, arbeitet die EWD doch schon seit fast einem Jahr an einer entsprechenden Zertifizierung: Das Ziel der Emder Werft: Nicht nur Schiffe reparieren, sondern wenn nötig auch verschrotten. Bislang haben in unmittelbarer Nachbarschaft nur die Niederländer und die Dänen die Möglichkeit Schiffe professionell abzuwracken. Viele Schiffe gehen deshalb für die Verschrottung in die Türkei, zum Beispiel die ehemalige Fregatte „Emden“. Dagegen meiden europäische Reeder inzwischen asiatische Abwrack-Werften, die wegen unmenschlicher Arbeitsbedingungen weltweit in der Kritik stehen.
Marktlücke schließen
Die EDW will diese Marktlücke auf dem deutschen Markt möglichst bald schließen, hat für das aufwendige Genehmigungsverfahren eigens einen Experten abgestellt. Was aber braucht eine deutsche Werft für eine solche Genehmigung des Gewerbeaufsichtsamtes? „Geht es um eine Komplettverschrottung, braucht man für einen solchen Entsorgungsfachbetrieb zunächst einmal eine versiegelte Fläche, vor allem aber geschultes Personal“, sagt Sommer. Diese Fachkräfte müssen nicht nur die unterschiedlichen Schadstoffe an Bord eines Schiffes erkennen, sie müssen auch wissen, wie man damit umgeht. Dabei geht es nicht nur um Asbest, sondern auch um viele andere künstliche Mineralstoffe, die als Dämmmaterial verwendet werden. Die Werft muss ferner den weiteren Gang des Schrotts genau aufzeigen können, „bis hin zum Stahlwerk“, betont der EWD-Chef.
Raus aus dem Geschäft?
Die Emder Reparaturwerft macht sich aber berechtigte Hoffnung, die notwendigen Genehmigungen zu bekommen. „Wir arbeiten sehr konstruktiv mit den Behörden zusammen.“ Denn eigentlich ist die Werft schon immer mit den Rückbau von Schiffen vertraut. „Das kommt bei größeren Reparaturen oder Umbauten ständig vor“, sagt Sommer. Entsprechend werden auch hier die Vorschriften eingehalten. Nur das ist eben keine Komplettverschrottung, wie womöglich bei der „Fremantle Highway“. Ist die EWD deshalb raus aus dem Geschäft bei dem Autofrachter? „Es gibt ja auch noch die Möglichkeit von Sondergenehmigungen“, sagt der EWD-Geschäftsführer.
Wrack im Hafen
Vorrangiger erscheint Sommer allerdings im konkreten Fall die Entscheidung der Politik, sowohl auf der niederländischen als auch auf der deutschen Seite. Die Havarie der „Fremantle Highway“ geschah im niederländischen Hoheitsgewässer, die Niederländer werden womöglich deshalb bemüht sein, Folgeaufträge im Land zu halten. Auf deutscher Seite könnte eine Rolle spielen, ob die Politik gegenüber der Öffentlichkeit vertreten kann und will, dass ein so stark beschädigtes und somit noch immer gefährliches Schiff in einen deutschen Hafen gezogen wird. Das wäre mit enormen Kosten, aber eben auch mit Gefahren verbunden.
Nicht vergraulen
„Was ich bislang gelesen und gehört habe, kann die ’Fremantle Highway’ noch repariert werden“, sagt Björn Sommer. Das wäre dann auch für die EWD von Interesse. Das ginge aber nur, wenn die Arbeiten am Kai möglich sind. Das Dock der EWD ist für den Autofrachter etwas zu klein. Zudem will das Management die Stammkunden nicht vergraulen. „Ein Drittel unserer Kapazitäten halten wir für langfristige, ein Drittel für schnelle und ein Drittel für kurzfristige Aufträge bereit.“ Daran soll sich auch nichts ändern. Und eine Verschrottung der „Fremantle Highway“? Die EWD wird die Entwicklung beobachten.
