Ihlow - Autobahnparkplätze sind trostlose Orte. Besonders für Lkw-Fahrer, die dort Weihnachten verbringen müssen. Deshalb haben Ingo und Astrid Diedenhoven im vergangenen Jahr eine kleine Geschenkaktion für Fernfahrer gestartet. In diesem Jahr verteilt das Paar aus Riepe in der Gemeinde Ihlow zum zweiten Mal an Weihnachten Geschenktüten an Lkw-Fahrer auf Parkplätzen entlang der A 31.
Die beiden fahren dabei explizit nur Parkplätze an, weil diese im Vergleich zu den Raststätten noch schlechter ausgestattet sind. „Die haben entweder gar nichts, oder nur diese dreckigen Toiletten. Da wo die Fahrer dann ihr Trinkwasser hernehmen müssen, finde ich schon das Händewaschen eklig“, sagt Ingo Diedenhoven im Gespräch mit unserer Redaktion.
Über 100 Tüten
Im vergangenen Jahr konnten die beiden Ihlower 60 Geschenktüten an Lkw-Fahrer verschenken, in diesem Jahr haben sie sogar 108 Tüten vorbereitet. In den Tüten sind kleine Geschenke und Süßigkeiten: Lebkuchen, Schokolade, gebrannte Mandeln, Feuerzeuge, Schals oder verschiedenes mehr. Manche Tüten haben auch Besonderheiten wie elektronische Thermotassen oder Mikado-Spiele, sagt Diedenhoven.
Die Geschenke sind allesamt Spenden. Der 63-Jährige hat aus seinem aktiven Berufsleben bei der EVAG in Emden Kontakte zu zahlreichen Speditionen, die kleine Geschenke für die Lkw-Fahrer beigesteuert haben. Auch die Gewerkschaft Verdi und andere Unternehmen haben sich laut Diedenhoven beteiligt. „Die Tüten sind nicht alle gleich, wir haben nicht alles 100 Mal. Aber jeder bekommt etwas, worüber er sich freuen kann“, sagt der Riepster, der vor seiner Zeit im Hafen als Kapitän zur See gefahren ist.
Start am Emstunnel
Die Tüten hat das Paar in den vergangenen Tagen in ihrer Wohnung gepackt, an Heiligabend fahren Sie los. Südlich des Emstunnels wollen sie an der A 31 beginnen und nach Süden fahren. In Bramsche besuchen sie Verwandte zum Kaffeetrinken, danach geht es die gleiche Strecke zurück Richtung Norden. „Wenn wir vor dem Emstunnel nicht die letzten Taschen losgeworden sind, fahren wir eben weiter. Die Taschen werden alle verschenkt“, sagt Diedenhoven.
Freude über Geschenke
Im letzten Jahr hatte das Paar schon die unterschiedlichen Reaktionen der Fahrer erlebt. Manche waren zunächst misstrauisch, als es an der Fahrerkabine geklopft hat. Sie vermuteten oft zunächst Polizei oder Kriminelle. Aber nach kurzer Zeit hätten sie sich alle sehr gefreut. „Manche haben uns als Dank auch Bonbons oder Mandarinen geschenkt“, sagt Diedenhoven. „Die haben wir dann direkt wieder in die nächsten Tüten getan und weiterverschenkt.“
Manche Fahrer waren gerade am Telefonieren mit ihren Familien, als Ingo und Astrid Diedenhoven kamen, sagt der ehemalige Kapitän. „Die haben dann ihren Familien ganz gerührt erzählt, dass sie ein Geschenk bekommen haben.“ Die Fahrer auf den Parkplätzen kommen überwiegend aus Osteuropa, aus Litauen, Polen, der Ukraine, manche auch aus der Türkei.
Dank Smartphones und Übersetzungsapps sowie ein bisschen Englisch ist trotz Sprachbarrieren ein Austausch möglich.
