Krummhörn - Die Pläne der Europäischen Union, die Grundschleppnetzfischerei an der Küste zu verbieten, ziehen immer weitere Kreise. Kommt das Verbot, sehen sich die Krabben- und Muschelfischer in ihrer Existenz bedroht. Entsprechend groß ist der Protest – auch in der Krummhörn. Angefangen hat es mit schwarzen Kreuzen, die sich über die Gemeinde erstrecken. Jetzt will sich die Politik auf die Seite der Fischer stellen und eine Resolution verabschieden. Ganz kurzfristig ist dafür für Montagabend eine Ratssitzung einberufen worden.
Idee aus der Politik
In der Einladung zur Sitzung gibt es auch nur einen Tagesordnungspunkt: „Die Verabschiedung einer Resolution gegen die Verordnungsentwürfe der EU-Kommission, die ein Verbot der aktiven bodenberührenden Fischerei in den Meeresschutzgebieten der deutschen Küste sowie ein Verbot der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln in Vogelschutzgebieten beinhalten.“ Was genau dahinter steckt, ist allerdings noch nicht ganz klar. „Wir sind gerade dabei, einen Text zu verfassen“, sagte Ratsvorsitzender Heiko Ringena (fbl) am Freitagmittag im Gespräch mit der Redaktion. Ringena und SPD-Ratsherr Focko Smit kam die Idee zur Resolution im Verwaltungsausschuss am Dienstag.
Für besagte Resolution, die von allen Fraktionen im Rat mitgetragen werden soll, wollen beide nun einen Konsens finden. „Und es muss schnell gehen“, betonte Ringena, denn in der nächsten Woche steht schon die Argrarministerkonferenz in Büsum (Schleswig-Holstein) an. „Bis dahin wollen wir das durchhaben. Es ist wichtig, jetzt ein Zeichen zu setzen und mehr Aufmerksamkeit für dieses Thema zu bekommen“, sagte der Ratsvorsitzende. Deshalb haben die Ratsherren in ihrem Aufruf an die EU nicht nur die Fischerei, sondern auch die Landwirtschaft eingebunden. „Auch hier wird es selbst im Biobereich immer schwieriger, vernünftig zu arbeiten“, sagte Ringena. „Es geht um Arbeitsplätze, um Familien und um ganze Berufe“, betonte der fbl-Ratsherr.
Alles ganz schnell
Jetzt soll deshalb alles ganz schnell gehen. Dass die Kurzfristigkeit möglich war, ist auch einem schnellen Handeln der Verwaltung um Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos) zu verdanken. „Wir wollen nicht warten, sondern müssen handeln“, sagte sie auf Anfrage. Ein Blick in den Sitzungskalender und in den Belegungsplan der IGS-Mensa machte die Terminfindung schnell möglich. Und bei dieser kurzen Tagesordnung „geht das auch mal ohne vorherige Vorlage“, sagte Looden mit Blick auf die Dringlichkeit. Looden: „Müssen wir die Verordnung umsetzen, verschwindet die Fischerei vor der Küste“, fasst sie die Dramatik der EU-Pläne zusammen.
Sie selbst hat mit ihren Amtskollegen am Donnerstag in Neuharlingersiel die niedersächsische Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte (Grüne) getroffen, die sich dort auch mit den Fischereivertretern austauschte. „Wir müssen alles versuchen, was möglich ist“, sagte Looden. Weil es in der Bevölkerung schon eine breite Unterstützung gibt, erhofft sie sich auch starken Rückhalt im Gemeinderat.
Der Rat tagt am Montag um 18.30 Uhr in der Mensa der IGS in Pewsum, Bunter Weg 15.
