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EU-Verordnung zum Grundschleppnetzverbot Krummhörner Politik setzt sich für das Überleben der Krabbenfischer ein

Am Donnerstag wurde in Neuharlingersiel protestiert: Hier traf sich die niedersächsische Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte (Grüne) mit Fischern und Politikern.

Am Donnerstag wurde in Neuharlingersiel protestiert: Hier traf sich die niedersächsische Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte (Grüne) mit Fischern und Politikern.

Klaus Händel

Krummhörn - Die Pläne der Europäischen Union, die Grundschleppnetzfischerei an der Küste zu verbieten, ziehen immer weitere Kreise. Kommt das Verbot, sehen sich die Krabben- und Muschelfischer in ihrer Existenz bedroht. Entsprechend groß ist der Protest – auch in der Krummhörn. Angefangen hat es mit schwarzen Kreuzen, die sich über die Gemeinde erstrecken. Jetzt will sich die Politik auf die Seite der Fischer stellen und eine Resolution verabschieden. Ganz kurzfristig ist dafür für Montagabend eine Ratssitzung einberufen worden.

Idee aus der Politik

In der Einladung zur Sitzung gibt es auch nur einen Tagesordnungspunkt: „Die Verabschiedung einer Resolution gegen die Verordnungsentwürfe der EU-Kommission, die ein Verbot der aktiven bodenberührenden Fischerei in den Meeresschutzgebieten der deutschen Küste sowie ein Verbot der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln in Vogelschutzgebieten beinhalten.“ Was genau dahinter steckt, ist allerdings noch nicht ganz klar. „Wir sind gerade dabei, einen Text zu verfassen“, sagte Ratsvorsitzender Heiko Ringena (fbl) am Freitagmittag im Gespräch mit der Redaktion. Ringena und SPD-Ratsherr Focko Smit kam die Idee zur Resolution im Verwaltungsausschuss am Dienstag.

Fischer protestieren mit einem Transparent im Hafen Neuharlingersiel, dahinter (v. l.) die Bürgermeister Hilke Looden (Krummhörn), Hans-Peter Heikens (Jemgum), Ministerin Miriam Staudte (Grüne), Andreas Eden (Kurdirektor Neuharlingersiel), Karin Emken (SPD–Landtagsabgeordnete), Bürgermeister Jürgen Peters (Neuharlingersiel), Dirks Sander (Vorsitzender Fischereiverband) und David de Leeuw (Muschelfischer).

POLITIKERIN IN NEUHARLINGERSIEL Landwirtschaftsministerin sagt Krabbenfischern Unterstützung zu

Julia Dittmann
Neuharlingersiel

Für besagte Resolution, die von allen Fraktionen im Rat mitgetragen werden soll, wollen beide nun einen Konsens finden. „Und es muss schnell gehen“, betonte Ringena, denn in der nächsten Woche steht schon die Argrarministerkonferenz in Büsum (Schleswig-Holstein) an. „Bis dahin wollen wir das durchhaben. Es ist wichtig, jetzt ein Zeichen zu setzen und mehr Aufmerksamkeit für dieses Thema zu bekommen“, sagte der Ratsvorsitzende. Deshalb haben die Ratsherren in ihrem Aufruf an die EU nicht nur die Fischerei, sondern auch die Landwirtschaft eingebunden. „Auch hier wird es selbst im Biobereich immer schwieriger, vernünftig zu arbeiten“, sagte Ringena. „Es geht um Arbeitsplätze, um Familien und um ganze Berufe“, betonte der fbl-Ratsherr.

Ein Krabbenkutter im Watt vor Neuharlingersiel. Geht es nach den Plänen der EU-Kommission, wird es ein solches Bild schon bald nicht mehr geben.

VERBOT FÜR KRABBENFISCHER Kurdirektor Andreas Eden sorgt sich um den Tourismus in Neuharlingersiel

Klaus Händel
Neuharlingersiel

Alles ganz schnell

Jetzt soll deshalb alles ganz schnell gehen. Dass die Kurzfristigkeit möglich war, ist auch einem schnellen Handeln der Verwaltung um Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos) zu verdanken. „Wir wollen nicht warten, sondern müssen handeln“, sagte sie auf Anfrage. Ein Blick in den Sitzungskalender und in den Belegungsplan der IGS-Mensa machte die Terminfindung schnell möglich. Und bei dieser kurzen Tagesordnung „geht das auch mal ohne vorherige Vorlage“, sagte Looden mit Blick auf die Dringlichkeit. Looden: „Müssen wir die Verordnung umsetzen, verschwindet die Fischerei vor der Küste“, fasst sie die Dramatik der EU-Pläne zusammen.

Sie selbst hat mit ihren Amtskollegen am Donnerstag in Neuharlingersiel die niedersächsische Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte (Grüne) getroffen, die sich dort auch mit den Fischereivertretern austauschte. „Wir müssen alles versuchen, was möglich ist“, sagte Looden. Weil es in der Bevölkerung schon eine breite Unterstützung gibt, erhofft sie sich auch starken Rückhalt im Gemeinderat.

Der Rat tagt am Montag um 18.30 Uhr in der Mensa der IGS in Pewsum, Bunter Weg 15.

In der Greetsieler Kirche findet am Sonntag ein Solidaritäts-Gottesdienst für die Fischer statt.

AKTION IN GREETSIEL Solidaritäts-Gottesdienst für die Fischer im Dorf

Greetsiel
Das Krabbenbrötchen ist in vielen Fischrestaurants und -imbissen an der Nordseeküste ein Kassenschlager.

EU PLANT SCHLEPPNETZVERBOT Krabbenbrötchen bald ohne Krabben aus der Nordsee?

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Jens Tammen Emder Zeitung (Stv. Leitung)
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