Emden - Auf dem Gelände der Großen Seeschleuse, die demnächst umfassend saniert werden soll, tut sich bereits im Vorfeld einiges. Nachdem im Januar/Februar rund 30 Kastanien gefällt worden waren, ist nun auch ein historisches Gebäude abgerissen worden. Rodung und Abriss begründet Hafenbetreiber Niedersachsen Ports (N-Ports) mit der künftigen Deichsicherheit in diesem Bereich.
Das heißt konkret: Sowohl die Bäume als auch das Haus aus dunkel gebranntem Klinker, das sogenannte Mittelhaus, standen dem neuen Deich im Weg.
Zuletzt einsturzgefährdet
Dieser Ringdeich, der die 260 Meter lange und 40 Meter breite Schleusenkammer umschließt, muss erhöht und verbreitert werden, erläuterte N-Ports auf Anfrage dieser Redaktion. Die gesetzliche Vorgabe lautet: Weder stark wurzelnde Pflanzen wie Bäume und Sträucher noch Bauwerke dürfen in einem Deich stehen. Wenn die Große Seeschleuse erneuert wird, müssen jedoch die neuen Anforderungen an den Hochwasserschutz berücksichtigt werden, führt das in Oldenburg ansässige Hafenunternehmen weiter aus. Als das Wasserbauwerk von 1992 bis 1996 zuletzt umfassend saniert wurde, waren die Kastanien per Sondergenehmigung lediglich geduldet worden.
Das denkmalgeschützte Haus, das nun von einem Bagger dem Erdboden gleichgemacht wurde, stammte aus dem Jahr 1913, also dem Jahr, in dem die Schleuse – damals eine der größten weltweit – ihren Betrieb aufnahm. Es ist später in Teilen wiederholt saniert worden. Zuletzt habe Einsturzgefahr bestanden. Das sei das Ergebnis einer Bauwerksprüfung gewesen, schreibt N-Ports. Der Abriss sei bei der Stadt Emden (untere Denkmalschutzbehörde) beantragt und von dieser genehmigt worden. Das historische Gebäude teilt das Schicksal des ehemaligen Zollhauses neben der Nesserlander Schleuse, das im Zuge des Schleusenneubaus (2011 bis 2018) und einer Deichanpassung ebenfalls abgerissen wurde. Genutzt wurde das Haus an der Großen Seeschleuse wegen der Einsturzgefahr in letzter Zeit nicht mehr. Früher befanden sich dort Aufenthalts- und Werkstatträume für die Mitarbeiter der Schleuse. Mit dem Bau der neuen Hafenbetriebszentrale gleich nebenan am Außenhaupt – die Zentrale ging vor zehn Jahren offiziell an den Start – wurde das Mittelhaus überflüssig.
Erinnerung an die Bauzeit: Dieser Gedenkstein soll laut Niedersachsen Ports erhalten bleiben. Bild: Marten Klose
Stein bleibt
Auf der östlichen Seite der Schleusenkammer, gegenüber dem Mittelhaus, wurde einst ein Gedenkstein aufgestellt, der an die Erbauung des damals grandiosen Bauprojektes erinnert. Dieser mit zwei Schildern versehene Stein wird wohl nicht weichen müssen. „Wir gehen davon aus, dass der Stein an Ort und Stelle verbleiben kann“, schreibt dazu N-Ports. Sollte dies nicht der Fall sein, werde man einen neuen Platz auf dem Schleusenareal finden. Auf den Schildern sind folgende Zeilen zu lesen: „Neue Seeschleuse – erbaut unter der Regierung Kaiser Wilhelm II in den Jahren 1910-1913“ sowie „Erbaut von Reg.- und Baurat Zander“.
Nur noch ein Haufen Schutt: das Haus von 1913. Im Hintergrund der Autotransporter „Elbe Highway“, rechts am Bildrand die moderne Hafenbetriebszentrale. Bild: Marten Klose
