Emden - Bevor der neue Großschiffsliegeplatz im Emder Hafen errichtet werden kann, ist noch einiges an Arbeit, besser gesagt: an Mehrarbeit zu verrichten. Betroffen davon ist insbesondere der Bereich der bestehenden, für den Autoumschlag genutzten Emspier. Die Kajenoberfläche muss abgesenkt werden, um die Auswirkungen der Tidesteuerung durch das Emssperrwerk bei Gandersum auszugleichen. Das geht aus einer Antwort von Niedersachsen Ports (N-Ports) auf eine Anfrage dieser Redaktion hervor.
50 Zentimeter in zehn Minuten
Der Großschiffsliegeplatz wird seit Jahren geplant und noch länger von der Hafenwirtschaft gefordert. Mit der neuen Umschlagsanlage soll „auf veränderte Schiffsgrößen und die daraus resultierenden und geforderten Kapazitäten sowie die Tidesteuerung“ reagiert werden, heißt es in der Antwort aus Oldenburg.
Bei den anfänglichen Liegeplatz-Planungen war von der Tidesteuerung, mit der die Qualität des Flusses im Zuge des „Masterplan Ems 2050“ verbessert werde soll, noch nicht die Rede. Probeläufe vor drei Jahren ergaben, dass bei einer Tideniedrigwasser-Anhebung mit Hilfe des Sperrwerks der Wasserspiegel im Emder Hafen bei Niedrigwasser um 40 bis 50 Zentimeter absinkt – und das innerhalb von nur zehn Minuten, also sehr schnell. Das bedeutet: Auch die vorhandene Liegewannentiefe an der Emspier sinkt um diesen Wert. Hinzu kommt: Die abrupte Veränderung des Wasserspiegels führt zu Problemen mit den Verladerampen (RoRo-Rampen = Roll on/Roll off) der Autotransporter, über die die Neufahrzeuge an Bord oder an Land rollen. Die Rampen drohen auf der Kaifläche aufzusetzen, Kai und Schiff können dadurch beschädigt werden.
Weitere Verzögerung
Nun soll zunächst die bestehende Kajenoberfläche zumindest in einem Teilbereich angepasst werden, um solche Schäden zu vermeiden. Allerdings: Diese Maßnahme war bislang nicht Bestandteil der Planungen und muss nun erst noch eingearbeitet werden. Das heißt, dass sich das Neubau-Projekt weiter verzögert. Planungsbüros sind derzeit mit den Berechnungen für die Kajenabsenkung beauftragt. Die Bearbeitung der Unterlagen soll in diesem Jahr abgeschlossen werden, teilte N-Ports mit.
In einem ursächlichen Zusammenhang mit dem neuen Liegeplatz steht auch die geplante Anpassung der Fahrrinne in der Außenems. Auch dieses Projekt schwelt seit rund 20 Jahren vor sich hin und soll nicht zuletzt der Entwicklung der Schiffsgrößen und der wachsenden Umschlagsmengen Rechnung tragen. Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) skizzierte dazu auf der jüngsten Bilanzpressekonferenz von N-Ports noch einmal die Konfliktsituation von ökologischen und wirtschaftlichen Notwendigkeiten: „Wie schaffen wir ökologische Verbesserungen, indem wir Sedimente entnehmen und verbessern dadurch gleichzeitig die Zufahrt zum Emder Hafen?“ Lies geht davon aus, dass im kommenden Jahr ein Planfeststellungsbeschluss gefasst werden kann, der bessere Umweltstandards und eine Perspektive für die Hafenwirtschaft verbindet.
