Emden - Damit war nicht unbedingt zu rechnen: Niedersachsen Ports (N-Ports), Betreiber von fünf See-, drei Regional- und sieben Inselversorgungshäfen, hat im vergangenen Jahr ein Plus von elf Millionen Euro erwirtschaftet. Das bestätigte Geschäftsführer Holger Banik in einem Gespräch mit dieser Redaktion. Damit seien die höchsten Umsatzerlöse seit der Gründung von N-Ports im Jahr 2005 registriert worden.
Fokus auf Flächen
Profitieren wird davon neben anderen Standorten nicht zuletzt der Emder Hafen – in den bestehenden Bereichen und in den noch zu entwickelnden. 10,5 Prozent mehr Fracht wurden 2022 in den Häfen zwischen Emden und Cuxhaven umgeschlagen, das bedeutet mehr Einnahmen (Hafengeld/Kajegeld) für den Betreiber und verschafft ihm „mehr Spielmasse“, stellte Banik fest. Hinzu komme, dass man weitere Flächen vermietet habe. Das spült ebenfalls zusätzlich Geld in die Kassen von N-Ports.
Und in puncto Hafenflächen ist ohnehin noch gewaltig Luft nach oben. Grund zu Optimismus gibt die große Resonanz auf Flächenausschreibungen im Wybelsumer und Larrelter Polder. Für 82 Hektar liegen bereits zehn Bewerbungen vor.
„Viele Anfragen“
Dort wird es also schon eng, weshalb der immer wieder als Industriefläche thematisierte Rysumer Nacken ins Spiel kommt. 111 Hektar sind dort für hafennahe Nutzung bebauungsrechtlich abgesichert. Noch einmal so viel gäbe es dort für Gewerbe und Industrie zu vermarkten. Das Interesse ist groß. Emden setzt – wie andere Regionen – auf die Produktion von grünem Wasserstoff. Noch im Januar hatte Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) gegenüber dieser Redaktion eine „enorme Nachfrage“ im Bereich des großen Komplexes Energiewende bestätigt. Er sprach von „viel Bewegung im Markt“, wenngleich die weltweite Konkurrenz groß sei. Banik berichtete jetzt von „vielen Anfragen“ im für die Wasserstofferzeugung wichtigen Bereich Elektrolyseure (Vorrichtung, in der mit elektrischem Strom eine Stoffumwandlung herbeigeführt wird).
Etwas am Rysumer Nacken zu entwickeln ist allerdings mit einem hohen Aufwand verbunden, nicht zuletzt wegen der noch zu schaffenden Infrastruktur. Stichwort: fehlende Gleisanbindung. „Das ist ganz sicher nicht in kurzer Zeit zu bewerkstelligen“, warnte Banik vor zu viel Euphorie. Gleichwohl bietet das ausgewiesene Industriegelände (dort befindet sich seit vielen Jahren die Gas-Anlandestation von Gassco), das größtenteils wie ein Naturschutzgebiet anmutet, schon jetzt einen Zugang zum Wasser über eine schwerlastfähige Pier der AG Ems.
Noch zu klären wäre, wie künftig der Autoverkehr zu den Betrieben rollen kann, denn die Überfahrt am Siel- und Schöpfwerk Knock unterliegt einer Gewichtseinschränkung. Die Pläne am Rysumer Nacken haben längst auch Deichacht und Entwässerungsverband auf den Plan gerufen. Inzwischen kristallisiert sich heraus, dass die weiter im Binnenland verlaufende Hauptdeichlinie nach vorne verlegt werden soll. Obendrein hätte eine Neueindeichung auch Einfluss auf die Entwässerung im unmittelbaren Hinterland, wie der Verband unlängst betonte.
„Permanente Kontrolle“
Und was ist mit dem „alten“ Emder Hafen, also vor allem dem Binnenhafen mit Nord- und Südkai, Ölhafen, Terminal I, Industriehafen? Bis zu 60 Prozent des Jahresumschlags wird dort abgewickelt. Der immer mal wieder geäußerten Kritik, vor allem in sozialen Netzwerken, dieser Bereich des Hafens werde vernachlässigt, treten Banik und Hollander entschieden entgegen. „Es passiert ganz viel. Wir sanieren ja auch“, sagte Banik. Emden partizipiert dabei von den 53 Millionen Euro pro Jahr, die im Haushalt von N-Ports für Instandhaltungen festgeschrieben sind. So ist zum Beispiel das Neptundock am Alten Emder Fahrwasser mit einer neuen 100 Meter langen Stahlspundwand versehen worden. Kostenpunkt: 800.000 Euro. Acht Millionen Euro (zu 50 Prozent vom Bund gefördert) wurden in die Modernisierung der Hafenbahn gesteckt. Die Straße Zum Nordkai wird in diesem Jahr im zweiten Bauabschnitt bis zum Nordkai fertigsaniert (vier Millionen Euro). Sechs Millionen Euro kostete die Umrüstung auf LED-Technik. Die Baggerungen im Binnenhafen verschlingen mittlerweile pro Jahr vier bis fünf Millionen Euro. Vor neun Jahren waren das noch 1,8 Millionen, weiß Banik. „Alle sechs Jahre finden Hauptprüfungen der Kajen und Gleisanlagen statt und jedes Jahr eine Besichtigung. Es gibt also eine permanente Kontrolle“, erläuterte Aiko Hollander. Banik fügte hinzu: „Nicht alles, was vielleicht schlecht aussieht, ist auch schlecht.“
