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Flussverbesserung und Hafenwirtschaft Sperrwerkeinsatz verteuert Kajenbau stärker als gedacht

Zwischen Emskai und Emspier (im Vordergrund) soll ein Großschiffsliegeplatz die Lücke schließen. Bei den mindestens 70 Millionen Euro dafür wird es aber womöglich nicht bleiben.

Zwischen Emskai und Emspier (im Vordergrund) soll ein Großschiffsliegeplatz die Lücke schließen. Bei den mindestens 70 Millionen Euro dafür wird es aber womöglich nicht bleiben.

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Emden - Etwas für die Umwelt tun und zugleich dafür sorgen, dass wirtschaftliche Interessen gewahrt bleiben – das funktioniert in der Regel nicht zum Discounterpreis. Eines von vielen Beispielen dafür sind zwei eng miteinander verknüpfte Vorhaben an der Ems: der geplante Bau eines Großschiffsliegeplatzes in Emden und der Einsatz des Sperrwerks bei Gandersum zur Tidesteuerung. Letzteres sorgt möglicherweise dafür, dass Niedersachsen Ports (N-Ports) deutlich mehr in Hafenanlagen investieren muss, als zunächst geplant war.

Arbeiten nebenan

Dabei geht es nicht nur um den geplanten Großschiffsliegeplatz allein. Da rechnet N-Ports als Hafenbetreiber derzeit mit 70 Millionen Euro (2019 waren noch 55 Millionen veranschlagt). Was die Investition zusätzlich verteuert, sind Arbeiten an den benachbarten Umschlaganlagen, die mit dem Liegeplatzbau, aber vor allem durch den Spezialeinsatz des Sperrwerks erforderlich werden. Das erläuterten N-Ports Geschäftsführer Holger Banik und der Emder Niederlassungsleiter Aiko Hollander in einem Gespräch mit dieser Redaktion. Konkrete Summen nannten beide nicht.

Fakt ist: Der geplante Einsatz des Emssperrwerks zur Tidesteuerung (damit soll im Zuge des Masterplan Ems 2050 die Qualität des Flusses verbessert werden) würde sich massiv auf das Umschlaggeschehen im tideabhängigen Teil des Emder Hafens, also vor den beiden Schleusen auswirken. Tests hatten ergeben, dass bei einer sogenannten Tideniedrigwasser-Anhebung mithilfe des Sperrwerks bei Gandersum der Wasserstand im Hafen innerhalb von zehn Minuten um 40 bis 50 Zentimeter sinkt – fatal, wenn gerade Schiffsfracht gelöscht oder verladen wird. Denn dann passieren zwei Dinge: Auch die vorhandene Liegewannentiefe sinkt um diesen Wert. Und die Verladerampen, über die Neufahrzeuge oder Militärgüter an oder von Bord rollen, drohen auf der Kaifläche aufzusetzen, was Schäden am Schiff und an der Kaje zur Folge hätte.

Weiter in die Ems hinein

Noch ist nicht entschieden, ob tatsächlich die Tideniedrigwasser-Anhebung oder die alternative Flutstromsteuerung zum Einsatz kommt, um den Schlickeintrag zu regulieren. Falls es die erste Variante wird – und die Wahrscheinlichkeit ist nicht gering –, wären damit Folgekosten für den Hafen verbunden. „Derzeit werden die Ausführungspläne zum Bau des Großschiffsliegeplatzes auf die Einwirkungen der Tidesteuerung überarbeitet beziehungsweise angepasst“, schrieb dazu N-Ports auf Nachfrage dieser Redaktion. Diese „Anpassung“ beinhaltet unter anderem die Variante, den neuen Liegeplatz wegen der Tiefgangsproblematik weiter in die Ems hineinzubauen. Von drei bis fünf Metern ist dabei die Rede. Das würde dann allerdings auch für die benachbarten Kajen Emskai und Emspier gelten. Deren Spundwände müssten entsprechend vorversetzt werden, damit Emskai, Großschiffsliegeplatz und Emspier eine Flucht bilden. Der Ausbau wäre notwendig, weil die vorhandenen Spundwände statisch ausgereizt seien, wie Banik und Hollander betonten. Und die Liegewannen vor jedem Kai werden bereits auf die maximale Tiefe unterhalten.

Mit alledem ist jedoch die Rampenproblematik noch nicht gelöst. Doch auch dafür gibt es – zumindest theoretisch – eine Lösung. Auf der jeweiligen Kaje soll die Fläche in einem bestimmten Abschnitt vertieft werden, um bei plötzlich absinkendem Wasserstand gewappnet zu sein. Das hatte N-Ports gegenüber dieser Redaktion im April bestätigt. Eine Baumaßnahme übrigens, die nicht nur den neuen Liegeplatz beträfe, sondern auch auf Emskai und Emspier zu übertragen wäre, betonte N-Ports jetzt.

2004 erstmals Thema

Der Großschiffsliegeplatz war erstmals 2004 anlässlich der Eröffnung der Emspier vom damaligen Geschäftsführer der Autoport Emden GmbH, Hans-Wilhelm Wilde­boer, öffentlich als Wunsch der Hafenwirtschaft ins Gespräch gebracht worden. Zwischenzeitlich lief das Projekt unter dem Arbeitstitel „Amerika-Pier“. Die Fertigstellung wird bei einer Bauzeit von etwa zwei Jahren laut N-Ports-Geschäftsführer Holger Banik „frühestens 2027“ erfolgen.

Axel Milkert
Axel Milkert Emder Zeitung (Leitung)
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