Emden - Das Tal scheint durchschritten, der Emder Hafen ist bei den Umschlagszahlen wieder im Aufwind: 4,28 Millionen Tonnen wurden im Seeverkehr 2022 an den Kaianlagen direkt an der Ems (Emskai/Emspier/Dalbenliegeplatz), im Außenhafen und im Neuen Binnenhafen verladen oder gelöscht – ein Plus von 6,3 Prozent gegenüber 2021.
Maßgeblichen Anteil daran, dass sich der Hafen langsam aus der Corona-Delle (2020: 4,01 – 2021: 4,03 Millionen Tonnen) herausarbeitet, hat der wieder erstarkte Automobilumschlag. Der wurde in dieser Woche nicht nur bei der Vorstellung der niedersächsischen Hafenbilanz in Oldenburg erwähnt, sondern war bereits in einem Vorabfazit der Autoport Emden GmbH Ende Dezember bestätigt worden. 1,11 Millionen Fahrzeuge rollten 2022 über die Verladerampen, 14 Prozent mehr als im Vorjahr (0,98 Millionen). Der Im- und Export von Neuwagen hat also wieder angezogen.
Energiesektor herausgestellt
Autos polieren die Bilanz allerdings nicht allein auf. Aufhorchen lässt auch die Entwicklung bei der Verladung von Windenergieanlagen. Die Mengen haben sich laut Seaports „nahezu verdoppelt“. Tatsächlich läuft es in diesem Segment gut, bestätigte Timo Siebahn, Geschäftsführer des federführenden Hafenlogistikers Ems Ports Agency & Stevedoring (Epas), auf Anfrage dieser Redaktion. Mehr als 3000 Windkraftanlagen-Komponenten seien 2022 über die Kaikante gegangen. „Emden ist längst nicht mehr nur ein Automobilhafen“, sagte Siebahn. Der Hafen sei breit aufgestellt. Er richtete in diesem Zusammenhang sein Augenmerk besonders auf den Energiesektor. „Noch sind wir in Sachen Energiewende ein Underdog.“ Emden biete aber bereits eine Menge – als Basishafen für Windparks auf See, Verladehafen für Onshore-Anlagen, als Schlüsselstandort für Landanschlüsse von Offshore-Windparks und mit großen Flächen für Photovoltaikanlagen. Siebahn an die Adresse der Politik: „Das alles ist es wert, uns zu unterstützen.“
Überall Zugewinne
Zuwächse gab es in allen Gütergruppen, wie die Daten der Hafenmarketinggesellschaft Seaports of Niedersachsen belegen. Bei den Stückgütern steht unterm Strich ein Plus von 9,29 Prozent (2,58 Millionen Tonnen gegenüber 2,36 Millionen). Hierzu zählen neben Autos die sogenannten Forstprodukte, vornehmlich Zellstoff für die Papierindustrie (seit vielen Jahren auf hohem Niveau). Besser als 2020 und 2021 liefen auch die Geschäfte mit flüssigen Massengütern. In Emden sind das in erster Linie Calciumcarbonat (vor allem für die Papierherstellung) und Magnesiumchlorid, die beide im Ölhafen umgeschlagen werden. Seaports registrierte hier 749.443 Tonnen (2021: 731.883), was einem Zuwachs von 2,4 Prozent entspricht. Leicht zugelegt (plus 1,83 Prozent) haben die festen Massengüter (überwiegend Baustoffe plus ein kleiner Anteil an chemischen Düngemitteln). Hier ist die Hafenwirtschaft der Millionenmarke wieder ein Stück näher gerückt (953.515 gegenüber 936.337 Tonnen im Vorjahr).
Insgesamt noch mehr
Der Gesamtumschlag des Emder Hafens liegt genau genommen noch höher. Zu den 4,28 Millionen Tonnen im Seeverkehr kommen für 2022 noch 1,5 Millionen im Binnenschiffsverkehr hinzu. Macht summa summarum knapp 5,8 Millionen Tonnen (2021: 5,62 Millionen). Das ist fast exakt die Menge, die auch 1986 vom damaligen Hafenamt registriert worden waren und bis in die 2000er Jahre hinein den Topwert markierten. Damals war allerdings der Anteil von Erz und Kohle mit 1,8 Millionen Tonnen noch relativ groß. Im Laufe der Jahre entwickelten sich Güter wie Autos, Zellstoff und Windkraftanlagen immer stärker, weshalb die Gesamtwertschöpfung der umgeschlagenen Fracht heute wesentlich höher ist.
