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Netzwerker wollen Emder Familien helfen Neue Wegweiser durch das soziale Hilfenetz

Wollen Emder Familien an die Hand nehmen (von links): Eske Janssen, Tanja Jakobs, Arne Harders, Sonja Nordhaus, Lena Siewert und Ulrike Janssen.

Wollen Emder Familien an die Hand nehmen (von links): Eske Janssen, Tanja Jakobs, Arne Harders, Sonja Nordhaus, Lena Siewert und Ulrike Janssen.

Jens Voitel

Emden - „Das Sozialsystem in Deutschland ist gut“, sagt Sonja Nordhaus. „Aber auch sehr unübersichtlich“, schiebt die Sozialpädagogin nach. Ein neues, von der EU mit rund 1,4 Millionen Euro gefördertes Projekt soll hilfebedürftige Emder Familien künftig an die Hand nehmen und sie nicht nur durch den Dschungel der Behörden und Formulare, sondern auch zu den zahlreichen Anlaufstellen in der Stadt führen, die für unterschiedliche Probleme möglichst individuelle Hilfen anbieten. Sonja Nordhaus von der Ostfriesischen Beschäftigungs- und Wohnstätten GmbH (obw) wird künftig zusammen mit Projektleiter Arne Harders von der Nestor Bildungsinstitut GmbH die zunächst auf vier Jahre begrenzte Maßnahme verantworten. Zielgruppe sind Familien, die bereits vom Jobcenter oder von der Agentur für Arbeit finanziell unterstützt werden, die Anspruch auf den Kinderzuschlag oder die geplante Kindergrundsicherung haben sowie Alleinerziehende mit Unterstützungsbedarf oder auch Menschen mit Beeinträchtigungen. Der Fokus liegt generell auf Familien, wobei es egal ist, ob ein Elternteil oder aber ein Kind Hilfe braucht.

Riesiges Netzwerk

„Eine Mammutaufgabe“, räumten Sonja Nordhaus und Arne Harders am Freitag bei der Vorstellung des Projektes im Barenburger Kulturbunker offen ein. Denn Kern des Projektes ist, möglichst alle Einrichtungen und Institutionen in Emden, von der Jugend- und Familienhilfe, über private Anlaufstellen wie Pro Familia oder die Schuldnerberatung, bis hin zu Fachärzten und Psychotherapeuten in einem riesigen Netzwerk zusammenzubringen. Alle sollen wissen, dass sie in ihrer Arbeit von „Familie im Blickpunkt“ zum einen unterstützt werden können, dass das Projekt ihnen aber auch Hilfebedürftige zuführen kann. Die insgesamt sechs Sozialpädagogen und Integrationsbegleiter von „Familie im Blickpunkt“ nehmen sich der Probleme der Betroffenen an, helfen bei der Suche nach geeigneter Hilfe, unterstützen bei Anträgen und Behördenkontakten und begleiten die Familien, bis das richtige Hilfsangebot gefunden worden ist oder auch wenn lange Wartezeiten überbrückt werden müssen. Es kann auch um gesundheitliche Probleme gehen, um die fehlende Kinderbetreuung oder um Probleme bei der Wohnungssuche.

Austausch mit allen

Aufgerufen zur Zusammenarbeit und zum Austausch sind alle, die mit einer betroffenen Familie in Kontakt stehen. „Das kann der Hausarzt sein oder die Kindergartenleitung“, sagte Sonja Nordhaus. Vor allem aber können sich die Familien selbst bei „Familie im Blickpunkt“ melden – freiwillig natürlich, wie die Initiatoren betonen. Aber gibt es nicht schon Netzwerke der Behörden? Leiten nicht auch die Sozialhilfe der Stadt oder das Jobcenter Betroffene an andere Hilfseinrichtungen weiter? „Das werden wir auch weiter so machen“, betonte Kerstin Snakker vom zuständigen Fachbereich Gesundheit und Soziales bei der Stadt Emden. Doch die personellen Kapazitäten seien eben begrenzt, vor allem wenn es um eine fortgesetzte Begleitung geht. Daher freue man sich über das Projekt.

Ähnlich das Jobcenter: Auch hier werden Leistungsbezieher mit Problemen in der Regel bereits auf geeignete Hilfeeinrichtungen hingewiesen. Allerdings gilt das nur für Bezieher des Bürgergeldes und für Jugendliche ab 15 Jahre. „Deshalb kann das Projekt uns nur helfen“, sagten Jobcenter-Chef Bernd Leiß und der zuständige Teamleiter André Jentzsch. Jentzsch warnte allerdings zugleich vor Doppelstrukturen. Diese zu verhindern, sei auch eine der Aufgaben von „Familien im Blickpunkt“.

Von einer „großen sozialen Bedeutung“ sprach am Freitag Nestor-Geschäftsführer Harm Saueressig. Letztlich gehe es auch um die Teilhabe von benachteiligten Familien in der Stadt. Er geht davon aus, dass das Projekt im Schnitt jährlich rund 70 Familien betreuen kann.

Jens Voitel
Jens Voitel Emder Zeitung
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