Emden - Das Thema Künstliche Intelligenz (KI) gewinnt zunehmend an Bedeutung – auch an der Hochschule Emden/Leer. Bereits vor einigen Jahren hielt die KI Einzug in die Forschung – und wird dort auch in die Lehre integriert. Professor Dr. Andreas Haja, Studiendekan und Lehrender in der Abteilung Maschinenbau des Fachbereichs Technik, hat für seine Vorlesung im Bereich Elektrotechnik einen Chat-Bot entwickelt. Das Ziel: Die Studierenden sollen mit dem Thema ChatGPT zeitgemäß an fachliche Inhalte herangeführt werden. Gleichzeitig geht es darum, Kompetenzen im Bereich der künstlichen Intelligenz zu vermitteln.
Teil des Lehrplans
Haja ist seit 2014 an der Hochschule und betreibt neben seiner Lehrtätigkeit am Campus Emden die Lernplattform „FearlessEngineers.de“, auf der er aktuelle Projekte vorstellt, aber auch wichtige Themen aus den technischen Studiengängen anschaulich vermittelt. Sein Chatbot basiert auf dem GPT-4-Sprachmodell von Open AI und wurde in den Lehrplan für die Module Elektrotechnik und Programmieren integriert. Er ist speziell dafür ausgelegt, Fragen zu den Fachgebieten dieser Module zu beantworten.
Für Nicht-Fachleute: ChatGPT (GPT = Generative Pre-trained Transformer) ist eine leistungsstarke künstliche Intelligenz, die vom Unternehmen Open AI (ein Mitbegründer ist Elon Musk) entwickelt und dafür trainiert wurde, menschliche Unterhaltungen zu simulieren.
Ein Chatbot wiederum ist ein textbasierte Dialogsystem, das die Kommunikation mit einem technischen System erlaubt.
Als erster Chatbot gilt „Eliza“. Hierbei handelt es sich um eine erste Demonstration einer virtuellen Psychotherapeutin, die der deutsch-amerikanische Informatiker Joseph Weizenbaum (1923 bis 2008) in den Jahren 1964 bis 1966 programmierte.
„Die Anwendung kann den Studierenden außerhalb der Vorlesungen bei der Klärung von Fragen und dem Verständnis für die Inhalte helfen“, wird Haja in einer Mitteilung zitiert. Die Einbindung des innovativen Werkzeugs unterstreiche zudem das Bestreben der Hochschule, den Einsatz von KI in der Lehre voranzutreiben und die Möglichkeiten der digitalen Technologie für ein „verbessertes Lernerlebnis“ zu nutzen.
Kein Beratungsersatz
Durch die Nutzung der KI-gestützten Technologie werde das Programm kontinuierlich aktualisiert und verbessert, um den sich ändernden Bedürfnissen der Studierenden gerecht zu werden. Gleichwohl ermahnt Haja Nutzerinnen und Nutzer zu einem kritischen Umgang mit den von der KI gelieferten Antworten. „Diese dienen ausschließlich Informations- und Lernzwecken und sind nicht als Ersatz für eine individuelle Beratung durch qualifizierte Fachleute gedacht“, betont Haja.
Dennoch: Anstatt die KI als Gegner der Lehre zu betrachten, solle man sie als „wertvolles Werkzeug für ein besseres und schnelleres Lernen nutzen“, ist der Professor überzeugt. Zudem ermögliche der ChatBot den Lehrenden, sich auf die Vermittlung von Kernkompetenzen und den persönlichen Austausch mit den Studierenden zu konzentrieren. Zu finden ist er unter https://prof.tfe.academy.
Präsidium „digitalisiert“
Diese Einschätzung teilt auch Prof. Dr. Marco Rimkus, Vizepräsident für Studium und Lehre an der Hochschule Emden/Leer. „ChatGPT und andere KI-basierte Instrumente sind nunmehr frei verfügbar. Dieser Umstand wird sich nicht mehr ändern lassen. Die Frage ist also nicht, ob Hochschulen sich auf die damit verbundenen Konsequenzen einstellen müssen, sondern lediglich wie sie dieses tun,“ meint Rimkus.
Die Hochschule trägt der wachsenden Bedeutung von Digitalisierung auch mit einer Personalentscheidung Rechnung: Das Präsidium wurde am 1. März um das Ressort „Digitalisierung und Kommunikation“ erweitert. Aufgebaut wird es zurzeit von Vizepräsidentin Professor Dr. Anne Schweizer.
