Emden - Das neue Bürgergeld, das die Qualifizierung von Arbeitslosen deutlich mehr in den Fokus rücken soll als bisher, nimmt offensichtlich auch in Emden Fahrt auf. Über 200 Arbeitslose haben in dieser Woche auf Einladung des Jobcenters an einer Qualifizierungsmesse mit dem schönen Namen „Chance 2023 – gemeinsam Segel setzen“ im Barenburger Kulturbunker teilgenommen. Sie trafen dort auf insgesamt 17 Bildungsträger aus der Region und konnten sich somit mit deren breiten Angebot vertraut machen. Jobcenter-Chef Bernd Leiß wertete die ganztägige Veranstaltung bereits als großen Erfolg, auch wenn noch nicht klar ist, wie viele Arbeitslose letztlich eine Berufsausbildung in Angriff nehmen werden. Rund 1000 Kunden des Jobcenters waren angeschrieben worden.
Bis zu 20 Prozent
Nach Angaben von Leiß liegt die Arbeitslosigkeit bei Menschen mit abgeschlossener Berufsausbildung derzeit bei gerade einmal zwei Prozent und nähert sich damit der Vollbeschäftigung. Bei Menschen ohne Abschluss liegt die Arbeitslosenquote dagegen bei 20 Prozent. „Auch deshalb erwarten wird vom neuen Bürgergeld Rückenwind, um mehr Arbeitslose für eine Qualifizierung zu gewinnen.“ Im Kulturbunker konnten sich die Kunden des Jobcenters unter anderem mit Qualifizierungsmaßnahmen für den Pflegebereich, für die Gastronomie, für den gewerblichen Bereich, aber eben auch mit der Möglichkeit, einen Lkw-Führerschein zu machen, befassen. „Ich hoffe natürlich, dass sich der eine oder andere jetzt zuhause Gedanken darüber macht, ob so eine Qualifizierung nicht besser ist, als von einem Kurzzeitjob zum anderen zu wechseln“, sagte der Jobcenter-Geschäftsführer.
Staat honoriert
Tatsächlich steckt hinter dem Bürgergeld auch die Idee einer nachhaltigen Qualifikation. Entsprechend honoriert der Staat jetzt die Bemühungen der Arbeitslosen – mit einem Bürgergeld-Bonus von monatlich 75 Euro oder sogar mit monatlich 150 Euro, wenn die Qualifikation zu einem Berufsabschluss führt. Zwar ist die Nachfrage in Emden noch eher verhalten, aber das Jobcenter hält nicht nur das entsprechende Budget bereit, auch die Bildungsträger können noch zahlreiche Angebote machen, wie Leiß betonte. Allein in Emden beziehen rund 3700 Menschen das neue Bürgergeld, das aus dem bisherigen „Hartz IV“ hervorgegangen ist. Doch längst nicht alle stehen dem Arbeitsmarkt auch tatsächlich – aus unterschiedlichen sozialen oder gesundheitlichen Gründen – zur Verfügung.
Mangel an Arbeitskräften
Angesichts des Fachkräftemangels, aber auch einem Mangel an Arbeitskräften sehen die Agentur für Arbeit und das Jobcenter in den Langzeitarbeitslosen ein großes Potenzial. Allerdings ist eben zuvor sehr häufig eine entsprechende Qualifizierung nötig. „Erfreulich ist, dass die Qualifizierungsmesse auch von Menschen mit Migrationshintergrund und aus der Ukraine besucht worden ist“, sagte Leiß. Auch hier scheint das Interesse an einer beruflichen Qualifizierung zu wachsen.
