Navigation überspringen
nordwest-zeitung
Abo-Angebote ePaper Newsletter App Prospekte Jobs Immo Trauer Shop

Die Tücken der Deutschen Bahn Wie eine Zugfahrt zur Bildungsreise wird

Klaus Fackert
Klaus Fackert, ehemaliger Chefredakteur der Emder Zeitung und seit 2015 im Ruhestand, schreibt seine Kolumne „Die Woche ist um“ seit 40 Jahren jeweils zum Wochenende.
Die Woche ist um

Klaus Fackert, ehemaliger Chefredakteur der Emder Zeitung und seit 2015 im Ruhestand, schreibt seine Kolumne „Die Woche ist um“ seit 40 Jahren jeweils zum Wochenende.

privat

Emden - Die Deutsche Bahn hat ihrer Navigator-App ein Update verpasst. Da waren einige Dinge erstmal gewöhnungsbedürftig, als ich für meine Reise ans Mittelmeer die Hin- und Rückfahrt-Tickets zum Düsseldorfer Flughafen buchte. Aber es hat geklappt, jedenfalls mit den Fahrscheinen. Was mal wieder nicht klappte, war die pünktliche und direkte Verbindung zwischen Emden und Düsseldorf.

Sightseeingtour

Bei der Hinfahrt stellte mich die App vor die Wahl: Ein Teilstück der üblichen Verbindung könne ich mit dem sogenannten Schienenersatzverkehr bewältigen. Das heißt: In Leer hätte ich mit meinem Koffer in einen Bus umsteigen müssen, weil es irgendwo mal wieder eine Baustelle auf der Gleisstrecke gab. Ich wählte daraufhin die angebotene Umweg-Alternative, eine ausgedehnte Sightseeingtour gewissermaßen.

Sie führte über Bremen, Dortmund und Duisburg mit dreimaligem Umsteigen nach Düsseldorf. Es hätte natürlich auch passieren können, dass der streiklüsterne Lokführer-Häuptling Weselsky einmal mehr die rote Kelle hochhalten würde, doch das war an jenem Tag nicht der Fall.

Wenigstens konnte nun mein Auto in der Garage bleiben, auch wenn das in diesem Fall zweifellos die erholsamere Reisevariante gewesen wäre. Immerhin: Nach viereinhalb Stunden Zugfahrt konnte ich am Flughafen in den schwebenden „Sky-Train“ umsteigen.

Der pendelt alle paar Minuten zwischen dem Airport-Bahnhof und dem Abflugterminal und ist immer pünktlich, was wohl daran liegt, dass er nicht von der Deutschen Bahn betrieben wird.

Etwas Zoologie

Man kann übrigens durch die zahlreichen Umwegstrecken weitgehend unbekannte Ortschaften kennenlernen und somit geografisch seinen Horizont erweitern. Die Möglichkeit zur ausgiebigen Zeitungslektüre bietet darüber hinaus hervorragende Weiterbildungsmöglichkeiten.

So erfuhr ich kurz vor der Einfahrt in den Dortmunder Hauptbahnhof, dass es einen Schnabeligel gibt, der seit 60 Jahren als ausgestorben galt. Forscher entdeckten kürzlich ein Exemplar in einem indonesischen Gebirge. Präziser gesagt, handelt es sich sogar um einen eierlegenden Langschnabeligel, der den wissenschaftlichen Namen Zaglossus attenboroughi trägt. Namensgeber ist der weltbekannte Naturforscher David Attenborough, der sich sehr über den Sensationsfund freute.

Wäre ich nicht mit der Bahn gefahren, hätte ich vom Langschnabeligel eventuell nie erfahren und würde weiterhin glauben, dass es derartige Igel nur mit kurzem Schnabel gibt. Auf der Rückreise blieb leider nur sehr wenig Gelegenheit, um derartige Bildungslücken zu füllen. Ich war zu sehr mit der Navigator-App beschäftigt, um diverse Verspätungen, ausgefallene Züge und defekte Oberleitungen in meine Reisestrategie zu integrieren.

Schaffner vs. KI

Kurz vor Münster teilte mir die App in roter Alarm-Schrift mit, dass der dort vorgesehene Anschluss nach Emden mit der Westfalenbahn nicht klappen würde. Der Zug starte erst ab Rheine! Na toll.

Doch dann die Überraschung: Der vorherige Zug in Richtung Emden hatte 45 Minuten Verspätung und stand nun zufällig noch abfahrbereit in Münster. Die App wusste das zwar nicht, aber der Schaffner. Man kann nur hoffen, dass die Deutsche Bahn diesen Mann nicht irgendwann durch Künstliche Intelligenz ersetzt.

Themen
Artikelempfehlungen der Redaktion
Dortmunds Karim Adeyemi (Mitte l) in Aktion. Der BVB setzt sich ein zweites Mal gegen Paris Saint-Germain durch und steht damit im Finale der Champions League.

SIEG GEGEN PARIS SAINT-GERMAIN Dortmund steht im Finale der Champions League

Heinz Büse Jan Mies
Paris
Ein Wahlplakat des sächsischen SPD-Spitzenkandidaten zur Europawahl, Matthias Ecke hängt an der Schandauer Straße im Stadtteil Striesen an einem Laternenmast. Der sächsische SPD-Spitzenkandidat zur Europawahl, Matthias Ecke, ist beim Plakatieren im Dresdner Stadtteil Striesen angegriffen und schwer verletzt worden. Beim Befestigen von Wahlplakaten am späten Freitagabend schlugen vier Unbekannte auf den 41-Jährigen ein, wie Polizei und Partei am Samstag mitteilten.

SCHUTZ VON POLITIKERN Innenminister wollen schärfere Strafen prüfen

Dpa
Potsdam
Sie geben Orientierung im Evangelischen Krankenhaus (v.l.) Andreas Hoppe, Elli Fitzner, Gertrud Wessel-Terharn und Pastorin Anke Fasse.

EVANGELISCHES KRANKENHAUS IN OLDENBURG Sie geben Orientierung und Sicherheit im Krankenhaus-Dschungel

Anja Biewald
Oldenburg
Kommentar
Oliver Braun

ZUR ABSAGE DES DEMOKRATIEFESTES IN SCHORTENS Ideologiebefreit Probleme lösen

Oliver Braun
Verfolgt seinen Plan: Oldenburgs Cheftrainer Pedro Calles (links) spricht mit Deane Williams.

VOR AUSWÄRTSSPIEL IN ULM Baskets-Coach Pedro Calles blendet Rennen um Platz acht aus

Niklas Benter
Oldenburg