Greetsiel - Der traditionelle Kutterkorso in Greetsiel hat in diesem Jahr einen bitteren Beigeschmack: Aufgrund der angespannten Situation bei den Krabbenfischern, die sich Sorgen wegen eines möglichen Grundschleppnetzverbots machen, plus anhaltend geringen Fangmengen, „ist die Stimmung gerade sehr getrübt“, sagte Gerhard Conradi. Er selbst ist bis vor einigen Jahren mit seinem Kutter von Greetsiel aus zum Krabbenfischen ins Wattenmeer gefahren. Inzwischen hat er seit drei Jahren keinen eigenen Kutter mehr, hilft aber als zweiter Vorsitzender des Landesfischereiverbands Weser-Ems nach wie vor beim Korso mit. Und der findet trotz oder vielmehr gerade wegen der derzeitig schwierigen Situation statt. „Es ist eine Möglichkeit Fragen zu beantworten, die die Touristen stellen“, sagte Conradi.
Der Kutterkorso in Greetsiel findet am Samstag, 5. August, statt.
Los geht es ab 10 Uhr mit Auftritten des Norddeicher Shantychors, der niederländischen Magellan Singers aus Delfzijl und der Noszelie Singers aus Stadskanaal am Hafen.
Die großen Kutterfahrten starten um 11, 11.30 und 12 Uhr. Die Karten dafür sind laut Jakob Jacobsen ausverkauft.
Karten für die drei Sonderfahrten um 12.15 und 15.15 Uhr gibt es am 5. August ab 13.30 Uhr im Hafen zu kaufen.
Ab dem späten Nachmittag machen Kutterkapitän Rolf Gronewold und sein Bruder Bernd als Musikduo Partymusik im Hafen.
Das Programm kann sich je nach Wind und Wetterlage ändern.
Tickets ausverkauft
Insgesamt 13 Schiffe aus Greetsiel laufen am Samstag, den 5. August, aus – an Bord Hunderte Passagiere. Denn bereits jetzt sind die Karten für die großen Fahrten – diese führen durch die Schleuse ins Wattenmeer und zurück und dauern rund vier Stunden – ausverkauft. Vielleicht auch deshalb, weil dieses Mal nicht alle Kapitäne an der Festveranstaltung teilnehmen wollen. „Einige haben gesagt: Wir fahren nicht mit“, berichtete der Fischereivertreter. Ihnen sei in der aktuellen Situation nicht danach. Die übrigen würden sicherlich die Gelegenheit nutzen, um noch einmal auf Themen wie das EU-Verbot zu sprechen zu kommen – auch, weil weiterhin die schwarzen Kreuze samt Informationszetteln in der Krummhörn darauf hinweisen, dass die Küstenfischerei langfristig in ihrer Existenz bedroht ist.
Das mögliche Verbot hatte in diesem März große Aufregung entlang der Küste erzeugt. Zunächst war damals von einem in einem EU-Aktionsplan angestrebten Verbot ab dem kommenden Frühjahr die Rede gewesen. Inzwischen ist ein konkretes Verbot zwar vom Tisch, doch die Befürchtung, dass das Thema in den kommenden Jahren noch einmal akut werden könnte, verunsichert, nicht nur die Greetsieler Kutterkapitäne. Aber: „Wir können uns nicht in die Ecke setzen und heulen.“
Nicht selbstverständlich
Und deshalb schmeißen sie auch in ihrer Freizeit die Motoren an und brechen zum Kutterkorso auf. „Das ist keine Selbstverständlichkeit“, sagte Jakob Jacobsen vom Fremdenverkehrsverein Greetsiel. Er ist seit mehr als einem Jahrzehnt Organisator der Aktion und freut sich, dass so viele Krabbenfischer am Samstag, 5. August, ab 10 Uhr dabei sind. Die findet übrigens seit mehr als 30 Jahren im Hafen von Greetsiel statt. Wer übrigens noch einen Platz auf einem der Kutter ergattern will, der kann auf eine der drei Sonderfahrten hoffen. Diese dauern zwar nur eine Stunde, führen die Passagiere aber auch bis zur Schleuse und zurück – und bieten eine Möglichkeit, zum Thema Küstenfischerei ins Gespräch zu kommen.
