Die Situation im Bereich der ärztlichen Versorgung wird zunehmend schlechter. Das betrifft nicht nur Krankenhäuser, sondern vor allem auch den Bereich der niedergelassenen Ärzte. Wir sprachen mit Dieter Krott, Geschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) in Aurich.
Herr Krott, teilweise stehen Patienten nachts an, um beispielsweise bei einer neurologischen Praxis noch als Patient in der offenen Sprechstunde angenommen zu werden. Diese unzumutbaren Zustände können doch nicht im Sinn der Kassenärztlichen Vereinigung sein.
Dieter KrottDas sind sie auch nicht. Es ist schrecklich, dass das so läuft. Aber es fehlen leider landesweit überall Neurologen. Dieser Mangel hat dann solche Auswirkungen.
Dieter Krott (61), wuchs in Rastede (Landkreis Ammerland) auf, ist verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder und vier Enkelkinder.
Er ist seit 2013 Geschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) bei der Bezirksstelle Aurich.
Zuvor war er Geschäftsbereichsleiter Honorar in der Bezirksstelle Oldenburg.
Er wohnt in Nordgeorgsfehn.
Welche Möglichkeiten gibt es, außer sich nachts anzustellen?
KrottWir haben seit Beginn dieses Jahres eine sogenannte Hausarztvermittlung. Da kann der Hausarzt in dringenden und erforderlichen Fällen dafür sorgen, dass sein Patient einen zeitnahen Termin bei einem Facharzt bekommt. Und es gibt ja auch noch unsere Terminvergabe der KV unter Telefon 116 117.
Und wie lange dauert es dann, einen Termin zu bekommen?
KrottBei der direkten Vermittlung durch den Hausarzt geht es meistens sehr schnell, innerhalb einer Woche ist das meistens der Fall. Aber auch hier stoßen wir durchaus bei den Fachärzten an Kapazitätsgrenzen. Bei der Terminvermittlung der KV soll das innerhalb von vier Wochen passieren. Es gibt aber keinen Wunscharzt. Man erhält vielmehr innerhalb von vier Wochen einen Termin bei einem Facharzt in der Nähe, der noch über freie Kapazitäten verfügt.
Was bedeutet genau „in der Nähe“?
KrottFachärzte, die keine Spezialisten sind wie Rheumatologen, sondern zur fachärztlichen Grundversorgung gehören wie Hals-, Nasen-, Ohrenärzte, werden in einem Umkreis von rund 30 Kilometern vom Patientenwohnort angeboten. Es besteht die Maßgabe von einer Fahrzeit von bis zu 30 Minuten. In der spezialisierten fachärztlichen Versorgung, beispielsweise bei Kardiologen, ist es eine Stunde oder 60 Kilometer.
Wie kommt ein Patient ohne Auto dorthin?
KrottDer Patient ist auf Hilfe von Dritten angewiesen und er muss die Fahrt selber organisieren und bezahlen. Nur bei operativen Eingriffen gibt es eine Vergütung der Krankenkasse.
Warum organisieren Hausärzte nicht sowieso einen Facharzttermin?
KrottIn dringenden Fällen machen sie das und, wenn der Patient besondere Hilfe benötigt und das nicht alleine machen kann.
Bei einer immer älter werdenden Bevölkerung und immer mehr Singles müsste die Vermittlung des Hausarztes doch die Regel werden. Warum ist das nicht so?
KrottDie Praxen haben gar nicht die Kapazitäten. Es fehlen Ärzte – und Arztassistenten, die medizinische Aufgaben bereits in Kliniken übernehmen, sind bei niedergelassenen Praxen noch nicht erlaubt. Das System ist aus verschiedenen Gründen überfordert. Es müssen mehr Mediziner ausgebildet werden und der Schlüssel, zwischen Arzt und Einwohnerzahl muss auf Dauer niedriger werden. Aber diese Dinge werden nicht einmal im Land, sondern müssen auf Bundesebene geregelt werden.
