Ostfriesland - Martin Kaminski ist der neue Pastor der fünf eigenständigen Mennonitengemeinden in Emden, Leer, Norden, Oldenburg sowie im westfälischen Gronau. Rund 250 Mitglieder zählen die fünf Gemeinden der nordwestdeutschen Freikirche – in Emden sind es knapp 90, in Norden 40, in Leer zusammen mit Oldenburg 60 und in Gronau ebenfalls 60. In den Kirchen der eigenständigen Gemeinden hält er einmal im Monat einen Gottesdienst ab.
Die Mennoniten-Kirche am Marktplatz in Norden ist ein Hingucker: Sie ist ein umgewandeltes Patrizierhaus aus dem Jahr 1662 und untypisch für die Freikirchler. BILD: Holger Bloem
Die Mennoniten-Kirche in der Leeraner Altstadt wurde 1825 erbaut. Leer war im 18. Jahrhundert ein Zufluchtsort vor allem für niederländische Glaubensflüchtlinge. BILD: Holger Bloem
Mit dem Namen Brons eng verbunden
Eng verbunden mit der Emder Gemeinde ist vor allem der Familienname Brons. Darauf macht schon ein Schild an der Fassade am Gemeindehaus in der Brückstraße aufmerksam, in dem sich auch der Kirchsaal befindet, und weist es als ostfriesischen Frauenort aus: Mit ihrem Buch „Ursprung, Entwicklung und Schicksale der altevangelischen Taufgesinnten oder Mennoniten…“ begründet Antje Brons, die in Norden geborene Cremer ten Doornkaat, 1884 ihren Ruf als Kirchenhistorikerin und verfasst damit erstmals eine zusammenfassende Darstellung täuferischer Geschichte im deutschsprachigen Raum. Lange Zeit sollte dieses Werk die wichtigste Publikation in diesem Bereich bleiben. Antje Brons trägt maßgeblich dazu bei, das Bewusstsein für die Historiografie im mennonitischen Kontext zu wecken. Neben ihrem Hauptwerk, das in drei Auflagen erschien, verfasst sie weitere Publikationen „von Frauenhand“.
Schlichter Nachkriegsbau in Emden
Von außen ist das Gebäude in der Brückstraße, ein schmuckloser Nachkriegsbau aus den 1950er-Jahren, bewusst nicht als Kirche zu erkennen und bewusst schlicht gehalten, was auf die Verfolgung in der Reformationszeit zurückgeht. Die frühere Kirche an der Ecke Hofstraße, Ecke Kleiner Brückstraße, wurde im Krieg zerstört. Ganz anders dagegen die mennonitische Kirche am Marktplatz in Norden, ein umgewandeltes Patrizierhaus, das aus dem Jahr 1662 stammt und 1795 von der Mennonitengemeinde gekauft wurde „und so gar nicht mennonitisch ist“, wie Martin Kaminski sagt. Sie wird wegen ihrer guten Akustik vor allem auch für Konzerte genutzt.
Kirchen in Leer und Norden als Konzertorte
Eine lange Tradition hat auch die Kirche in Leer, die im Jahr 1825 im Stile des Klassizismus erbaut wurde – die Gemeinde entstand bereits um das Jahr 1540. „Durch die niederländischen Glaubensflüchtlinge hat die Stadt Leer im 18. Jahrhundert großen Aufschwung erlebt“, weiß Martin Kaminiski. „Durch sie wurde Leer zum Mittelpunkt der Leinenmanufaktur.“ Auch der Handel blühte – von 43 Handelshäusern waren 32 mennonitisch. Vor allem mit der Konzertreihe „Pfeifen und Möhren – Orgelmusik zur Marktzeit“ lockt das kleine Gotteshaus seit einigen Jahren an zwölf Samstagen nach Pfingsten mit einem halbstündigen Konzert zur Wochenmarktzeit viele Musikinteressierte – und das freut den Pastor über das Interesse. „Rund 70 bis 80 Prozent der Menschen, die in Norden oder Leer zu uns in die Kirche kommen, sind sowieso keine Gemeindeglieder“, sagt er.
