Papenburg - Auf der Papenburger Meyer Werft wird es eng. So eng, dass sich Werftchef Bernard Meyer ungewöhnlich offen an die Belegschaft wendet, um auf die pünktliche Ablieferung der Carnival Jubilee zu drängen. Die zeitige Übergabe des neuesten Kreuzfahrtschiffes an die Reederei ist entscheidend für die finanzielle Situation, schreibt Werftchef Meyer im aktuellen Mitarbeitermagazin „Kiek.ut“. Fließt doch rund 80 Prozent des Kaufpreises erst bei Schiffsübergabe. Weil aber die Zwischenfinanzierung des Baus immer schwieriger wird, hat erst im Frühjahr das Land eine Millionenbürgschaft übernommen.
Der 75-Jährige appelliert an die Mitarbeiter, die letzten Reserven zu mobilisieren. „Geben Sie noch einmal alles und unterstützen Sie, wo Sie nur können. Das Schiff muss pünktlich abgeliefert werden, und zwar mit möglichst wenigen Restpunkten.“ Bei den Restpunkten handelt es sich um nicht fertiggestellte Baustellen oder noch nicht abgenommene Bereiche auf dem Schiff. Und davon gibt es dem Vernehmen nach noch viele. Zu viele, um das Schiff am 4. Dezember, dem geplanten Übergabetermin, abliefern zu können, heißt es aus gut informierten Werftkreisen.
Jede Stunde benötigt
Offiziell bestätigt hat die Werft das nicht. Aber Bernard Meyer spricht „von der wichtigsten Ablieferung meines Lebens“ und bittet die Belegschaft dabei zu helfen, „das zu sichern, was wir als Familie zusammen mit Ihnen in all den Jahren aufgebaut haben“. Die Zeit wird also knapp, denn es geht auch um die Existenz der Werft. „Es wird massiv daran gearbeitet, den Ablieferungstermin zu schaffen. Und ja, das ist möglich“, sagt Werftsprecher Peter Hackmann auf Anfrage unserer Redaktion. Hackmann berichtet aber auch davon, das an Bord immer noch viel zu tun ist.
Der verantwortliche Projektleiter des Neubaus, Jürgen Storz, geht noch einen Schritt weiter: „Es gibt auch noch Bereiche, in denen es bis zur Ablieferung richtig eng wird und wo wir jede Stunde brauchen“, wird er im Mitarbeitermagazin zitiert. Werftsprecher Hackmann verweist zudem auf die noch ausstehenden Erprobungen und Tests, die zum Teil auf offener See erfolgen müssen. Doch dafür und auch für die Emspassage braucht es die richtigen Wetterverhältnisse. Einen Überführungstermin gibt es noch nicht. Das soll aber in den nächsten zwei Wochen der Fall sein. Das Schiff liegt aber schon jetzt vier Wochen länger im Werfthafen, als üblich.
Schon im Sommer hatten sich Werft und der Carnival Konzern darauf geeinigt, den Ablieferungstermin von Oktober auf Anfang Dezember zu verschieben. Denn von Anfang läuft es bei dem Schiff, das einmal mehr als 5300 Passagieren Platz bietet, nicht rund. Ausgangspunkt war ein Markenwechsel. Im März 2021 entschied sich der Carnival Konzern, das Schiff nicht für AIDA, sondern für Carnival Crusies Line und damit für den nordamerikanischen Markt bauen zu lassen.
Eine Neuplanung
Hintergrund sind die geringen Buchungszahlen auf dem europäischen Markt und die im Gegensatz dazu schneller wieder steigenden Zahlen in Nordamerika. Der Bau des Schiffes wurde vom finnischen Turku nach Papenburg verlegt. Mit dem Markenwechsel musste alles anders gemacht werden. Auch im Kabinenbau gab es große Schwierigkeiten.
